und Leben gegönnt, wenn er ihn nur hundert Meilen weit von derjenigen hätte entfernen können, die nach seinem Willen nie die Seinige werden sollte.
Ein guter Engel wachte indes für Herrmanns Bestes. Die fürstin von Ratibor hatte Recht, er war bisher noch immer in der Nähe gewesen um die Schritte seiner Ida auszuspähen, jede gelegenheit zu belauschen, wo er sie sehen, wo er sie vielleicht gar sprechen könnte. Die unermüdete Aufmerksamkeit war die ursache, dass er die Entfernung seiner Geliebten augenblicklich erfuhr, und da er nach ihr hier nichts mehr zu suchen hatte, keine Stunde nach ihr zurückblieb, und so allen Verfolgungen entging.
Seine Absicht war, ihr überall zu folgen, in tausendfachen Verkleidungen immer um sie zu sein, und zu versuchen, ob nicht endlich irgend eine derselben ihm sein Glück, ein Wort, einen blick von ihr verschaffen könnte. Wahrscheinlich würde er zu seinem und ihrem Nachteil diesen Plan ausgeführt haben, wenn ihm nicht der Himmel einen Freund zugeführt hätte, der seinen Entschlüssungen eine bessere Richtung gab – Herrmann wusste durch die kleinen Künste, durch welche er alles erfuhr, was Beziehung auf Ida hatte, dass sie die zweite Nacht nach ihrer Abreise mit ihrem Vater in einem dorf übernachten würde, das ihm bekannt war, und nach welchem er durch einen kürzern Weg zu gelangen wusste, als denjenigen, welchen die Reisenden gewöhnlich zu nehmen pflegten. Hier war es, wo er seine Geliebte erwartete, um, wenn ihm ja kein grösseres Glück bestimmt war, sie wenigstens aus dem Wagen steigen zu sehen, wenigstens den laut ihrer stimme in der Ferne zu vernehmen, und hier war es, wo er seinen alten Freund, den redlichen Münster traf.
Die geschichte sagt nicht, ob der alte Mann ähnliche Absichten gehabt habe, als wie der Ritter von der treuen Minne, nur dieses versichert sie, dass er die Plane des letzten höchlich getadelt und alle Mühe angewandt habe, ihn auf vernünftigere Gedanken zu bringen. Was wollt ihr machen? rief er, als Herrmann seine offenherzige beichte abgelegt hatte. Eure Zeit im Müssiggange zubringen? ewig Ritter Herrmann von Unna bleiben, der nie an die Tochter des stolzen Grafen von Würtemberg denken darf? Tausend Gelegenheiten Ruhm zu erwerben versäumen? Euer Leben, eure Ehre, die Ehre eurer Geliebten in Gefahr setzen, wenn man euch entdeckt? und werdet ihr von niemand, und also auch von ihr nicht erkannt, euch Jahrelang mit fruchtlosen Bemühungen um ein Nichts beschäftigen, und es zu spät bereuen, dass ihr einem Schatten nachjagtet, indessen ihr schon Riesenschritte zu eurem wirklichen Glück hättet getan haben können? – Nein, Ritter, glaubt mir, verlasst diesen Ort, verlasst ihn augenblicklich, ehe noch diejenige erscheint, die den Entschluss, den ihr fassen müsst, könnte wankend machen. Geht zu dem Posten zurück, den ihr um Idas willen verlassen habt. König Siegmund war in keinen guten Händen, als euch die Gefahr eurer Geliebten von ihm rief. Die Liebe entschuldiget, was ihr damahls tatet, aber, nichts ist, was euch zu statten komme, wenn ihr nunmehr säumt, eure Pflicht gegen euren Herrn zu erfüllen. Die Gerüchte, welche von ihm gehen, sind sonderbar. Eure Macht ist zwar klein, ihm nützlich zu sein, aber eure Treue gegen ihn ersetzt alles, ihr seid vielleicht der einige, der es redlich mit dem unglücklichen Könige meint, wollt ihr ihm eure hülfe entziehen?
Der alte Münster wusste noch auf tausenderlei Arten Herrmanns Ruhmbegier, seinen Trieb zur Beobachtung seiner Pflichten, seiner Treue für seinen Herrn in Bewegung zu setzen, und sie zur Schutzwehr wieder fruchtlose Liebe und Müssigang zu machen, und es gelang ihm endlich: Herrmann schwur, nie seine Gedanken auf Ida aufzugeben, aber auch nie ihm auf Unkosten seiner andern Pflichten nachzuhängen. Münster versprach ihm dagegen immer ein wachendes Auge auf Ida zu haben, und beide trennten sich, wie solche Freunde sich trennen.
Acht und zwanzigstes Kapitel.
Schach dem König.
Nie hat wohl ein Mensch seinem Herrn mit mehrerer Treue gedient als dieser Herrmann. Wie er gegen Kaiser Wenzeln gesinnt war, gegen ihn, den niemand liebte, gegen ihn, der die Ergebenheit des guterzigen Jünglings mit Hass und Undank belohnte, das haben meine Leser im vorhergehenden gesehen. Es gehörte Zeit dazu, ehe er sich überzeugte dass es ihm erlaubt sei, einen andern Herrn zu suchen; und dieser andre Herr, dieser Siegmund hatte bei ihm die nehmlichen Vorrechte seines Vorgängers. Herrmann wurde von ihm verachtet, verkannt, übersehen, dem ungeachtet war der Gedanke ihm nützlich zu sein, ihm ohne Rücksicht auf eigenem Vorteil, der hier gar nicht statt fand, dienen zu können, mächtig genug, ihn aus den Armen der Liebe zu reissen, und in ein Land zu führen, wo er, seit Nikolaus Gara ihn hasste, keinen einigen Freund, keinen Beförderer hatte.
Diese Winke, welche ihm der alte Münster von der zweideutigen Lage seines geliebten Herrn gab, wurden bei Fortsetzung seiner Reise bestättigt. Bald sollte König Siegmund gar nicht von dem zug wider die Ungläubigen zurückgekommen, wahrscheinlich in ihren Händen geblieben sein, bald war er in der Gewalt der noch gefährlichern Widersacher, die er unter seinen eigenen Untertanen hatte, bald war er gefährlich verwundet, bald gar tod; Gerüchte, welche sich minderten, so bald Herrmann auf ungarischem Grund und Boden kam, und sich gar verloren, als er sich der Hauptstadt näherte. Hier erfuhr der junge Ritter,