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wegen angestellt werden, mürrisch und ungestüm.

Ida stand eines Tages mit ihrem Vater am Fenster und Herrmann in Herzog Albrechts Gefolge zog vorüber; er küsste den rosenfarbenen Ermel nicht, denn seine Geliebte war nicht allein, aber er verbeugte sich voll Ehrfurcht. – Ida errötete und schwieg. In dem Augenblicke fiel es ihr ein, dass es gezwungen und verdächtig lasse, den Ritter von Unna, von dessen geschichte jetzt ein jeder sprach, zu sehen und nicht von ihm zu sprechen. Sie glaubte, durch irgend eine herzhaft über ihn gemachte Anmerkung sich ein besonderes Ansehen geben zu können, und fing mit zitternder stimme an: der Ritter von Unna seisei zu beklagenzu lobensei glücklich zu preisendassdass er so von Herzog Albrechten geliebt werde undund dass er unschuldig erfunden worden sei

Graf Eberhard schien das Gesuchte in seiner Tochter Rede und ihre übelgewählten Worte nicht zu bemerken. Mürrisch antwortete er auf den Schluss derselben. Herzog Albrecht sei ein junger Mann, der alles liebe, was ihm gleich sei, und was Herrmanns Unschuld anbelange, so täten sich immer mehr Umstände hervor, die sie zweifelhaft machten!

Ida wiederholte die Worte ihres Vaters in fragendem Ton, aber er antwortete nicht, und verliess sie. – Die gräfin kämpfte diesen und einige folgende Tage mit sich selbst, um zu einer Stimmung zu kommen, in welcher sie mit kaltem Blute von Herrmann sprechen könne, und endlich gelang es ihr. Sie hatte fragen zu tun, deren Beantwortung sie auf schlaue Art suchen musste.

Der Ritter von Unna soll nicht so unschuldig sein? sagte sie eines tages zu Kunigunden, als sie mit ihr aus der Messe kam, und im Vorübergehen einen Gruss von ihm bekommen hatte.

Was ich euch vom Anfang versicherte, sprach die Alte.

Aber welche neue Beweise sind wider ihn aufgefunden worden? – Genug, fräulein, genug! – Hat man nicht ein Schwerd mit dem eingegrabenen Namen, Herrmann von Unna, dicht im Gebüsch, nicht weit von dem Orte gefunden, da der Herzog von Braunschweig ermordet ward? – Und ist nicht Kunzmann von Hertingshausen, der vor wenig Tagen den Lohn seines Meuchelmords zu Fritzlar erhielt, auf das Bekenntniss gestorben, dass Herrmann sein Gefährte bei dieser entsetzlichen Tat gewesen sei?

Ida sah ihre Hofmeisterinn bleich und verstummend an. – Rechnet hierzu, fuhr die Alte fort, rechnet hierzu noch dieses: dass Herrmann lang in König Siegmunds Diensten war, der Herzog Friedrichen auf Anreizen seiner boshaften8 gemahlin hasste, und ihm nach dem Leben trachtete.

Ida ward noch bleicher, denn sie erinnerte sich dieses Umstands aus Herrmanns Erzählung, doch fiel ihr auch zugleich ein, dass ihr Geliebter ja eben darum in diese Gegenden gekommen war, den unglücklichen Herzog vor heimlichen Nachstellungen zu warnen.

Und, fuhr Kunigunde fort, was diesen Herrmann von Unna noch am meisten zum Mitschuldigen der verruchten Tat machen muss, ist der Vorteil, den er von Herzog Friedrichs tod habenwas sage ichsich törigter Weise versprechen konnte!

Und der wär? fragte Ida, indem sie angstvoll Kunigundens Hand ergriffKleine unschuldige Einfalt! rief die Alte, das nicht erraten zu können! Der Herzog von Braunschweig war der Bräutigam der gräfin von Würtemberg, und der Ritter von Unna ist ihr Geliebter!

Kunigunde hatte die erstaunte Ida mit einem teuflischen Gelächter in einem Zustande verlassen, der sich schwerlich beschreiben lässt. – Ob der Gift, den die Furie ausstreute, im stand war einen Zweifel an Herrmanns Unschuld in dem Herzen seiner Liebhaberinn hervorzubringen, ist kaum zu glauben, aber desto gewisser ist es, dass sie die Dinge, welche wider ihn angeführt wurden, mächtig genug fand, auf die Gemüter anderer Menschen einen nachteiligen Eindruck zu machen, und ihren Geliebten in neues Unglück zu stürzen.

Ihre Angst für Herrmann war bei diesen Betrachtungen unglaublich, und nichts konnte sie beruhigen, als dass sie oft gehört hatte: kein Mensch, der einmal vor dem gemeinen Fürstenrat unschuldig befunden worden sei, könnte zum zweitenmal um der nehmlichen Beschuldigung willen, vor demselben belangt werden.

Die Ruhe, die auf diese Erwägung Platz in ihrer Seele nahm, dauerte nicht lange, sie ward bald auf eine fürchterliche Art aus derselben aufgeschreckt. –

Johann von Maynz pflegte den Grafen von Würtemberg oft zu besuchen, und Ida zitterte allemal, so oft sie diesen Feind ihres Geliebten erblickte. Sie sah ihn ungern bei ihrem Vater, und seine Erscheinungen wurden endlich so häufig, dass sie ihr Argwohn machten, und ihr geboten, für Herrmanns Wohl auf ihrer Hut zu sein. –

Nie hatte sich die redliche Ida, so lang sie noch ein Bürgermädchen war, zum Lauschen herabgelassen; ob sie jetzt durch das Hofleben Talente zu diesem Geschäft erlangt, ob die Liebe sie dazu gebildet hatte, oder ob sie einst bloss durch ein Ungefähr in dem Kabinet ihres Vaters hinter einer Tapete eingeschlafen war, als eben der Kurfürst von Maynz ihn eines geheimen Besnchs würdigte, das können wir nicht bestimmen, und müssen es also ganz unsern Lesern überlassen; genug Ida hörte etwas von einem Gespräch, in welchem Herrmanns Name oft genannt wurde, und was sie hörte, was sie dabei dachte, und was sie darauf unternahm, davon wird sich vielleicht etwas aus dem folgenden Kapitel erraten lassen, denn da diese Dinge nie völlig ans Licht gekommen sind, so muss man sich freilich nur mit Raten behelfen.

Fünftes Kapitel.

Ida von Würtemberg, an Herrmann von Unna.

Herrmann