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Und würde Ida zürnen, wenn er es nicht wäre, wenn ihm die Liebe eingegeben hätte, sich einer unschuldigen List zu bedienen? –
O Herrmann! Herrmann! rief die gräfin und beugte sich tiefer zu ihm herab, wo bist du bis jetzt gewesen? Warum dieses todtenbleiche verfallne Gesicht, diese matten Augen? –
Wir haben schon mehr gesehen, dass dem Ritter der treuen Minne bei seiner Ida keine Augenblicke günstiger waren, als die Augenblicke der Ueberraschung; so auch der gegenwärtige. Die gräfin zögerte lange, ehe sie sich aus Herrmanns umschliessenden Armen wand, und ihn in die Schranken des gebührlichen Wohlstandes zurück wies, und er kannte seinen Vorteil zu gut, um sich durch irgend einen unzeitigen Ausruf zu früh aus der süssen Vergessenheit ihrer selbst zu reissen.
Stehet auf Ritter von Unna, rief endlich die errötende Ida mit abgewandtem Angesicht, wir spielen hier eine seltsame Rolle. – Ihr sagtet, ihr brächtet mir Post von meinem Vater? wie lebt er, wird er bald zurückkehren?
Man wird sich erinnern, dass Herrmann kein Wort von diesen Dingen gesagt hatte, aber er hielt es nicht für nötig sie eines bessern zu belehren, nahms für bekannt an, dass sie selbst nicht recht wisse was sie spräch, oder verstand überhaupt in der Entzückung, in der er war, selbst nicht, was sie sagte.
Er nahm auf ihren Befehl Platz an ihrer Seite, und nach einigen Augenblicken, da noch keines von beiden recht wusste, was es sagen sollte, nahm endlich eine Art von Unterredung zwischen beiden Platz, die nach und nach verständiger wurde und alles zum Vorschein brachte, was man in den gegenwärtigen Augenblicken nötig hatte einander zu sagen.
Idas Erzählung war kurz. Ihr Leben war unter der Aufsicht ihres strengen Vaters so einförmig gewesen, als das Leben aller Jungfrauen ihrer Zeit. Nur selten kamen in jenen rauhen ungebildeten Jahrhunderten die Töchter des Landes zum Vorschein und Fleis und Wachsamkeit ihrer Eltern schützten sie auch vor häuslichen Abenteuern. Obgleich Fürstentöchter hierinn zuweilen eine Ausnahme machten, so blieb doch Graf Eberhard in Ansehung seiner Ida ganz bei der gewöhnlichen Weise: immer noch lag ihm dieser Herrmann von Unna in Gedanken, der ihm einst von Idas Altan in den Garten entsprang, und an der kaiserin eine so mächtige Vorbitterinn hatte; – auch war Ida zu schön, um all den üppigen Augen ausgestellt zu werden, deren es auf dem Reichstage zu Nürnberg gab; selbst ihr bestimmter Bräutigam, der nun ermordete Herzog von Braunschweig, hatte sie nur zweimal gesehen, denn auch er durfte sich, nach dem Willen des alten Grafen, nur in so fern Hoffnung auf dieses Kleinod machen, als ihm das Glück in Ansehung der Kaiserkrone günstig war.
Herrmann triumphirte über Idas Erzählung, die sie ihm mit ihrer natürlichen unschuldigen Offenherzigkeit machte, dankte Graf Eberharden im Herzen, dass er so treulich über seinen Schatz gewacht hatte, und lobte sich laut, dass er schlau genug gewesen war, die Wachsamkeit ihrer Wächter zu betrügen. Aber Ida erinnerte ihn, nicht zu kühn zu sein, weil nur der Zufall, und die Abwesenheit einer strengen Duegna deren Rückkunft aus der Kirche sie alle Stunden erwartete, ihm dieses Glück verschaft habe.
Der wichtigste teil der Unterhaltung der beiden Liebenden, Herrmanns geschichte und die ursache seiner Erscheinung war noch zurück. Man musste eilen. Herrmann erzählte, und – habe ich noch nötig den Eindruck zu schildern, den das, was die junge gräfin hörte, auf ihr Herz machte?
Unter allen Gefahren, in welchen sie den geliebten Herrmann in seiner langen traurigen geschichte sah, kam ihr die gegenwärtige als die schrecklichste vor, sie zitterte, dass er sich selbst vor ein Gericht stellen wollte, dessen Beisitzer sie noch lange nicht genug kannte um zu wissen, ob die Unschuld bei ihnen sicher sei. Sie bat, sie flehte mit Tränen, er möchte seinen Ankläger erwarten, und dafern dieser nicht erschien, seine Unschuld vor erwiesen halten, da sie Gott und seinem eigenen Herzen bewusst wär; er möchte doch lieber jetzt gleich fliehen, da Kurd, der einige der nebst seinen Leuten wider ihn auftreten könne, beim Abschied ja selbst von seiner Unschuld überzeugt zu sein geschienen hätte, da er und seine gefährten vielleicht bei Herzog Rudolfs Befreiung, von welcher jetzt stark gesprochen wurde, geblieben, und also kein einiger seiner Ankläger übrig sein könne! – Liebe und Angst sprach aus ihren Blicken, da sie ihm die notwendigkeit seiner Flucht so mit wichtigen und unwichtigen Gründen vorstellte, aber Herrmann blieb unbeweglich!
Würde ich deiner würdig sein? rief er, würde ich einen blick von dir, du Ebenbild der schuldlosesten aller Jungfrauen verdienen, wenn ich die Blutschuld nicht von mir zu wälzen suchte? – Nein es ist nicht genug, dass Gott, du und ich mich unschuldig wissen, und andere gute Seelen meine Unschuld glauben, die ganze Welt soll sich überzeugen, dass Herrmann von Unna, wenigstens kein Verbrecher ist, wenigstens dieser ursache wegen, sich nicht scheuen darf, an eine gräfin von Würtemberg zu denken.
Drittes Kapitel.
Er ist gerettet!
Die Liebenden schieden. Herrmann machte sich auf, die ersten Schritte zu Ausführung seines Anschlags zu tun, und Ida blieb in dumpfen Trübsinn zurück. Dass ihr Trübsinn nicht Verzweiflung war, machte das Andenken an ähnliches Unglück, das sie selbst vordem erfahren hatte, und dem sie so wunderbar entkommen war. War es nicht ein weit fürchterlicheres Gericht, vor dem ich ehemahls stand, sprach sie