vor ein höheres Gericht, und ist er denn unschuldig, so braucht ihr vor nichts zu sorgen! Jetzt lass ich ihn in eurer Gewehrsame, zwei Reuter bleiben ihn zu bewachen, und wehe euch, wenn ihr einen voreiligen Schritt tut, ihn entkommen zu lassen, er wird ihm nichts helfen, und euch unglücklich machen.
Kurd verliess das Zimmer mit Eile, denn eben war
einer von seinen ausgeschickten Reutern mit der Post zurückgekommen, Herzog Rudolf sei gefangen, und seine Leute sammelten sich drei Meilen von Fritzlar, ihm zu hülfe zu ziehen; ein Zug, bei welchem der brave Kurd, ein so treuer Diener des gefangenen Rudolfs, als des ermordeten Friedrichs nicht fehlen durfte.
Zweites Kapitel.
Wiedersehen.
Herrmann blieb unter der liebreichen Wartung seiner alten Wirte. Ungeachtet er nicht so wohl durch die Gefährlichkeit seiner Wunden, als durch ihre Menge und den grossen Blutverlust zu Boden gestürzt, und seine Lage jetzt meistens nur durch heftige Bewegung und den schädlichen Trunk verschlimmert worden war, so schwebte er doch einige Tage zwischen Leben und Tod und nichts als Guterzigkeit der ehrlichen Landleute konnte ihn retten. Der Schäfer, das Orakel des Dorfs, heilte ihn mit Saft von ausgepressten Kräutern, unter welchen das Moos, auf von der Sonne gebleichten Hirnschedeln gewachsen, wie unsere Urschrift sagt, das vornehmste war; ein zeugnis, dem wir nicht zu widersprechen wagen – weil wir uns auf solche Dinge nicht verstehen.
Herrmann fing an zu genesen, fing an, nach Verlauf einer ziemlichen Zeit herum zu gehen, vermochte mit seinen freundlichen Wirten von der schrecklichen Begebenheit zu sprechen, die ihn dem tod nahe brachte, konnte ihnen danken, ihnen freigebig lohnen, aber für ihre heimlichen Ueberredungen zu fliehen, und der weitern Untersuchung seiner Sache zu entgehn, hatte er keine Ohren. Umsonst stellte man ihm vor, dass es ihm schwer werden würde, seine Unschuld vor vielleicht parteiischen Richtern zu erweisen, umsonst erinnerte man ihn, dass ihn hier nichts aufhielt, weil die Reuter, die man ihm anfangs zur Wache gegeben hatte, längst abgefordert worden waren; er bestand auf den Grundsatz, den er vor kurzem auf dem schloss Cyly äusserte: Die Unschuld fliehet nicht; und beschloss seinen Ankläger zu erwarten, oder im Fall dieser aussen blieb, gegen Nürnberg zu ziehen und seine Sache den daselbst versammelten Fürsten vorzustellen.
Der letzte Entschluss ward ausgeführt. – Herzog Rudolfs Leute, unter welche sich jetzt auch der treue Kurd zählte, sorgten zu selbiger Zeit mehr für das Beste ihres gefangenen Herrn, als für die Rache des ermordeten Friedrichs, und das erstere gab ihnen so viel zu tun, dass darüber das letzte ganz zu entschlafen schien. Herrmann sah sich also genötigt, wenn er nicht den Flecken der schrecklichen Beschuldigung unabgewischt lassen wollte, sich zu Nürnberg bei denen zu melden, auf deren Gerechtigkeit er ein so grosses Zutrauen setzte. Seine Wirte mussten sich endlich die Sache gefallen lassen, sie begleiteten ihn bis weit vor das Dorf hinaus, und er trennte sich erst unter der Tanne von ihnen, wo ihn der betrügerische Schlaf bald in die arme des Todes geliefert hätte.
Dieser Baum, rief er, als er seine Begleiter entliess, dieser Baum sei Zeuge meiner Unschuld, ihr, ihr Teuren, glaubt sie nur aus Vorliebe für mich, aber, o dass dieser Stamm reden könnte, an den ich sorglos hingelehnt schlummerte, als der Löwe, der Herzog Friedrichen zerfleischte, neben mir stand, und mich mit dem Blute der Unschuld beflecken wollte, o dass diese Blätter Zungen würden die Wahrheit auszusprechen! Dass die Geister, welche Kunzmann und mich hier unsichtbar umschwebten, auftreten möchten wider den Mörder zu zeugen!
Haltet ein, Ritter, unterbrach ihn der älteste unter den Landleuten, was wir von euch halten, dass wisst ihr; aber diese Fürsten, zu denen ihr gedenkt! – Ihre Anzahl besteht nicht aus lauter Ruprechten von der Pfalz und Albrechten von Oesterreich, es gibt viele unter ihnen, die nicht scharfsichtig genug sind, die Unschuld mitten in der Dämmerung zu entdecken, und einen und den andern, der es vielleicht nicht ungern sehen möchte, eigene Schuld auf einen Fremden zu wälzen. Vornehmlich hütet euch vor dem von Maynz. Es gehen seit Herzog Friedrichs Ermordung seltsame Gerüchte in dieser Gegend. – Wenigstens wissen wir alle so viel, dass er und Friedrich nie Freunde waren.
Herrmann kam gegen Nürnberg und sein erstes Geschäft daselbst war – nach Ida zu fragen. Sollten meine Leser noch nicht gemutmasset haben, dass der Wunsch sie zu sehen, so viel Anteil an seiner Ankunft gehabt habe, als das Verlangen, vor den deutschen Fürsten seine Unschuld zu rechtfertigen?
Er erfuhr, dass der Graf von Würtemberg eine kurze Reise unternommen habe, und dass seine Tochter sich mittlerweile gar einsam und eingezogen auf seinem schloss hielte. Herrmann hatte Eile Ida zu sehen: er fühlte es, dass er einen grossen Schritt vor sich hatte: sollte er bei dem zweifelhaften Ausgang desselben es darauf wagen, sie nie wieder zu erblicken? –
Die Liebe machte ihn sinnreich und kühn, und der Anschlag, den sie ihm eingab, war so plan und leicht, dass er glücken musste. – Wie hätte man einem Ritter, der der gräfin von Würtemberg Botschaft von ihrem Vater brachte, den Zutritt versagen sollen! er ward unvorzüglich vorgefordert, und – Herrmann trat ein.
Herrmann! rief Ida, als er vor ihr kniete den Saum ihres Rocks zu küssen, Herrmann, ein Bote meines Vaters