kluge Vorsicht erhalten wurde, und ihr ihre Treue auf die ihm eigene Art vergalt, kam Siegmund in Ungarn wieder empor. Seine Feinde waren gedemütiget, und er bestieg, durch hülfe des Grafen Cyly, Graf Peters des Einfältigen Bruders, den Tron von neuem. Barbara ward seine gemahlin, und diese Wahl war hinlänglich, alle Treulosigkeit an ihn zu rächen, welche er an der königin Marie, an der fürstin Helena Gara, und vielleicht an tausend andern begangen hatte. Barbara war in allem seine unumschränkte strenge Gebieterinn, nur dieses konnte sie nicht über ihn erhalten, dass er den Ritter von Hertingshausen in seinen Diensten behalten hätte. Das Andenken an den im halben Schlummer geschehenen Kuss, den er doch immer lieber ihm als Herrmann beimass, war unauslöschlich. Kunzmann war genötigt, den Hof zu meiden, und sich in ziemlich armseeligen Umständen in die Dienste des Churfürsten von Köln zu begeben, wo wir ihn vielleicht bald wieder finden werden.
Siegmunds Anschläge auf die Kaiserkrone waren verunglückt, es waren eine Menge hände nach diesem Kleinod ausgestreckt, unter welchen Pfalzgraf Ruperts, Graf Eberhards und Herzog Friedrichs, schon fast im Zugreifen waren.
Herrmann hörte nicht sobald den Namen des Herzogs von Braunschweig und des Grafen von Würtemberg nennen, erfuhr nicht so bald, dass sie sich nebst allen Competenten zur Krone auf dem Reichstage zu Nürnberg befänden, als sein Zweifel, wohin er seine Schritte lenken sollte, verschwand. Er wusste bisher nicht, wo Ida war, jetzt ward es ihm klar, dass sie sein müsste, wo ihr Vater und ihr Bräutigam sich befänden. Ida zu sehen, und Friedrichen vor heimlichen Nachstellungen zu warnen, lag ihm beides am Herzen. Aber, Idas Vater! ihr Bräutigam! was für Worte in Herrmanns Ohren! Ida, die Tochter oder die Braut eines künftigen Kaisers? Armer Jüngling, was für Aussichten für deine Liebe!
Herrmann befand sich jetzt in den Gegenden von Fritzlar. Das Gerücht kam ihm entgegen, Herzog Friedrich von Braunschweig sei von den deutschen Fürsten verworfen worden, und habe sich in vollem Zorn nebst seinem Schwager, Rudolfen von Sachsen, von Nürnberg aufgemacht, um wieder in sein Land zu ziehen. Welch eine Zeitung! Der gefürchtete Nebenbuhler hatte also seine Geliebte verlassen, er sollte nie den Namen Kaiser erlangen, den Graf Eberhard seinem Schwiegersohn so gern gegönnt hätte, wenn er ihn selbst nicht erhalten konnte! Neue Hoffnungen stiegen in Herrmanns Seele auf, er glaubte alles überwunden zu haben, da nur der fürchterliche Herzog vom Schauplatz abgetreten war, und dachte nicht, dass die Tochter eines mutmasslichen künftigen Kaisers noch immer unerreichbar für ihn blieb.
Er hatte nicht so bald gehört, dass Herzog Friedrich vielleicht hier vorüber ziehen würde, als er begierig ward denjenigen zu sehen, der ihm bisher so viel Furcht eingejagt hatte und ihm einige Warnungsworte vor Gefahr zuzurufen; er interessirte sich doppelt für ihn, seit er ihn nicht mehr für Idas Bräutigam hielt. Er setzte sich unter einen Baum an der Heerstrasse, und schaute in die Weite hinaus. Die Gegend war einsam; man war in diesem Bezirk es zu gewohnt grosse Herrn vorüber ziehen zu sehen, als dass man sich, so wie ietzt, dazu hätte drängen sollen, sich zu überzeugen, dass sie auch Menschen wären.
Das Warten dauerte Herrmann zu lang, er war diesen Tag weit gegangen, und er entschlief. Sein Schlaf konnte wohl etliche Stunden gedauert haben, als er von einem schrecklichen Traum erwachte. Ihm träumte, Herzog Friedrich von Braunschweig sei von einem Löwen zerrissen worden, und man wollte ihn mit der Haut seines Mörders bekleiden. Er ermunterte sich, fuhr auf und sah neben sich einen langen bleichen Menschen mit verworrenem Haar und ausgezogenem Schwerdte stehen.
Herrmann sprang in die Höhe. Was machst du mit meinem Schwerdte? schrie er, indem er das seinige in der Hand des Fremden gewahr ward. –
Dein Schwerdt? rief der andere, indem er es blitzschnell ins Gebüsch schleuderte, siehe, das ist das deinige; ich fand es neben dir, und der fürchterliche Anblick machte, dass ich bei dir stehen blieb, und weil ich dich für einen Mörder hielt, meinen Degen zog, um mich, wenn du erwachtest, vor dir zu schützen.
Herrmann sah sich um und erblickte an der Stelle, wo er gelegen hatte, ein mit Blut getränktes Schwerdt. – Unseeliger! schrie er, indem er den Fremden bei der Brust fasste und ihn gewaltsam schüttelte, sprich, was ist das? – Aber Gott was sehe ich! Kunzmann? Hertingshausen? Graf Peters Mörder? –
Herrmanns hände sanken vor Entsetzen nieder, und Kunzmann fühlte sich nicht so bald frei, als er wie ein Pfeil von der Sehne davon floh, und den Ritter von Unna in einer Bestürzung verliess, welche mit nichts zu vergleichen war.
In dem nemlichen Augenblick erhob sich ein fürchterliches Geschrei; Hier, hier muss die Tat geschehen sein! fasset, fasset den Mörder! Von allen Seiten stürzten gewaffnete Männer herbei, von denen einige schrieen: Ach unser Herzog, unser teurer Herzog! andere6: Nein, hier ist er nicht gefallen, wir fanden ihn hundert Schritt weiter im Gebüsch! und noch ein andrer: der Mörder kann nicht weit sein, ich hatte ihn schon einmal ereilt, aber er entfloh mit dem blutigen Schwerdte. Herrmann stand noch mit in einandergeschlagenen Armen bei Kunzmanns Schwerdte, als ihn dieses grässliche Getös aufmerksam machte. Er tat einige Schritte vorwärts, um zu fragen