lenkten. König Siegmund und seine beiden Knappen, Herrmann und Hertingshausen, wurden mit offenen Armen empfangen, und obgleich Graf Peter mit einfältigem Herzen seine Erscheinung unverhoft, überraschend nannte, so schien doch Barbara ihren hohen Gast längst erwartet zu haben.
Herrmann war nicht so verblendet wie Graf Cyly, er sah das verdächtige Augenspiel zwischen Siegmunden und der gräfin, sah, dass auch Hertingshausen von diesen Geheimnissen wissen müsste, und dass er von der schönen Barbara als ein alter Bekannter behandelt ward. Ihm ward es klar, dass in der letzten Epoche des Aufentalts auf Helenens schloss, da Siegmund und seine Leute nicht mehr wie Gefangene behandelt wurden, Hertingshausen nur darum so öfters abwesend war, weil er ein geheimes Verständniss zwischen dem Könige und der gräfin unterhalten musste, und dass dieser Helenen nicht so wohl aus Ueberdruss des untätigen üppigen Lebens, als vielmehr aus sehnsucht nach seiner alten Freundinn der gräfin Barbara floh.
Wenig Tage reichten zu, Herrmann zu überzeugen, dass die Auftritte von Soclos hier wieder von vorn angehen würden, und dass er vergebens gehofft hatte, hier endlich in Tätigkeit gesetzt, seinem Glück näher gebracht zu werden.
Seine Entschlüsse, seinen Herrn zu verlassen, wurden erneuert, er fand nichts, das ihn hier zurückhielt. Zwar wurde zuweilen in Siegmunds Kabinet davon gesprochen, dass nächstens ernstliche Schritte getan werden sollten, ihn wieder auf seinen Tron zu erheben, aber dieses Nächstens ward immer weiter hinaus geschoben, und die Mittel, deren man sich zur Erreichung dieser grossen Absichten gebrauchen wollte, waren nicht so wohl das Schwerdt, als List und heimliche Ränke; Dinge, auf welche Herrmann sich nicht verstand, und die er in seiner Einfalt nicht zu billigen vermochte.
Was ihm den Aufentalt auf Cylys schloss noch mehr verbitterte, war der Mangel an irgend einem Freunde, den er lieben oder sich ihm vertrauen konnte. Schon zu Soclos hatte sich Hertingshausen ihm in einem nachteiligen Lichte gezeigt, aber hier verlor er vollends alles, was einen Herrmann zu seinem Freunde machen konnte. Hertingshausen schien hier nicht nur Unterhändler sondern auch Teilnehmer der verbotenen Liebe seines Herrn zu sein. Er hatte keine Augen als die schönste gräfin von Cyly, und diese legte den ihrigen nur so lange Zwang an, als sie von Siegmunds bemerkt ward, vor Herrmann, den sie anfangs für ein unschädliches unbedeutendes geschöpf hielt, scheute sie sich hierinn so wenig als vor Peter dem Einfältigen.
Herrmanns unschuldiges Herz hielt einen solchen Leichtsinn, als er an der gräfin bemerkte, fast für unglaublich, er traute seinen Sinnen kaum, er kannte die allumfassende Männerliebe dieser Messaline, von welcher die geschichte noch jetzt zu sagen weis, noch nicht, und ward erst dann überzeugt wer Barbara sei, als sie endlich ihre Augen auch auf ihn warf, auch ihn in ihre Stricke zu ziehen suchte.
Man erlaube mir, alle Auftritte, welche hieher gehören, mit Stillschweigen zu übergehen, genug sei es zu sagen, dass sie Herrmannen Cylys Schloss zur Hölle machten, dass er auf nichts sann, als auf die Flucht, und dass ihn nur noch die überlegung zurück hielt, ob er schweigen, oder seinem Herrn die Augen über die Aufführung seiner Geliebten öfnen sollte.
Das erste verbot ihm die Redlichkeit, und das andere seine Delikatesse, hätte er nicht durch ein solches Gespräch mit Siegmunden gestanden, dass er seine Ansprüche auf Graf Peters treuloses Weib kenne, und gewissermassen billigte? – Er blieb unentschlossen, bis neue Entdeckungen seinen Abscheu vor Cylys schloss und seinen Bewohnern aufs höchste brachten, und ihn fast blindlings von dannen trieben.
Die Verachtung, mit welcher er die Liebe der gräfin belohnte, erregten ihren Hass, der bald auch in Siegmunds Herz übergetragen wurde. Herrmann war nicht mehr nächst Hertingshausen, der ihn schon zu Soclos von der ersten Stelle gedrängt hatte, des Königs Vertrauter, er wurde nicht mehr zu den Beratschlagungen gezogen, welche wegen Siegmunds Tronbesteigung gehalten wurden, nur das merkte er aus flüchtig aufgefangenen Worten, dass Siegmunds Absichten jetzt nicht mehr bloss auf die ungarische Krone gingen, dass ihm die herrschsüchtige Barbara Begierden nach einer noch höhern einzuflössen gewusst hatte. Ihr war einst der Name kaiserin geweissagt worden, sie sah sich schon als Siegmunds gemahlin an, wer konnte sich wundern, dass sie ihn antrieb die Stufe zu erreichen, nach welcher sie strebte, und auf welche er sie erheben konnte.
Alle diese Dinge gefielen Herrmannen übel, er hörte Anschläge wider Wenzeln, unter welchen damahls schon der Tron zu schwanken begunnte, Anschläge wider Herzog Friedrichen von Braunschweig, der nebst noch einigen andern grosse Hoffnung zur Kaiserkrone hatte, und sein Herz zitterte, hier nicht augenblicklich retten und warnen zu können. Er vergass ganz, dass letzterer sein Mitbuhler war, dass ihn Graf Eberhardt zu Idas Gemahl bestimmt hatte, er sah nur in ihm den meuchelmörderisch verfolgten Fürsten und hätte sein halbes Leben drum gegeben ihn sowohl als Wenzeln aus der Gefahr reissen zu können.
Keine Nacht mehr in dieser Mörderhöle, wie ihn Graf Cylys Schloss jetzt schien, zu bleiben, war sein fester Entschluss. Er machte sich auf die Flucht, aber es war nicht so leicht aus diesem Bezirk zu kommen als er meinte. Der Park, durch welchen sein Weg ging, war mit einer hohen Mauer umgeben, deren Pforte bei Nacht verschlossen und am Tage nie unbewacht war. Es ward ihm immer deutlicher, dass König Siegmund und seine Leute, hier sich im grund so wenig der Freiheit zu rühmen hatten, als auf dem schloss Soclos. –