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zu sich selbst, dieses wird doch noch im Angesicht des Tages, vor den Augen der zuschauenden und selbst richtenden Menge gehalten werden, aber jenes Tribunal der ewigen Nacht! Und doch ward ich erhalten! – Nein, Ida, verzage nicht, er ist unschuldig, stellt sich ohne Ankläger, ist ein Mann, der, wenn alle Verteidigung fehlt, sein gutes Schwerd noch übrig hat die Sache zu schlichten! Nein, Ida verzage nicht! Die Prüfung, welcher er sich unterwirft, wird zu seiner Ehre, vielleicht zu seinem und deinem Glück ausschlagen!

Herrmann hatte seine traurende Geliebte kaum verlassen, als die Hüterinn erschien, welche Graf Eberhard ihr zugegeben hatte, und die ihr nie von der Seite ging, als wenn sich das Mädchen etwa durch Vorwand einer Unpässlichkeit ihrer lästigen Gegenwart auf einige Stunden entledigte. Ida wusste nie zuvor was Unwahrheit und Verstellung war, bis Strenge und argwöhnische Aufmerksamkeit es ihr lehrtenIda zitterte vor einer Untersuchung, wer der Jüngling sei, der sie eben verlassen hatte. Herrmann war vor den Augen ihrer im Vorzimmer aufwartenden Leute gekommen und gegangen, sie hielt sich zu edel ihren Bedienten Stillschweigen aufzulegen, und konnte also alle Augenblicke aus dem mund ihrer Hofmeisterinn eine Frage erwarten, die sie nicht zu beantworten wusste. Diese Frage erfolgte nicht, auch schien die ungewöhnliche Schwermut des Fräuleins gar nicht bemerkt zu werden und erst gegen den Abend des künftigen Tages erfolgte ein Gespräch zwischen ihr und der Duegna, von welchem meine Leser selbst urteilen mögen, ob es zu Idas Trost gereichen möchte. Werden diese Tränen nie vertrocknen, gräfin? mich dünkt, sie fliessen seit gestern weit häufiger! –

Kann wohl sein! –

Und ihre ursache? – O warum wolltet ihr mir sie verhelen? ist es ein Schimpf für ein fräulein in euren Jahren zu lieben, und wenn man so unglücklich liebt wie ihr, den Verlust des Geliebten zu beklagen? –

Ida weinte heftiger!

Armes armes Kind! rief die Alte. Ihn so blutig, so schrecklich zu verlieren! – Doch ein Trost ist euch noch übrig, die Rache! und tröstet euch, ihr sollt gerächt werden, der Täter hat sich selbst gemeldet.

Ida trocknete die Augen und blickte die Sprechende voll Entsetzen an. Von wem redet ihr? sagte sie in einem ängstlichen Tone. –

Ich sage, der Mörder eures Bräutigams, Herzog Friedrichs, hat sich gemeldet!

Gemeldet? wiederholte IdaNun, und er ist zurückgewiesen worden, hoffe ich, ihr wisst, – ich weis, – genug es ist bekannt, dass er unschuldig ist!

Wer denn? fräulein?

Der Ritter von – O mein Kopf! ich bitte euch, wenn ihr mir etwas zu sagen habt, so sprecht allein, ihr seht, ich bin nicht vermögend euch zu antworten.

Die Alte schüttelte den Kopf und hub eine Erzählung an, die sich meine Leser denken können, die auch Ida zu erraten vermochte, die sie aber dennoch so sehr überraschte, dass sie beim Schlusse derselben ohnmächtig ward. Wie hätte sie es unerschüttert vernehmen können, dass Herrmann sich vor den Fürstenrat gestellt, seine geschichte erzählt, die Dinge, welche für, und die, welche wider ihn waren, seinen Richtern aufrichtig vorgelegt hatte, und statt der augenblicklichen Lossprechung, die freilich Ida ihm erteilt haben würde, bis auf weitere erkenntnis in einen festen Turm gesetzt worden war.

Ich bitte euch, sagte Ida, als sie wieder zu sich selbst gekommen war, und tausend fragen über ihren schnellen Zufall angehört und schlecht genug beantwortet hatte, ich bitte euch, erzählt mir eure geschichte noch einmal, wenn der Wunsch Herzog Friedrichs Blut gerochen zu sehen, so wie ihr meint, mir diese Beängstigung verursacht, so könnt ihr denken, dass ich alles wissen muss! Vor allen Dingen, wer sind seine, ich will sagen, wer sind desdes Unbekannten Richter?

Ach dass es Gott und alle Heiligen erbarme! schrie die Alte, solche Richter müssen, seit die Welt steht, noch nicht gefunden worden sein! Ich nehme den Kurfürsten von Maynz aus, denn dieser tat so gleich was er tun musste, liess den Mörder beim kopf nehmen. – –

Er tat? Er liess? schrie Ida, waret ihr selbst gegenwärtig? O ja, als ich diesen Morgen aus der Messe ging. Das Gericht ward bei offenen Türen gehalten. –

Nun denn! – Es kann ja nicht die ganze Welt blind gegen seine Unschuld sein! – Aber weiter! Seine Richter! seine Richter!

Ich hoffe, die meisten waren wider ihn, aber leider behielten die wenigern, die ihn unschuldig nannten, die Oberhand!

O die Herrlichen! – Ihre Namen, Kunigunde! ihre Namen!

Ihr wisst ja, wer hier alles zu sagen hat, wer es ewig hindern wird, dass irgend etwas gutes zu stand komme; haltet euch nur noch nicht für die Tochter eines künftigen Kaisers, so lang

O ich bitte euch! bringt mich nicht zur Verzweifelung, lasst Kaiser sein und Kaiser bleiben wer da will, wenn nur er – –

fräulein! fräulein! rief Kunigunde mit aufgehobenem Finger. – Doch ich gebe nach. Die, welche demjenigen wohl wollten, dessen ihr euch so eifrig, Gott weis warum, annehmt, waren der Pfalzgraf Ruprecht, Herzog Albrecht und der alte Jodokus aus Mähren, alle heimliche Feinde und Nebenbuhler eures Vaters, vielleicht Ursacher an dem tod eures Bräutigams, und darum Verteidiger des Fremden