Ort fallen, wohin ihr geflohen seid, und offenbaret ihn ein Zufall, so schützt euch die Heiligkeit desselben, und die Hoheit der person, zu deren Freundinnen ihr euch zählen werdet. – O Ida, solltet ihr meine Elisabet kennen, ihr würdet sie würdig schätzen, eure Freundinn, eure Schüzzerinn zu sein. – Sie ist noch sehr jung, aber Unglück hat sie frühzeitig weise gemacht, ist vielleicht nicht ganz so schon wie die gräfin von Würtemberg, aber ihre Seele, o Gott, ihre grosse schöne engelreine Seele! was soll ich sagen? – sie ist die andre Helfte der Eurigen!
Herzog Albrecht war sehr bewegt, als er dieses sagte, er stand plötzlich auf, drückte Idas Hand, und verliess sie.
Siebentes Kapitel.
Ein Gespräch am Sprachgitter.
Auch Ida war bewegt, Dankbarkeit gegen ihren erhabenen Freund durchglühte ihr Herz, ob gleich etwas in seinem Betragen war, welches ihr die Entfernung von ihm erwünscht machte. Die Meinung, die sie von ihren Reitzen hatte, war zu bescheiden, die Gedanken, die sie von fester Ritter- und Fürstentreue hegte, zu gross und weitumfassend, als dass sie hätte fürchten sollen, der verlobte Albrecht würde seiner Elisabet um Idas willen treulos werden, nein, dieses war in ihrem Sinne eine so ausgemachte Unmöglichkeit als dieses, dass sie je im stand sein könne ihren Herrmann zu vergessen.
Aber der gute Engel, der der Unschuld immer zur Seite geht, flüsterte ihr doch oft und auch diesesmal ins Ohr, Herzog Albrechts Aufmerksamkeit für sie sei zu heiss, zu zärtlich, und – Flucht sei das beste.
Herzog Albrecht kam des Nachmittags wieder; gräfin, sagte er, ich habe euer Stillschweigen diesen Morgen für Einwilligung genommen, alles ist zu eurer Abreise fertig, sie kann diese Nacht vor sich gehen; werdet ihr mir bis dahin eure Gesellschaft auf einige Stunden gönnen? es wird mir schwer von euch zu scheiden, und ich habe euch so viel, ach so viel zu sagen, das meine Elisabet durch euch wissen muss. Ihr könntet vielleicht das Werkzeug sein, sie und mich glücklicher zu machen als wir hoffen konnten je zu werden, uns eine Mutter wieder zu schenken, die wir verloren glaubten, und von deren Leben ich erst vor kurzem durch euren Herrmann einige Winke bekam.
Herzog Albrechts Worte waren von einem Innhalt, wurden mit einem Tone gesprochen, welcher Aufmerksamkeit erregte; Ida verlor nichts von dem was ihr ihr erhabener Freund in dieser und einigen folgenden Stunden vortrug, und wovon wir vielleicht in der Zukunft mehr hören werden. Das Leben der königin Maria, Siegmunds erster gemahlin, war ihr aus dem was der Ritter von Unna einst von ungefehr aus dem mund der damaligen gräfin von Cyly vernahm, nicht unbekannt, aber wo diese unglückliche fürstin lebte, auf welche Art sie aus der Dunkelheit gezogen, und wieder an die Stelle gesetzt werden sollte, welche ihr zukam, und die die unwürdige Barbara jetzt behauptete, dieses waren Dinge, die sie jetzt erst erfuhr, und bei deren Ausführung Herzog Albrecht ihr eine Rolle zudachte, die seiner Meinung von ihr Ehre machte.
Ida fand die Anschläge ihres Freundes schwer und weit aussehend, aber sie versprach zu allem die Hand zu bieten was man von ihr fordern würde, empfieng einige Zeilen von Herzog Albrechts Hand an die prinzessin Elisabet, und trat unter seinen Wünschen für ihr Glück und für ihre Sicherheit eine Reise an, die durch die Behutsamkeit, mit welcher sie eingericht werden musste, und durch die Hindernisse, die sich hier und da ihr entgegensetzen konnten, mehr als um die Hälfte verlängert werden musste.
Herrmanns Reise war kürzer und von weniger Gefahren begleitet. Die Nacht, die er meistens zu derselben brauchte, und eine wohlgewählte Verkleidung, sicherten ihn vor Nachstellungen, und er kam in dem Gebiet des alten Grafen von Unna an, ohne ein einiges Abenteuer erfahren zu haben. –
Der Zweck seiner Reise war ihm zu wichtig, ihm war zu viel daran gelegen, bald die Rechte der Menschheit, Sicherheit und gefahrlose Ruhe von neuem geniessen, mit ofnem Gesicht wieder unter seinen Brüdern wandeln zu können, als dass er seinen Besuch bei dem, der, wie Herzog Albrecht meinte, ihm wieder zu diesen Glückseligkeiten verhelfen konnte, einen Augenblick hätte aufschieben sollen. – Er setzte den Widerwillen, den man ihm von Kindheit an gegen seinen ehrwürdigen Verwandten eingeflösst hatte, gänzlich bei Seite, bemühte sich, ein Zutrauen zu ihm zu fassen, und liess in der ersten Stunde seiner Ankunft beim alten Grafen um Zutritt für einen Fremden bitten, welcher vom Herzog von Oesterreich in wichtigen Geschäften zu ihm gesandt sei.
Der Graf von Unna war nicht gegenwärtig, neue Streitigkeiten zwischen den Grafen von Tekeneburg und dem Bischoffe von Münster, bei welchen er zum Schiedsrichter erfordert worden war, hatten ihn schon etliche Wochen von seiner Residenz abwesend gehalten, und Herrmann ward zur Geduld verwiesen.
Herrmann bekam Muse über seine seltsame Lage nachzudenken, er befand sich in seinem vaterland, sah tausend Orte um sich her, die er als Knabe gekannt, wenigstens oft ihre Namen gehört hatte und die ihn jetzt als einen zufluchtlosen Fremdling sahen. Er befand sich hier, einen Mann zu suchen, ihn um hülfe anzuflehen, gegen welchen er mit Vorurteilen eingenommen war, die er nicht ganz zu überwinden vermochte, und rund um ihn her wohnten seine Schwestern und Brüder, die ihn erzogen hatten, mit denen er aufgewachsen war, und denen er sich jetzt nicht vertrauen durfte