sich von jener Seite wie ein Sturmwind. – Ach gräfin! ich fürchte! ich fürchte! Sind eure hände rein an Mariens Blut? – Ich schwöre es dir! – Warum hätte ich eine Nebenbuhlerinn, die mir so wenig Schaden in Siegmunds Herzen tat, tödten sollen? ohne Not vergiesse ich kein Blut! – Es ist schauerlich hier! sprach die Zofe, auch bricht der Tag an. Gefällt es euch nach haus zu gehen? – Barbara schwieg, und beide verliessen die Laube.
drei und dreissigstes Kapitel.
Wer andere aus der Grube ziehen will,
fällt oft selbst darein.
Herrmann durchflog den Wald, um seinen Verfolger zu finden, er fand ihn nicht. Er eilte nach dem schloss, um Graf Petern zu warnen, auch dieser war nicht zu finden. Seine Kammerdiener sagten, der Ritter von Hertingshausen habe ihn vor einer halben Stunde im Namen König Siegmunds abgefordert; auch nach Herrmann sei gefragt worden, weil er in dem nemlichen Flügel des Schlosses seine wohnung hatte, und man habe geantwortet, er sei wahrscheinlich auf die Jagd gegangen.
Herrmann konnte erraten, welchen Weg Kunzmann mit dem unglücklichen Grafen genommen habe, Peters Einfalt an jeden Ort zu locken, wohin er wollte, konnte dem schlauen Verräter nicht schwer werden. Der Retter des armen Schlachtopfers verdoppelte seine Schritte, aber er hatte den Schlosshof noch nicht zurückgelegt, als er sich von der Wache umgeben sah, welche ihm in König Siegmunds Namen das Schwerd abforderte, und ihn bat, ohne Weigerung den Arrest anzunehmen, den man ihm ankündigte.
Herrmann folgte, oder vielmehr er musste folgen. Seine Weigerung hätte nichts gefruchtet, als dass er vielleicht einige von den unschuldigen Ausrichtern des königlichen Befehls verwundet oder getödtet hätte, ohne sich frei zu machen. Man brachte ihn in einen Turm, der an der Nordseite des Schlosses stand, zuckte auf seine Frage, was er verbrochen habe, die Achseln, und versprach, auf seine Bitte, Leute in den Wald zu schicken, um Graf Petern aufzusuchen, welcher, wie er sagte, von Lebensgefahr bedroht würde. –
Um den Mittag ward der Gefangene vor seinen Richter gestellt, König Siegmund sah ihn mit einem Blicke an, den er noch nie an ihm wahrgenommen hatte. Herrmann stand vor ihm mit jener festen Miene, die nur der Unschuld eigen ist. – Schleicher! niederträchtiger Heuchler! rief der König endlich. Musstest du darum den Tugendprediger machen, auf jene erlaubte Lust mit neidischem richtenden Blicke hinschielen, um im Verborgenen nach demjenigen streben zu dürfen, was das Eigentum deines Herrn ist? –
Mein König! sprach Barbara, die Herrmann jetzt erst gewahr ward, verzeihet, verzeihet seiner Jugend! Er hatte den Wein vielleicht zu oft kredenzt, seine Sinne waren benebelt, und überdies, was ist ein Kuss? –
Ein Kuss? schrie Siegmund, ein Kuss ist euch Kleinigkeit? Verräterinn! ihr liebt Herrmann, sonst würdet ihr nicht so sprechen! –
Hat man mich vielleicht vor Hertingshausen genommen? fragte Herrmann mit verachtendem Blicke auf die gräfin. –
Bist du mit meinem Augen im Bunde? rief der König. – Auch mir stellten sie bei der verruchten Tat nicht deine, sondern Hertingshausens Gestalt vor; aber ich war im halben Schlummer, und die gräfin hat Recht; nicht er, du warest es, der sich an meinem liebsten Kleinod vergriff! –
Mein Herr! mein König! sprach Barbara mit bittendem Blicke, gewiss ihr irrt; ja ja, Hertingshausen war es, nicht der arme unschuldige Herrmann! nur ihn, nur ihn schont, wenn ihr nicht auch mich tödten wollt! –
Fort aus meinen Augen! schrie Siegmund. Nicht der Kuss bringt dich ums Leben, der ist ja Kleinigkeit, wie die gräfin sagt, aber, dass sie dich liebt, dass die Schönste der Welt dich liebt, mit dir sterben will, – O entsetzlich! – Fort! Fort aus meinen Augen? – Herrmann ward in sein gefängnis zurückgeführt. Er durchschaute den ganzen Plan seiner verruchten Anklägerinn: ihre schwankenden Reden, ihre künstlich geäusserte Zuneigung sollte Siegmunds Eifersucht aufs höchste treiben, sie, das wusste sie, konnte sich mit einem blick, einer Träne vor dem Zorn ihres Geliebten schützen, aber Herrmann musste das Opfer desselben werden.
Das war ein Meisterstreich! sagte Barbara, als sie mit ihrer Zofe allein war. Siegmund hatte im Rausche nur allzugut gesehen. Mein Hertingshausen hätte unausbleiblich sterben müssen! Wie gut, dass ich Siegmunds benebelten Augen Herrmanns Bild unterschieben konnte. –
Ich war so froh, sagte die Zofe, als ich ihn hier auf dem schloss sah, war so froh, dass er Kunzmanns blutgierigem Schwerdte entgangen war, und nun dieser neue Anfall! O hätte ich euch nur nicht gesagt! –
Weichherzige Närrin! ich glaube, du weinst? –
Und ihr liebtet ihn doch ehemals! –
Komm in meine Lage, und du wirst erfahren, welch einen Hass verschmähte Liebe erzeugt! –
Herrmann könnte ich nicht hassen, wenn er mich tausendmahl verschmähte! –
Hör auf! und sieh nach dem Fenster, das auf die Heerstrasse geht – kommt Hertingshausen noch nicht? – Er wird doch einen von meinen Aufträgen ausgerichtet haben! –
Die Zofe weinte und sah durchs Fenster, welches Herrmann zur nemlichen Zeit in seinem Gefängnisse auch tat.
Der nördliche Turm des Schlosses, wo Herrmann war, hatte die Aussicht auf die Heerstrasse, die sich vom wald nach dem schloss herauf zog. Der Abend dämmerte heran