Herrmann dachte unaufhörlich an das geliebte Mädchen. Die Schwierigkeiten, die er fand, sie zu sprechen, oder nur von ihr bemerkt zu werden, gaben seinen Wünschen neues Feuer, und erhöhten seine Meinung von ihr. Ihr geringer Stand, der ihm anfangs so gleichgültig gewesen war, fing an ihn zu beunruhigen, er wünschte sie zu sich erheben, oder sich zu ihr erniedrigen zu können, tausend romantische Einfälle dieses möglich zu machen schwärmten in seinem kopf, denn obgleich damals noch kein Roman existirte, als etwa der Teuerdank, so fehlte es doch auch zu jenen zeiten in keinem Jünglingsgehirn an selbst erfundenen und erträumten Abenteuern, die den, der sich mit denselben abgab, so gut amüsirten, als das, was wir aus unserer heutigen Modelektür lernen.
Ida zu sich zu erheben, sich ehrlich um sie zu bewerben, und sie zu seiner rechtmässigen Gemahlin zu machen, war eine Unmöglichkeit. Zwar die Einwilligung des Kaisers zu einer Missheirat zu erlangen, wär eben keine grosse Sache gewesen, denn Wenzel dachte in diesen, wie in allen Dingen sehr bequem, aber Herrmann hatte Anverwandte, welche nicht so nachsichtsvoll waren, er war arm, der Stand eines Kammerjunkers, den er seit einem halben Jahre rühmlichst bekleidete, war mit keinen grossen Einkünften versehen. Idas Eltern waren zwar reich – aber, – genug Herrmann fing an das andere Mittel sich glücklich zu machen, für bequemer zu halten. Er wollte sich zu ihr erniedrigen, wollte nicht mehr sein, als sie war, und Stand, Verwandte, und alle künftige Hofnungen, ihr zu Liebe, aufopfern.
Es ist ungewiss, was für Schritte er zu Ausführung dieses Entschlusses tat; vielleicht suchte er sich in dem haus des alten Münsters als Lehrling einzuschleichen, aber dieser schlaue Alte musste sich dieses Gesicht, das sich ihm bereits unter so mancherlei Vorwänden gezeigt hatte, gemerkt haben, oder er hatte andere ursache zu Verdacht geschöpft, genug Herrmann musste abgewiesen worden sein, denn die geschichte stellt uns ihn bald nach der Zeit, da diese Versuche gemacht worden sein mochten, in eben dem trostlosen Zustande als im Anfang seiner Liebe vor.
Herrmann war Wenzels Liebling und Vertrauter; bleich und abgehärmt ging er vor den Augen seines Herrn herum, und jeder seiner Blicke schien zu flehen, man möchte doch nach der ursache seiner Leiden fragen, und ihm helfen. Aber Wenzel fragte nicht, er war keiner von jenen Fürsten, welche die Wünsche ihrer Favoriten, auf Unkosten tausend anderer befriedigen, er wusste nicht einmal, dass Herrmann welche hatte, er gehörte zu jenen spiegelglatten Seelen, die von allem, was sie umgiebt, nur einen vorübergehenden Eindruck annehmen. Man konnte vor seinen Augen leiden, ohne dass er es fühlte, sterben, ohne dass er es gewahr ward, und wieder lebendig werden, ohne dass er sich darüber wunderte.
Diese Fühllosigkeit gegen das Herzensweh eines achtzehnjährigen Kammerjunkers, hatte nun freilich wenig zu sagen, aber er war im Grossen eben derjenige, der er im Kleinen war, und – doch zur Fortsetzung meiner geschichte.
Herrmann gehörte zu den Glücklichen, welchen der Zufall oft ehe sie es sich versehen die Erfüllung ihres Wunsches in die hände wirft, welche sich auf keine Art erkünsteln liess. Der Kaiser sah und verstand nichts von des Jünglings erbärmlichen Blicken, mit welchen er absichtlich vor ihm herumging, aber ohne sie zu sehen, ohne sie zu verstehen, tat er einen Schritt zu Herrmanns geglaubten Besten, der sich nicht besser hätte wünschen können.
Herrmann, sagte er eines Tages zu ihm, was soll ich von dir denken? bist du blind, oder willst du den Unmut deines Herrn nicht sehen? du hattest doch sonst immer eine Frage bereit, was mir fehle!
Herrmann verbeugte sich, ohne zu antworten; was hätte er sagen sollen? wie konnte man auf einem Gesicht, wie Wenzels, Spuren des Unmuts oder irgend eines andern Gefühls erkennen? oder heimlichen Verdruss aus dem Betragen desjenigen schliessen, dessen Sitten nie sanft oder einnehmend waren? die Forderung des Kaisers war höchst unbillig, und liess sich nur mit Stillschweigen erwiedern.
Ja, Herrmann, fuhr Wenzel fort, du siehst mich in der grössten Verlegenheit, und du hast mir schon aus so vielen seltsamen Händen geholfen, das ich glaube du wirst auch jetzt etwas ausführen können, das mir wohl tut.
Herrmann verbeugte sich wieder, doch mit einem Anstand von frohem Selbstgefühl, denn die Worte des Kaisers brachten ihm gewisse begebenheiten in den Sinn, bei welchen er in der Tat eine Rolle gespielt hatte, die ihm hoffnung auf künftige, bisher vergebens erwartete, Belohnung einflössen konnte.
Du siehst, fing der Kaiser von neuem an, du siehst mich in dem schrecklichen Geldmangel, der sich denken lässt. Die Aussteuer meines Weibes ist hin, ist auf die Unkosten bei der Hochzeit gegangen; du weisst, ich habe mich nicht schimpfen lassen. Lumpichte vierzigtausend Gulden! sie sind verzehrt, und ich habe mit ihnen eine verdrüssliche Sittenrichterin in den Kauf bekommen, welche mir bleibt, nachdem das, was mir ihre person wünschenswert machte, nicht mehr vorhanden ist.
Herrmann kreuzte sich. Zwar war er schon lang ein Zeuge von den sinnlosen Verschwendungen seines Herrn und seiner Blindheit gegen die Betrügereien derer, die ihn umgeben, gewesen; aber vierzigtausend Gulden, die ganze Aussteuer einer Prinzessin, die man reich nannte, eine Summe, mit welcher der König von Engelland seine Tochter vor kurzem zu grosser Zufriedenheit seines Schwiegersohns ausgestattet hatte, das ging