in einer Bestürzung, welche durch nichts vermehrt werden konnte, als durch den Befehl, den sie noch diesen Abend erhielt, sich zur Abreise gefasst zu halten, weil Dinge von Wichtigkeit es notwendig machten, den Hof eilig zu verlassen.
Ida verstand vollkommen, welches die Bewegungsgründe zu dieser schleunigen Reise waren. Sie sah alle Hofnungen ihrer Liebe wie einen Dampf verschwinden, bedauerte es, sich einer Vorbitterinn vertraut zu haben, welche durch den Eifer, mit welchem sie ihr zu dienen strebte, alles verderbte, bedauerte jeden Schritt, den sie getan hatte, selbst ihre Liebe zu Herrmann, weil durch sie ein Vater gekränkt wurde, der sie verehrte, dem sie zu gefallen, ihn glücklich zu machen wünschte. Die Trennung vom alten Münster, von der geliebten kaiserin, ihr dunkles Schicksal in der Zukunft, was für Aufgaben zu den traurigsten Betrachtungen! sie verlor sich in denselben, überliess ihren Frauen die Zubereitungen zur Reise, dachte an kein zur Ruhe gehen, und war daher des Morgens, als ihr Vater kam sie abzuholen, schon völlig gekleidet, um ihm überall hin zu folgen; ein Umstand, der ihn ohne Rücksicht auf ihre rotgeweinten Augen überredete, dass ihr der Gehorsam gegen seine Befehle nicht allzuschwer ankomme, dass sie Biegsamkeit und Bereitwilligkeit genug habe, um sich ganz so leiten zu lassen, als er wünschte.
Diese Vorstellung, welche, was das letzte betraf, nicht ganz unrichtig war, erwarb ihr einige väterliche Liebkosungen. Graf Eberhard versicherte sie, dass er sie innig liebe, dass er sie glücklich machen wolle, wenn sie sich entschliessen könne, gehorsam zu sein, das ist, ihre liebsten Wünsche seinem Willen aufzuopfern; eine Kleinigkeit, welche, wie er meinte, keine Schwierigkeiten habe.
Sie ward zur Abschiedsaudienz bei der kaiserin geführt. Die Worte, welche zwischen Sophie und dem Grafen gewechselt wurden, waren äusserst kalt und ceremoniös, ein teil von Sophiens Kälte fiel auch auf Ida zurück, nur am Ende erfolgte noch eine so herzliche Umarmung, wie sie von ihr gewohnt war. Undankbares Mädchen! rief sie, du liebst mich nicht, hast nicht Geist genug dich denen zu widersetzen, welche dich von mir reissen wollen! Sprecht, Graf Eberhard, würdet ihr es wohl wagen, mich meiner liebsten Gespielinn zu berauben, wenn sie entschlossen wär, sich nicht von mir trennen zu lassen?
Der Graf kannte seine Tochter genug um zu wissen, was er von ihrem Gehorsam erwarten sollte; er versicherte, Ida dürfe nur sprechen, wenn sie Bedenken trüg ihm zu folgen. – Ida verstand wie man wollte, dass sie antworten sollte, und da sie sich nicht überreden konnte zu heucheln, so schwieg sie, – Sophie gab ihr noch einen kalten Kuss, der Graf drückte ihr die Hand um ihr sein Wohlgefallen über ihre Aufführung zu bezeugen, und beide entfernten sich von allen Damen der kaiserin begleitet, in deren Blikken, so sehr sie auch Betrübnis erkünsteln wollten, die Freude über die Entfernung ihrer Mitbuhlerinn nicht zu verkennen war.
Sieben und zwanzigstes Kapitel.
Herrmann tritt von neuem auf.
Die fürstin von Ratibor gehörte unter jene vielgeschäftigen Damen, deren es an jedem hof gibt, die Teils zu Unterhaltung ihrer Gebieterinnen, teils zu ihrer eigenen Belehrung, die genausten Nachrichten von allem zu haben strebten, was in dem Bezirk ihres Aufentalts vorgeht. Ida war von jeher ein Gegenstand der besonderen Aufmerksamkeit für sie gewesen, und es ist zu glauben, dass sie ihre Hand und ihren allwaltenden blick nicht von ihr abzog, nachdem sie gräfin von Würtemberg geworden war. Sie wusste alles, was in ihrem geheimsten Zimmer vorging, und ihren Nachforschungen hatte also auch der nächtliche Besuch eines Jünglings nicht verborgen bleiben können. Dass Herrmann dieser Jüngling gewesen war, mutmasste sie nur, aber sie baute kühn auf diese Mutmassung fort, und hatte, wie zuweilen geschieht, blindlings die Wahrheit getroffen.
Idas guten Namen zu schaden, sie durch vermehrte und verbesserte Erzählung dieser geschichte bei der kaiserin in Ungunst zu bringen, hatte sie schon versucht, aber da diese bereits von der Sache unterrichtet war, so mislungen ihre Streiche auf dieser Seite und sie musste sie daher auf eine andere wenden. – Sie war es, welche dem Grafen von Würtemberg von dieser durch ihre Noten so anstössigen geschichte Nachricht gab. Ihre Eingebungen regierten die Aussagen der angehörten Wache, und so bildete sich, durch ihren unermüdeten Fleis, endlich die Erfüllung des Wunsches, nach welcher sie so lang auf tausendfache Art gestrebt hatte, die Entfernung der gehassten Ida.
Die junge gräfin sah wohl, dass ihr Vater und die Ratibor beim Abschiede freundlichere Blicke wechselten, als zuvor, aber sie war zu guterzig, die ursache davon zu erraten, zu guterzig, in der letzten geheimen Unterredung, die noch an der Tür des Audienzzimmers zwischen beiden vorfiel, etwas zu argwohnen, das ihr Herz durchbohrt haben würde, wenn es ihr bekannt gewesen wär.
Die Ratibor ward von dem Grafen, mit Erbietung aller freundlichen Gegendienste, ersucht, ein wachendes Auge auf diesen Herrmann von Unna zu haben (welcher, wie man sagte, noch gestern in der Stadt gesehen worden sei) und dafern man sich seiner bemächtigen könnte, es ihm nach eigenem Belieben unmöglich zu machen fürterhin an Ida zu denken.
Es ist zu glauben, dass Graf Eberhardt die Bosheit derjenigen nicht kannte, welcher er eine solche Vollmacht gab. Es war ihm sicherlich nicht eben um Herrmanns Untergang zu tun, und er hätte ihm vielleicht gern Glück