, der sich ja nicht gestellt haben würde, wenn er nicht schuldig wär.
Und der von Maynz? fragte Ida. –
Tat allein was recht war, liess den Mörder gefangen nehmen, so sehr auch seine Freunde, welche immer mehrere der Fürsten an sich zogen, auf seine augenblickliche Lossprechung drangen. –
Und, liebe Kunigunde, glaubt ihr wohl, dass er im gefängnis vor Gewalttat sicher ist? –
Der Mörder?
O ich bitte euch, nennt ihn keinen Mörder! wie könnet ihr so wider einen Unbekannten wüten? –
Ein Unbekannter? Ich denke freilich wohl fräulein, ihr kennt den Ritter von Unna besser als ich, aber – o dass euer Vater zurück käme!
Es nahm von diesen Augenblick an eine ausserordentliche Kälte zwischen Ida und ihrer Hofmeisterinn Platz. Ida war beschämt sich verredet zu haben, und hasste die Hasserinn des unschuldigen Herrmanns, und diese wusste, was sie wissen wollte, hatte nicht nötig die unschuldie gräfin von neuem auszuforschen, und hütete sich wohl, irgend etwas zu sagen, das ihr hätte erfreulich sein können, denn leider, wie sie sich ausgedrückt haben würde, leider hatte sie ihr nichts als Gutes zu melden.
Herrmann hatte sich vor dem Fürsten gestellt, seine ungekünstelte Erzählung, die stimme der Wahrheit, die in derselben unverkennbar war, seine herrliche einnehmende Gestalt, dies ofne Gesicht, der Abdruck der Unschuld und der Herzensgüte, seine freiwillige Darstellung, kurz alles, alles hatte für ihn gesprochen, und hätte ihn schon allein Loszählung von dem angeschuldigten Verbrechen auswirken müssen, wenn nicht auch Zeugen gekommen wären, seine Unschuld zu bestätigen. Die Leute aus dem dorf, wo Herrmann verwundet gelegen hatte, waren dem, dessen sie sich annehmen wollten, beinahe auf dem Fuss gefolgt, traten jetzt zu seiner Seite vors Gericht, und brachten so viel zu seinem Besten vor, dass nur ein solcher Mann wie Johann von Maynz und einige andere noch daran denken konnten, ihn als einen Verbrecher gefangen zu setzen.
Der gang der Gerechtigkeit war damals noch nicht so langsam wie jetzt, Herrmanns Freunde, und die Freunde der Tugend, Ruprecht, Albrecht, und Jodokus, waren zu eifrig die Unschuld zu retten, und den von Maynz zu beschämen, als dass nicht die Sache des Beklagten gleich des andern Tages wieder hätte sollen vorgenommen werden, und hier war es, wo seine gänzliche Lossprechung erfolgte. Kurd, der Leibknappe des Ermordeten erschien, er ward absonderlich verhört, seine und Herrmanns Aussagen trafen pünktlich überein, sie wurden einander entgegengestellt, und Kurd beteuerte, dass er seinen Verdacht gegen Herrmann zurück nahm, er zeigte die Haarlocke vor, die er dem fliehenden Mörder entrissen, und die augenscheinlich nicht auf Herrmanns haupt gewachsen war, er erzählte, dass der schwarzlockigte Kunzmann noch am nemlichen Tage von andern seiner Verfolger ohne Schwerdt ertappt worden sei und behauptete, dass dieses einen Hauptumstand in Herrmanns Aussage bestätigte.
Herrmanns Freunde hörten dieses mit Vergnügen an, aber der Kurfürst von Maynz ward alsdann erst froh, als er vernahm, der gefangene Kunzmann sei entkommen, und man habe weder ihn noch einen andern von den Mördern wieder ertappen können. – Einige von den Hassern des Unschuldigen wollten zwar einwenden, es sei dennoch möglich, dass Herrmann einer von den andern Entflohenen sei, aber der weise Jodokus behauptete, ihnen würde zukommen dieses zu beweisen, aber keinesweges sei dem Ritter von Unna, noch dem, was bereits zu seinem Besten erwiesen worden, zuzumuten, den schweren Beweis vom Gegenteil zu führen. –
Es würde zu weitläuftig fallen alles aufzuzeichnen, was für und wider diese Dinge gesprochen wurde, und es sei also genug, dass Herrmann gänzlich losgesprochen, und Johann von Maynz von allen Fürsten mit gehässigen und verdachtvollen Augen angesehen wurde. Es war gleichwohl bedenklich, dass Kunzmann von Hertingshausen, der sich in7 maynzischen Diensten befand, Herzog Friedrichs Mörder sein sollte.
Unter allen Fürsten, deren Herzen der Ritter von Unna bei dieser gelegenheit an sich gerissen hatte, war keiner so sehr für ihn eingenommen, als der junge Albrecht von Oesterreich, ein Herr, den man, wenn er nicht ein Fürst wär, für den es schimpflich lassen könnte die Kopie eines gemeinen Ritters zu heissen, Herrmanns Ebenbild im kleinen nennen könnte. Die Geschichtbücher erzählen, wie gross, wie edel Albrecht war, und also urteile, mein Leser, wer Herrmann gewesen sein müsse. –
"Das Herz Jonatan verband sich mit dem Herzen David," sagt die alte geschichte von dem Fürsten, der es nicht zu gering hielt, der Freund eines Hirten zu sein, und dieses Ausdrucks könnten wir uns auch wohl in Ansehung des edlen Herzogs von Oesterreich bedienen. Herrmanns erster Anblick eroberte ihm das Herz des jungen Prinzen, seine Art zu handeln, flösste ihm achtung ein, und machte, dass er sich entschloss ihn mit Hintansetzung alles Unterschieds, den Rang und Geburt machten, zu seinem Freunde zu wählen. Seine höhern Vollkommenheiten, die dem bescheidenen Prinzen mehr als jedem andern in die Augen leuchteten, erregten bei ihm keinen Neid, und ein Bund der Freundschaft ward in seinem Herzen beschlossen, der es verdiente mit dem Bunde der ältesten Freunde der Vorzeit verglichen zu werden.
Herrmann ward nach Endigung des Gerichts vor Herzog Albrechten gerufen. Mit Mühe hielt der liebenwürdige Prinz anfangs seine Neigung für den Ritter von Unna in den Schranken des fürstlichen Wohlstands zurück; er fühlte, dass es die Klugheit erforderte, den Jüngling, der ihm gefiel, genauer zu prüfen, und nicht