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über Herrmanns Begriffe, und hätte Wenzel nicht bald darauf die sogenannte Frau vom Bade, als eine ursache ungewöhnlicher Ausgaben, genannt, so hätte er sich gar nicht in diese Dinge finden können.

Herrmann kannte Susannen, er hatte von ihrer Wut bei Wenzels Vermählung mit Sophien gehört, er wusste, dass sie frech genug gewesen war, ihrem Geliebten zu drohen, durch Bekanntmachung von mancherlei Sophien und ihrem Vater verborgenen Dingen, die ganze Sache rückgängig zu machen, und es kam ihm also nicht ausserordentlich vor, dass der Kaiser ihre Verschwiegenheit durch ansehnliche Summen hatte erkaufen müssen, welche er sehr sinnreich mit auf die Hochzeitunkosten rechnete.

Was ist zu tun! fuhr Wenzel fort, ich bin darum nicht arm, weil ich kein Geld in meinen Kasten habe; es ist in den Kasten meiner Untertanen, und man muss darauf sinnen, wie es in die meinige zu leiten ist. Da ist der alte Münster, der der Kaiserin an Allerheiligen das artige Geschenk machte, er ist ein reicher Mann, man sagt mir, er wär im stand seine Tochter wohl so gut auszustatten, als der Herzog von Baiern die seinige, und du siehst also wohl, dass er mir helfen kann und muss. Geh' zu ihm! Er soll mir tausend goldne Schilde borgen! ein Fürst hat allezeit Mittel sich seiner Schulden zu entledigen; du kannst ihm zum Anfang die erlaubnis ankündigen, die einige andre reiche Handwerker so lang vergeblich gesucht haben, des Sontags, gleich den edlen, eine goldne Kette um den Hals zu tragen. –

Herrmann stand wie versteinert: die Freude eine gelegenheit zu haben in Idas Haus zu gehen, ihren Vater in Geschäften des Kaisers zu sprechen, ihm eine Ehre anzukündigen, die ihn so sehr vor allen andern seines Standes auszeichnen musste, verschlang jeden andern Gedanken, und es fiel ihm erst, als er schon an Münsters Haustür stand, ein, ob er ihm auch wohl mit seinem Gewerbe angenehm sein würde? ob das kaiserliche Zutrauen, dessen oftmalige Erneuerung in ähnlichen Fällen Herrmann voraus sah, nicht den Wohlstand des Hauses, das ihm so lieb war, zerstören, und Ida mit der Zeit nebst ihren Vater in Armut und Elend stürzen könne.

Sechstes Kapitel.

Bürgerstolz und Bürgerreichtum.

Während der Jüngling einige flüchtige Betrachtungen von dieser Art anstellte, hatte er schon zweimal an Münsters Haustüre geklopft; ein alter Diener öffnete sie. Herrmanns Gesicht gehörte unter diejenigen, welchen Idas Vater den Zutritt in seinem haus nicht zu gestatten pflegte. Jung, schön, in allen Glanz des Hofs gekleidet, was für einen Anblick für denjenigen, der in Abwesenheit seines Herrn, der Ehrenhüter des Hauses war! auch dünkte es dem Knechte des alten Münsters, diese zierliche Figur mehr gesehen und abgewiesen zu haben, welches bei den mannichfachen vergeblichen Versuchen, welche Herrmann seit einiger Zeit gemacht hatte, Zutritt in Idas wohnung zu bekommen, wohl möglich sein konnte.

Ungestüm ward die Tür zugeschlagen, und ehe noch der Klopfende andeuten konnte, wen er zu sehen verlangte, tönte ihm die rauhe stimme entgegen: der Herr sei ausgegangen.

Und die Frau? fragte der junge Höfling mit lieblichem Accent. Die Antwort würde vielleicht die nämliche gewesen sein, wenn nicht ein glückliches Ungefähr Idas Mutter eben über den Flur getragen, und ihr die Nachfrage nach ihr, zu Ohren gebracht hätte.

Herrmann hörte innerhalb der Tür einen kleinen Wortwechsel zwischen der Frau und dem Knechte, er klopfte noch einmal, und ihm ward aufgetan. Idas Mutter hatte den unerbittlichen Torwächter vertrieben, sie selbst öffnete die Pforte, und der Anblick des Hofjunkers nötigte ihr eine tiefe Verbeugung ab. Wer seid ihr, Herr Ritter? stammelte sie mit einem kleinen Erröten.

Mein Name tut wenig zur Sache, erwiderte Herrmann mit einigem Unwillen, aber mein Gewerbe muss mir überall Zutritt verschaffen; ich komme auf Befehl des Kaisers.

Des Kaisers? wiederholte sie, doch im Guten? – Doch Gott sei Dank, ich und die Meinigen sind uns keines Vergehns bewusst, und was sich mit Geld abkaufen lässtGeht herein, Herr Ritter, ich muss nach meinen Mägden sehen, und gleich bin ich wieder bei euch.

Herrmann ward in ein Unterzimmer gelassen, wo das erste, was ihm in die Augen fiel, eine holdselige weibliche Figur war, die er augenblicklich für Ida gehalten haben würde, wenn sie ihm nicht unendlich schöner geschienen hätte, als er sie je sah, und doch gehörten wenig Minuten dazu ihn zu überzeugen, dass sie es wirklich sei. Herrmann hatte das junge Mädchen bisher nicht anders, als in der dichten Kirchenhülle, oder in dem steifen staat gesehen, welcher damals Mode war. Die hohen Kragen, die dickgefalteten Kleider, und der gotische Kopfputz liessen der lieblichen Dirne noch allemal Reiz genug übrig, vor allen ihren eben so geschmückten Zeitverwandtinnen hervorzustechen, aber ganz ein anderes war es doch immer, sie im häuslichen Gewande ohne weitern Schmuck, als einen kleinen Schleier auf ihren schönen Locken zu erblicken.

Herrmann stand wie versteinert, und Ida an ihrem Spinnrocken blickte kaum auf, den Eintretenden zu betrachten. Es war in den damaligen zeiten die Sitte der Jungfrauen, ihren neugierigen Blicken zu wehren.

Der Hofjunker war beim Eintritt von der Mutter gebeten worden, sich zu setzen, und sich die Zeit nicht lang werden zu lassen, aber so wohl er das letzte, bei Idas Anblick, der ihm alle Langeweile benahm, beobachtete, so wenig dachte er an das erste; er blieb auf der