Edelleuten, welche mit ihm bei der Tafel aufwarteten, und er hatte die Freude, manchen unter ihnen zu finden, dessen Gesicht nebst dem treuherzigen Händedruck ihn alter Freund und Spiesgesell nannten. Keine von diesen Erscheinungen war ihm angenehmer als das Gesicht eines Jünglings, den er von Kindheit auf gekannt hatte, ehemals an Kaiser Wenzels hof durch Misverstände von ihm getrennt worden war, ihn denn unter König Siegmunds junger Ritterschaft wiedergefunden, und im Türkenkriege so manche tapfere Tat von ihm gesehen hatte, dass der Gedanke an vergangene Dinge ganz von Liebe und Bewunderung verschlungen ward. Es war der junge Kunzmann von Hertingshausen, welcher Herrmann ehemals, als beide Jünglinge noch Kaiser Wenzels Edelknaben waren, für den Ursacher seiner Flucht vom hof gehalten hatte, wie sich vielleicht meine Leser noch aus der Erzehlung erinnern, welche der Ritter der treuen Minne ehemahls dem alten Münster von seinen Jugendgeschichten machte.
Kunzmann schien schon damahls, als er Herrmann im Türkenkriege wiederfand, allen alten Groll vergessen zu haben, und auch jetzt bewillkommte er ihn, wie man alte Freunde bewillkommt. Es war hier nicht der Ort viel Worte zu machen; ein Händedruck, und die Worte, mein Herrmann! mein Hertingshausen, waren alles was man sich sagen konnte, das übrige wurde für eine verabredete Zusammenkunft auf die künftige Nacht verspart.
König Siegmund hatte sich jetzt lange nicht nach seinem neuen Diener zurückgewandt, ein ernstes Gespräch mit den Gebrüdern Gara hielt ihn fest. Man hatte die Pokale fleissig geleert, aber nicht der Becher der Freude war es, der hier um die Tafel ging, es war der Becher der höllischen Zwietracht. Herrmann hatte schon lang bemerkt, dass die gegen ihn über sitzenden Fürsten seinen Herrn nicht so anblickten, wie es ihnen zukam; verachtender Unwille, oder tückische Schadenfreude war es, was er auf diesen vom feurigen Ungerweine hochrot gefärbten Gesichtern las. Auch misfiel ihm die Unterhaltung, welche zwischen Siegmund und den beiden Garas vorfiel. Sie schienen gänzlich zu vergessen, mit wem sie sprachen. Die Rede war von dem letzten Türkenzuge, man wechselte Vorwürfe, verteidigte sich mit Hitze, und die stimme des Feldherrn und seines Bruders erhob sich bald so sehr, dass sie jeden laut von den Worten des Königs verschlang.
Was ist dies? sprach Herrmann zu Hertingshausen, indem er an seinem Schwerd zuckte, sollen wir diese Beschimpfung unsers Herrn dulden. Das Getümmel an der Tafel ward stärker; jedermann erhub sich von seinem Sessel; hier und da wurden einige Schwerdter bloss, und man begunnte so heftig auf den König einzudringen, dass die bösen Absichten, die man wider ihn hatte, nicht mehr zweifelhaft blieben. Herrmanns Schwerd fuhr aus der Scheide, ihm folgte Hertingshausen und die andern Jünglinge. Siegmund ward von seinen Feinden zu Boden gerissen, man erkühnte sich Waffen auf ihn zu zücken, die keinem Rittersmanne ziemen. Herrmann fasste den Andreas Gara, und riss ihn ungestüm von seinem Herrn hinweg, indessen die andern Jünglinge auf ähnliche Art mit dem Feldherrn Nikolaus verfuhren. Der Platz war erstritten, die person des Königs gedeckt, aber – die Partie war ungleich. Die reisigen Knechte wurden herein gerufen, Siegmunds Retter teils zu Boden geworfen, teils entwafnet, der König auf die unwürdigste Art behandelt, und endlich so wie die, welche fest bei ihm hielten, mit Fesseln belegt.
Nur zwei hatten die Ehre, das Unglück mit ihrem Könige zu teilen, Herrmann und Hertingshausen, die übrigen, meistens weibische Hofjunker, liessen sich leicht durch Drohungen und Versprechen von ihrer Pflicht abziehen, und misgönnten es Siegmunds beiden treuen Dienern nicht, dass sie die nehmliche Begegnung mit ihrem Herrn erfuhren, gleich ihn mishandelt, gleich ihn gefesselt, und auf verdeckten Wagen nach einem Orte geführt wurden, wo die heimtückischen Magnaten hoffen konnten, ganz das Schicksal ihres Herrn in ihrer Macht zu haben, ohne eine Einrede von dem volk befürchten zu dürfen.
Neun und zwanzigstes Kapitel.
Wenzels Bruder kommt zum Vorschein.
Es war der Montag nach Sankt Vitalis Tag, als die Gefangenen auf dem schloss Soclos ankamen. Herrman kannte diesen Ort als den Hauptsitz des Hauses der Garas, und er konnte sich vorstellen, was der unglückliche König an einem Orte, wo nichts die Gewalt seiner Feinde einschränkte, zu hoffen habe.
Doch täuschten ihn diesesmahl schrecklicher seine Erwartungen, welche ihm nichts als Beschimpfung und Tod für seinen Herrn in der Ferne zeigten.
Die Begebenheit, welche König Siegmunden hieher brachte, war angelegter Plan; so wollte, so musste man sich seiner hinterlistig bemächtigen, um ihn vom Trone zu stossen, um einen andern auf denselben zu heben; aber in der Ausführung dieses teuflischen Anschlags hatte man allerdings die grenzen überschritten, welche man sich vorgeschrieben haben mochte, und man hielt es für gut, nun zu den Regeln der Bescheidenheit und des Wohlstandes zurückzukehren. Die Kräfte des Weins hatten bei jenem unglücklichen Mahle verursacht, dass Siegmunds Feinde es ganz vergassen, dass der, den sie wie einen Sclaven behandelten, doch gleichwohl ein König war, dass sie sich selbst noch mehr als ihn durch ihre unwürdige Aufführung beschimpften. Der Rausch war ausgeschlafen. Wut und Rache kochten nach wie vormahls in den Herzen der Garas, aber sie schämten sich eine Rolle fort zu spielen, welche ihnen das Recht entreissen, und es auf die Seite des verhöhnten Sohns Kaiser Karls des vierten wenden musste.
Dem Könige wurden die Fesseln abgenommen; man gab ihm statt des Kerkers, in den er anfangs geworfen ward, ein wohlverwahrtes Gemach, ging so weit ihn