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in eine Verbindung zu treten, die er nicht kannte, war der Graf von Würtemberg sein Herr, und dass ihn dieser lieber zu Prag als bei seiner Tochter sah, ist bekannt. –

Graf Eberhards Herz schien sich, seit gewissen Dingen, von welchen er und Ida sich zu reden scheuten, ganz von seiner Tochter gewandt zu haben, sie war ihm mehr als gleichgültig, er schien sie fast zu hassen. – Er war unruhig in seinen Handlungen, unstät in seinen Entschlüssen, und trat endlich schnell mit der Erklärung hervor: er müsse Teutschland verlassen und in der Fremde Zuflucht suchen.

Zuflucht? fragte die weinende Ida.

Verräterinn! rief er mit Unwillen, was treibt mich von hinnen als dein Vorwitz? – Verbrechen der Kinder werden oft den Vätern zugerechnet!

Sollte es möglich sein? schrie Ida mit gerungenen Händen. –

Du opfertest deinen Vater auf, um deinen unwürdigen Liebhaber zu retten!

Ich kannte nicht die Folgen dessen, was ich tat, undHerrmann war unschuldig!

Wusste ich dies? – Legte man mir nicht sein Verbrechen sonnenklar vor Augen? – Würde ich noch jetzt einen Gedanken haben, dass er schuldlos sein könne, wenn nicht auch ich unschuldig leiden und doch bekennen müsste, dass der Anschein wider mich ist?

Welcher Anschein? rief Ida, die sich zu seinen Füssen warf.

Dich an einem Orte eingeführt zu haben, wohin du nicht gehörtest, den verurteilten Herrmann gewarnt, ihm die Hand zur Flucht geboten zu haben. –

Ich, ich bin die Schuldige! schrie Ida, ich will es unter allen Himmeln ausrufen, und euch retten!

Zu spät, zu spät! sprach Graf Eberhard und stiess sie von sich. lebe wohl! sei glücklich, wenn du kannst! ich muss dich deinem Schicksal überlassen!

Der Graf reiste ab, und hinterliess seine Tochter in dem kläglichsten Zustande; Gram über das Schicksal ihrer Geliebten, und die schrecklichsten Selbstvorwürfe brachten sie in kurzer Zeit dem grab nahe, und es fehlte nur noch eins, sie völlig elend zu machen; zwar kaum wissen wir, ob sorge für ihre eigene Sicherheit ein Zusatz ihrer Leiden genannt werden konnte; ihre eigene person schien ihr jetzt das gleichgültigste Ding von der Welt zu sein, und sie brauchte Antrieb, starken Antrieb von aussen, an sich zu denken.

Es war tief in die Nacht, als Kunigunde, (jetzt da Ida von niemand als sich selbst abhieng) ihre treuste Dienerinn eintrat, einen fremden Mann bei ihrer Gebieterinn zu melden! Der Fremde ward vorgelassen und verlangte mit der gräfin allein zu sein.

Kennt ihr mich? fragte er, als er sie eine Zeitlang starr angesehen hatte. – Ida, welche dieses Gesicht nur selten ganz ohne Hülle gesehen hatte, verzog zu antworten.

Kennt ihr diesen Arm? fragte er weiter.

Ida sah, dass er seinen rechten Arm unter dem Mantel hervorzog, sie bemerkte die fehlende Hand, und rief den Namen Walter aus!

Wisset ihr, was mich hieher bringt? – Eure Sicherheit! – ich will euch warnen. – Ihr seid nach der Abreise eures Vaters hier keinen Tag sicher. Alte Dinge werden mit den neuen hervorgesucht, auch ihr müsst fliehen. – O gräfin, was für Unglück hat euer Vorwitz nach sich gezogen! – Wo ist der Unvorsichtige hin, der euch zu eurem nächtlichen Abenteuer die Kleider lieh? Wo ist euer Vater hin, den man im Verdacht hatte, er habe Anteil an diesen Dingen? und was wird aus mir werden, der von allem nichts wusste, nur aus Mitleid sich eurer annahm? – Ihr wisst, ich erkannte euch dort unten nicht ehe bis es zu spät, bis es unmöglich war, gewisse Dinge eurem blick zu entziehn, die kein profanes Auge sehen darf.

Auch ihr? auch ihr? schrie Ida mit gerungenen Händen.

Ja auch ich! erwiderte er. Man hat mich im Verdacht, euch eingeführt zu haben, und da man dieses nicht erweisen kann und doch gleichwohl einen verdächtigen Menschen loss sein will, so sucht man Dinge hervor, die – –

Ich nicht ganz zu leugnen vermag, wollte Walter sagen, aber ein trauriges Achselzucken vertrat die Stelle dieser Worte. Meine Leser werden vielleicht einige Mahl im vorhergehenden Teile bemerkt haben, dass Walter nicht schlau genug war, seine Worte allemal so zu setzen, wie es Männern seiner Art zukam. Ihm waren gegen Münstern, gegen Ida, auch vielleicht gegen den Ritter von Unna zuweilen Dinge entwischt, welche eigentlich nicht für profane Ohren gehörten, auch konnte man ihm erweisen, dass er der10 Hausmeister des von der heimlichen Acht verfolgten Konrads von Langen sei, und die Mutmassung war stark, dass vielleicht seine verdeckten Warnungen diesen unglücklichen Mann so oft vor seinen Verfolgern gerettet hatten. Dieses waren eigentlich die Dinge, die ihn stürzten, und Idas Abenteuer nur die Veranlassung dieselben aufzuregen; aber die Unglückliche, gleich als wenn sie nicht an eigenen Leiden genug zu tragen hätte, nahm Walters Winke für bekannt an, nannte sich die ursache der Verstossung auch dieses Unschuldigen, und ward dadurch noch eine Stufe tiefer in den Abgrund des Elends gestürzt.

Sie vergass die ursache der Ankunft ihres Walters, ihre eigene Sicherheit liess ihn ungefragt, was ihr zu tun sei, scheiden, und blieb in einer Art von dumpfer Unempfindlichkeit, bis sie des andern Tages durch Herzog Albrechts Besuch ein wenig ermuntert ward.

Der edle Herzog von Oesterreich pflegte die gräfin von Würtemberg nach der Abreise ihres Vaters