das Blut unsers Herrn vermischte sich mit dem Unsrigen, das er vergoss! Dies ist noch nicht genug ihn zu überzeugen, rief Kurd. Ein Zufall könnte das Schwerd eines Unschuldigen zu eben der Zeit mit Blut gefärbt haben; aber, dass ich seine Gestalt, seine Kleidung übergehe (die ich, als ich ihn zuerst ereilte, und ihm den Mantel entriss, nur gar zu gut in die Augen fasste) so sehet dieses Schwerd! ist es nicht Herzog Friedrichs Schwerd, das er im Gebüsch von sich gelegt hatte, und das die Meuchelmörder ihm raubten, um es in sein eigen Blut zu tauchen? –
Die Zeugen traten herbei, betrachteten und küssten den Stahl, und alle schrien! Herzog Friedrichs Schwerd, so wahr uns Gott helfe! Rache, Rache über seinen Mörder!
Wie ein fast ausgebrannter Tocht durch allzuschnellen Zufluss von Oel auf einmal hell auflodert um denn gänzlich zu erlöschen, so hatte das starke Getränk, welches für den tödlich verwundeten Herrmann Gift in seiner Lage war, für den gegenwärtigen Augenblick die Würkung ihn neu zu beleben, ihm eine Stärke und Munterkeit einzuflössen, welche fast der eines Gesunden glich. Vielleicht zwar, dass auch die entsetzliche Anklage, die er erst jetzt völlig zu fassen begunte, seine Seele so erschütterte, dass sie noch alle Kräfte der natur anstrengte, um nicht ungerechtfertigt nicht mit einer Blutschuld befleckt scheiden zu müssen.
Herrmann richtete sich plötzlich auf, und der Wirt, der nebst einigen seiner Leute gegenwärtig war, trat herbei ihn zu unterstützen. Nein! schrie Herrmann, ich bin Friedrichs Mörder nicht! sein Schwerd hatte ich vorher nie gesehen, fasste es zuerst, als ich es aufheben musste, mich wider euch zu verteidigen. Lang, – ihr müsst es noch gesehen haben, – lang starrte ich es voll Entsetzen an, ohne es anrühren zu mögen, mir ahndete, dass das Blut der Unschuld daran klebte.
Mensch! rief Kurd, wie kannst du uns dieses bereden? Wie kannst du – –?
Doch meine Leser, es würde teils unnötig, teils unmöglich sein, euch das Gespräch zwischen dem verwundeten Herrmann und Herzog Friedrichs Rächern Wort für Wort mitzuteilen. Genug sei es euch, dass die stimme der Wahrheit aus dem mund des schon fast sterbenden Jünglings wenigstens so viel vermochte, die Umstehenden in ihrem bisherigen Glauben wankend zu machen. Er erzählte nach der Länge alles, was ihm diesen Tag begegnet war, und der Richter und die Zeugen fanden so viel überredendes in den Worten des Verwundeten, dass sie sich voll Erstaunen ansahen, und einander fragten, was bei dieser zweifelhaften Sache zu tun sei.
Ein Umstand kam dem hier an Richterstelle sitzenden Kurd in den Sinn, den er bisher im Taumel der Wut gänzlich vergessen hatte und der dem Beschuldigten wunderbar zu statten kam. Wir haben schon erwähnt, dass Kurd Kunzmannen bereits einmal ereilt und ihm den Mantel entrissen hatte. Der Mantel entschlüpfte seiner Linken, aber die Rechte hatte des Mörders langes schwarzes Haar weit fester gefasst, und Hertingshausen konnte den Händen seines Verfolgers nicht entfliehen ohne einen teil desselben in seinen Händen zu lassen. Kurd hatte es sorgfältig aufbewahrt und zog es jetzt hervor, um den Beklagten, dem er fast nichts mehr zu antworten wusste, völlig zu überzeugen, aber er geriet in neue Verwirrung, als er seine Augen auf die blonden Locken warf, die Herrmanns bleiches Gesicht umschatteten. Was ist dies? rief er, sollte ich wirklich irren? sollte dieser wirklich schuldlos sein?
Herr, fing der Wirt an, der Herrmannen bisher gehalten hatte und ihn jetzt sanft auf sein Lager sinken liess, wenn ich euch meine Meinung sagen soll, so seid ihr ganz an den Unrechten gekommen. – Der Ritter da, scheint mir, – kommt her Leute, und seht zu, – ist es nicht der junge Mann, den wir alle diese Tage über bei uns gehabt haben? – Ja, ja, er ist es! schrien die herbeidringenden Knechte, es ist der gute Ritter von Unna! und das sagen wir euch, Kurd, Herrmann von Unna ist kein Mörder, kann kein Mörder sein!
Herrmann hatte verschiedene Tage in diesem dorf geherbergt und daselbst so wie überall tausend Proben seiner Gutmütigkeit abgelegt. Ueberall wo er gewesen war, hinterliess er Freunde; kein Wunder also, dass auf den Lärm, der sich auf diese Verteidigung zwischen den Reutern und Knechten erhub, und auf das Geschrei: der junge Ritter, der diesen Morgen das Dorf verlassen habe, sei der von Herzog Friedrichs Leuten Verwundete, alle Welt herbeilief und ihn sehen und rächen wollte. Die Weiber spielten hiebei die beste Rolle, sie nahmen sich des todschwachen Herrmanns an, der von der heftigen Anstrengung viel gelitten hatte, und den man in dem allgemeinen Lärm, der um seinetwillen entstand, ganz aus der Acht gelassen hatte.
Der besänftigte Kurd gebot endlich Friede. Alle eure Reden, schrie er, sind noch keine Beweise für die Unschuld des Beklagten, wollte Gott, sie wären es, und ich könnte, wenn ich ihm Unrecht tat, es wieder gut machen; aber ihr seht selbst, der Mensch kann Herrmann von Unna und euer Wohltäter, und doch Herzog Friedrichs Mörder sein. Diese Hand voll Haare beweist mehr als euer Geschrei, und doch nicht genug, um ihn zu retten. Es waren der Mörder mehr, und ist dieser nicht der, dem diese Locke gehört, so kann er einer von den andern sein! Die Sache muss