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oft zu besuchen; er hatte sie immer hoch geschätzt, und Herrmann hätte nicht nötig gehabt, ihn bei seiner Flucht zu bitten, er möchte ein wachendes Auge auf sie haben, sie nicht ganz ihrem Schicksale überlassen; dieses waren Dinge, zu welchen er sich schon von selbst geneigt fühlte.

Ida hatte schon seit langer Zeit Zutrauen zu dem Freunde ihres Geliebten gefasst; ihn zum Teilnehmer ihrer Geheimnisse zu machen, war nichts weiter nötig, als die einnehmende Art, mit welcher er zu fragen und zu raten wusste, und auch jetzt erfuhr er nach wenig Minuten alles, was der gräfin in voriger Nacht begegnet war.

Herzog Albrecht war kein Mitglied des furchtbaren Gerichts der Nacht, doch war ihm genug von diesen Dingen bekannt, um seine Freundinn zu trösten. Er hatte sie schon zuvor einigermassen wegen des Schicksals ihres Vaters zu beruhigen gewusst, und jetzt tat er das nehmliche in Ansehung des ehrlichen Walters, dem Ida zu viel Verbindlichkeiten hatte, um bei seinem Unglück, zu welchem ihre Unvorsichtigkeit die Losung gab, gleichgültig zu sein. Vom Grafen von Würtemberg hatte er ihr mit Grund der Wahrheit versichern können, dass seine Stelle in der Gesellschaft der Unsichtbaren wahrscheinlich zu hoch sei, um von seinen Mitbrüdern wegen eines blossen Verdachts eine andere Ahndung fürchten zu dürfen als Entsetzung seiner Würden auf einige Zeit, und willkührliche Entfernung an einen Ort, der bloss des Wohlstands wegen, bloss den Geringern Furcht und strenge Beobachtung ihrer Pflicht einzuflössen verborgen sein müsse; Dinge, die zwar dem stolzen. Grafen von Würtemberg nicht gleichgültig sein konnten, da sie ihn vor Ausführung seiner grossen Plane aus der Versammlung der Bewerber um die Kayserkrone vertrieben, die aber doch nicht so beschaffen waren, dass sie seiner Tochter sorge für sein wahres Glück oder sein Leben machen konnten. – Was den gutmütigen Walter anbelangte, so vermochte Herzog Albrecht die traurende Ida noch besser zu trösten; ein Geringer konnte den Augen der allsehenden eher durch die Flucht entgehen als ein grosser Mann. Walters Hauptstrafe war wahrscheinlich die Entsetzung seines Amts: ein Schade, den ihm der Schutz des Herzogs von Oesterreich und seine Freigebigkeit leicht ersetzen konnte.

Es war nötig, dass Albrecht durch Hinwegräumung dieser Zweifel sich den Weg zu dem Herzen seiner Freundinn machte, wie wollte er im stand gewesen sein, sie zu bereden, auf ihre eigene Sicherheit zu denken, so lange sie noch wegen anderer in Unruhe war.

Jetzt wurde diese Materie mit allem Ernst vorgenommen. Er zeigte der gräfin, dass ihre Gefahr nicht so geringe sei als sie meinte. Bedenket, sagte er, bedenket Walters Worte; Alte Klagen werden mit den neuen hervorgesucht werden? Wahrscheinlich wird man euch nicht bloss wegen, – wie soll ich sagenwegen eines vorwitzigen Traums in Anspruch nehmen, sondern da ehemals eure Unschuld bloss durch den Eid des Grafen von Würtemberg gerettet wurde, da dieser jetzt seiner Würden entsetzt, da vielleicht sein Eid auf die Zeit seiner Entsetzung ungültig gemacht wird, und ihr von neuem euren Verfolgern preis gegeben seid, so urteilet, was ihr zu tun habt. – Was kann euch alles begegnen, ehe euer Vater im stand ist euch zu retten? – Wisset ihr, ob ihr nicht sowohl verborgenen Nachstellungen wie euer Herrmann ausgesetzt sein, ob ihr nicht vielleicht heimlich und ungewarnt fallen werdet wie er?

Der liebreiche Fürst sprach noch lange auf ähnliche Art mit seiner Freundinn und endlich siegte er. Sie entschloss sich zu fliehen, noch diesen Tag zu fliehen, und jeden Ort zu ihrer Zuflucht zu wählen, den er ihr vorschlagen würde, ob sie gleich zu verstehen gab, dass sie, was das letzte beträf, einige Einfälle hätte, welche ihr besser dünkten als alles was er sagen könnte.

Albrecht lächelte, und fragte wohin ihre Wahl ginge.

Sollte ich, rief Ida, sollte ich nicht verbunden sein, meine erhabene Freundinn Sophie jetzt in ihrem gefallenen Glück zu besuchen, und ihr zu zeigen, das sie ehemals in vollem Glanz ihrer Hoheit, ihre Gnade an keine Unwürdige verschwendete?

Ein Gedanke, der eurem Herzen Ehre macht, erwiderte der Herzog, aber bedenkt, gräfin, dass es Verborgenheit ist, was ihr sucht, und dass ihr diese an einem Ort, wo der schwelgerische Wenzel lebt, nicht finden werdet.

Gut, fuhr Ida fort, so wird denn mein zweiter Vorschlag unverwerflich sein. Das stille Haus zu Prag, wo ich erzogen ward, wird mir die sicherste Zuflucht gewähren; ich werde meinen ehemaligen Vater, meine gute Mutter wieder sehen, werde wieder Ida Münsterinn, werde glücklich sein.

Und werden euch eure Verfolger nicht am ersten an diesem Orte suchen? der Gedanke dahin zu fliehen, wo ihr die seligen Tage eurer Kindheit verlebtet, ist so natürlich, dass er jedem so leicht als euch selbst einfallen muss, und ihr sehet also wohl. –

Aber Gott, schrie Ida, wohin, wohin soll ich dann? Ist denn in dieser Welt keine Zuflucht für die verfolgte Unschuld?

Höret, was ich euch sagen will, antwortete der Herzog. – Ich liebe ein fräulein, eine gute holdseelige unschuldsvolle Seele, mit der ich schon in meiner Kindheit verbunden ward, eine person, die allein mir es möglich macht, mit der reizenden Ida die kalte Sprache der Freundschaft zu reden, sie ist König Siegmunds Tochter, sie lebt in einem Kloster tief in den waldigten Gebürgen von Ungarn, zu ihr will ich euch bringen lassen, sie wird euch wie eine Schwester lieben. Niemand wird auf den