durch Aeusserung allzu grosser Vorliebe, bei ihm Stolz und bei andern Neid zu erregen. – Herrmann ward aufgefordert dem Fürsten, vor dem er stand, einen bestimmten Begriff, von dem was ihm anging, zu geben, er tat es, und dies mit so viel Offenheit in dem was ihn allein, mit so viel Schonung in dem was andere in seine geschichte verflochtene Personen betraf, dass Albrechts gute Meinung von ihm wuchs, und Herrmann das Haus, in welchem vor wenig Stunden über sein Leben und Tod gesprochen wurde, als einer der ersten Diener des Fürsten verliess, den man mit Recht unter die besten seiner Zeit rechnen konnte.
Ida wusste von diesen glücklichen Aenderungen nichts. Ihre Hofmeisterinn hielt es nicht für gut, ihr etwas Angenehmes von dem Ritter von Unna vorzusagen, den ihr Graf Eberhard beim Antritt ihres Amts als denjenigen genannt hatte, vor welchen sie ihre Untergebene am meisten zu bewahren habe, und der doch, wie sie wohl durch Idas Leute wusste, vor wenig Tagen schlau genug gewesen war, ihre Wachsamkeit zu täuschen und sich zu der jungen gräfin einzuschleichen. –
Ida wusste von allem, was vorging, nur soviel, dass dieses der Tag war, an welchem Herrmanns Schicksal entschieden werden sollte; war es zu verwundern, dass sie die Nacht, die vor denselben herging, ohne Schlaf und den Morgen in einer Unruhe zubrachte, welche sich mit nichts vergleichen lässt?
Ida stand am Fenster, sie hatte am Morgen die Fürsten sich in dem benachbarten Pallaste des alten Jodokus versammeln gesehen, hatte die, welche ihr Kunigunde als Herrmanns Freunde bekannt gemacht hatte, mit inniger Dankbarkeit, und die andern, vornehmlich den von Maynz, mit Entsetzen betrachtet. Der gefangene Herrmann war herbeigebracht worden. Die Leute des ermordeten Herzogs von Braunschweig waren erschienen, die sie an der Rüstung kannte, und deren wahrscheinliches geschöpf ihr die Duegna auf die boshafteste Art erklärte. Ida hatte gezittert. Das Gericht hatte sich weit bis nach Mittag verzogen und nichts hatte sie vom Fenster hinwegbringen können, als die Mattigkeit, die ihr jetzt kaum mehr verstattete, sich aufrecht zu erhalten.
Man hatte sie zu Bette gebracht, und Kunigunde, welche glaubte, sie schlief, schlich hinaus, Nahrung für ihre Neugier zu holen; sie erfuhr Dinge, die ihre Untergebene augenblicklich neubelebt haben würden, aber sie war zu boshaft, ihr die einige Arzenei zu bringen, die sie hätte erquicken können.
Indessen lag die junge gräfin auf ihrem Bette ohne zu schlafen. Ein gewaltiges Geräusch auf der Gasse machte sie aufmerksam, sie vergass ihre Schwachheit, und flog ans Fenster. Das Volk strömte aus Jodokus Pallast heraus, und sie glaubte Worte zu vernehmen, welche ihr tröstlich waren. Sie riss das Fenster auf, um mehr zu hören, und in dem Augenblicke sah sie, dass sich das Gedräng an der Pforte des Hauses vermehrte, wo über Herrmanns Unschuld gesprochen worden war. –
Herzog Albrecht mit seinem Gefolge stieg zu Pferde, ein Ritter von Herrmanns Gestalt und Kleidung war ihm der nächste. Er ritt mehr ihm zur Seite als hinter ihm. Der Herzog schien beständig mit ihm zu sprechen, und sein Betragen zeugte ganz von herablassender Huld und Wohlwollen.
Ida beugte sich weiter heraus. Jetzt ritten sie unter dem Fenster vorüber. Der Ritter von der treuen Minne, den sie von weitem an den rosenfarbenen unter der Rüstung hervorschwellenden Ermeln erkennen konnte, war kein anderer als der geliebte Ritter von Unna. Ida dachte vor Freude ohnmächtig zu werden. Jetzt blickte er herauf und küsste mit einem Blikke von dem Triumph der Unschuld belebt sein Ordenszeichen, als wollte er sagen: nur dir zu Ehren trage ich es. – Auch Herzog Albrecht sah herauf und grüsste ehrerbietig, und unter dem volk erhub sich ein Gemurmel, das bald darauf in ein lautes Jubelgeschrei ausbrach: Heil Herzog Albrechten, dem Freunde der Unschuld, und dem geretteten Ritter, Herrmann von Unna!
Die gräfin wusste sich vor Entzücken nicht mehr zu halten! sie wandte sich um und stürtzte der eben eintretenden Kunigunde mit ausgebreiteten Armen entgegen.
Er ist gerettet! rief sie, er ist gerettet! und sank ohnmächtig zu Boden.
Viertes Kapitel.
Ida entschläft, um zu träumen.
Es vergingen Tage und Wochen. Die gräfin war froh, ihren Ritter unter Herzog Albrechts Schutze sicher zu wissen, und ihn täglich vorüber reiten zu sehen, auch traurig war sie, denn sie sah Herrmann immer nur von weiten, und alle seine Versuche, sie zu sprechen, wurden durch Kunigundens Wachsamkeit zu nichte gemacht; süsses Gemisch von Freude und Kummer, welches, wie die Kenner versichern, den Hochgeschmack der Liebe ausmacht!
Ida war nicht unglücklich, sie hofte jeden Tag Herrmann zu sehen, und viel weiter erstreckten sich ihre Wünsche nicht. Man konnte doch vielleicht einmal die Wachsamkeit der Duegna betrügen, konnte sich in der Kirche, oder an einem andern der öffentlichen Orte treffen, welche die eingezogene Ida jetzt zu besuchen besondre Lust bezeugte. Aber Kunigunde war unerbittlich, sie konnte nicht begreifen, warum ihr fräulein jetzt erst Neigung bekam, den öffentlichen Tänzen oder den Uebungen der jungen Ritter beizuwohnen, oder vielmehr sie stellte sich, es nicht begreifen zu können, und vertröstete sie auf die Wiederkunft ihres Vaters.
Der Graf von Würtemberg kam an. Seine gespräche mit der Hofmeisterinn waren lang, sein Betragen gegen Ida kalt, und seine Laune, so oft er aus den Versammlungen der Fürsten zurückkam, sie mochten nun wegen Geschäften oder des Vergnügens