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, ich träumte, oder ich sah ein Gesicht, – es sei, was es sei, genug es war eine Sache, die mir begegnete, und also muss es dir wichtig sein. Du musst es annehmen als ob es Wahrheit wär, musst mir gehorchen, denn deine Ida fordert es von dir. – Fliehe! fliehe Herrmann, die Rache verfolgt dich! – – dein Fürst, er sei so gut und mächtig als er wolle, vermag dich nicht zu schützen, denn unsichtbar sind deine Feinde! – – –

Ich glaubte diese Worte könnten dir zu deiner Rettung genug sein, umd wollte schliessen. Ich muss die Augenblicke, die ich dir gönne, der Nacht abstehlen, und vermag in meiner jetzigen Lage nur wenig zu schreiben. – Aber jetzt fällt mir ein, du möchtest mir nicht gehorchen, möchtest meinen Traum für so einen gewöhnlichen Traum halten, wie ihn die Schlafenden träumen, und darum sollst du alles wissen, und selbst urteilen.

Ich belauschte zwei Männer, die von dir sprachen, der eine schien mein Vater zu sein, aber er war es nicht; wie könnte Idas Vater ein Feind der Unschuld sein, wie könnte er dem giftigen Einhauchen eines Unholds, der vielleicht eigene Schuld durch die Deinige bedecken will, Gehör geben. – Ich lauschte im Verborgenen, im Traum meine ichdu weisst, sonst pflegte Ida wachend nie zu lauschen, und hörte, wie die Männer sprachen: du seist Herzog Friedrichs Mörder, dein Schwerd nahe bei dem Orte gefunden, wo der Unglückliche9 fiel, des sterbenden Kunzmanns Aussage, und achder heimliche Hass, den du auf Idas so genannten Bräutigam vielleicht gehabt haben könntest, bewiesen deine Schuld, umsonst hätten dich die Fürsten unschuldig genannt, dein Verbrechen gehörte vor ein anderes Gericht, achvor jenes Tribunal der Hölle, das deiner Ida nur gar zu wohl bekannt ist.

Mein Traum ist noch nicht zu Ende; du weisst, man pflegt zu zeiten sehr lang und natürlich zu träumen. – Mich dünkt, ich behielt diese Worte in meinem Herzen, und sann auf deine Rettung. Es vergingen einige Tage; ich sah viel unbekannte Männer in meines Vaters haus, auch begegnete mir einesmals Walter mit der einen Hand, der mir aus vergangenen zeiten nur gar zu kenntlich war. Ich hörte von einer Reise meines Vaters, mir ahndete wohin die Reise gehen möchte, ich bestach einen seiner Knappen mir behülflich zu sein, dass ich ihn an seiner Statt begleiten könne, es hielt schwer, doch endlich glückte es. – Ich verhüllte mich in die schwarzen Gewänder, die er mir brachte, und stellte mich an meinen Posten. Die Reise ward angetreten, ich und noch ein einiger Knappe waren die Begleiter des Grafen von Würtemberg.

Unser Weg ging nicht weit. Es war sonderbar, mich dünkte nicht anders als wenn wir an dem wüsten Gebäude abstiegen, das du an der Nordseite dieser Stadt musst wahrgenommen haben. – Aber um Gotteswillen, Herrmann, bringe dich und mich nicht in Unglück, du weisst, dass man von solchen Dingen schweigen muss, überdieses ist es ja nur ein Traum.

Der Graf und sein erster Diener wurden ungefragt eingelassen, meine Gestalt musste für die drei Hüter der Pforte neu und unbekannt sein, und sie prüften mich durch seltsame fragen, sie fragten mich nach den vier Wegen zur Hölle, und ich nannte ihnen Worte, die mich der Knappe, dessen Kleider ich trug, des vorigen Tages gelehrt hatte. Sie fragten, wie viel Stufen man zu Gottes heimlichen Richterstuhl hinabsteigen müsse, und ich antwortete: dreissig; mir kamen die wohlgezählten Stufen in den Sinn, die ich einst, du weisst wo, in der grössten Angst meines Herzen steigen musste, man schüttelte den Kopf, verband mir die Augen und liess mich gehen. Die Zahl dreissig rettete mir das Leben, ich tappte im Dunkeln, mein Weg ging tief hinab, keine Stütze, kein Führer war mir zur Seite. Ich zählte, und als die Zahl voll war, ward mein Weg ebener und man nahm mir die Hülle von den Augen.

Ich war an einem Orte, wie du vielleicht einen ähnlichen gesehen hast. Das Zeichen ward gegeben, das Gericht hub an, die Kläger klagten und die Zeugen zeugten wider einen Fürsten, und nannten ihn Herzog Friedrichs Mörder, aber einer aus den Richtern stand auf, und schwur, er sei schuldlos. Du weisst, ein solcher Eid konnte einst die Unschuld retten, warum nicht auch einen Verbrecher.

Und andere Zeugen traten auf, und andere Kläger klagten. Dein Name, Herrmann von Unna, dein Name ward genannt! aber keiner war, der deine Unschuld beschwören wollte, ich wollte mich hervordrängen, aber der Mann mit der einen Hand, den ich jetzt erst neben mir gewahr ward, hielt mich zurück und drohte mir mit dem Finger! – Du wardst verklagt, wardst gerichtet, wardst verurteilt. – "Heimlich schleiche ihm die Rache auf dem fuss nach! heimlich trete die Strafe auf seine Fersen," so tönte die grässliche stimme vom Trone; "Wachend täusche seine Augen trügliche Gestalt und führe ihn dem Urteil entgegen, seinen Schlaf belausche das Schwerdt, und richte ihn wo es ihn findet, sein Freund werde sein Mörder; er locke ihn in die Einöde und richte ihn vor den Augen des reinen himmels, den er durch den Anblick des unschuldigen Blutes beleidigte. Heimlich und ungewarnt fiel Friedrich von Braunschweig,