zu Graf Eberhardten zu kommen und ihm sein verlornes Kind wiederzugeben. Die Martinsritter machten die Wege noch immer unsicher. Der Hass der Reichsstädte machte, dass der Graf von Würtemberg lang keine bleibende Stätte hatte. Mit Mühe wusste er seine gemahlin aus den Händen der Räuber retten, in welche sie aller Vorsicht ungeachtet doch gefallen war Sie fanden endlich Zuflucht bei dem Bischoff von Strasburg, aber dieser war ein Verwandter der gräfin von Würtemberg, und wir mochten ihm unsere Ida nicht vertrauen.
Wir hatten indessen bereits Ruhe und Glück gefunden. Ein Auffentalt von etlichen Tagen in dem wald, den man in dieser Gegend für eine wohnung der Geister hielt, hatte uns zu Besitzern eines kleinen Schatzes gemacht, der die Quelle unserer nachmahligen Reichtümer ward. Ich wollte mir und den Meinigen gleich am ersten Tage unserer Ankunft im wald eine Art von Obdach wider den Regen, der unaufhörlich herabtroff, erbauen, ich grub in die Erde um einige Pfähle einzurammeln, ich stiess auf ein kleines eisernes Behältniss, das mit Geld angefüllt war, und das, wie wir aus einem dabei gelegten Stück Pergament sahen, jenem Hans Herdsmann gehört haben mochte, den man in dieser Gegend für einen Räuber hielt, und als einen solchen vor mehr als zwanzig Jahren in diesem wald überfallen und erschlagen hatte.
Ich erinnerte mich dieser letzten Umstände aus dem Gespräch der beiden Reuterknechte der Martinsritter, die ich des vorigen Abends hier belauscht hatte, und hielt es nicht für Unrecht der Erbe desjenigen zu sein, dessen person ich in den Augen der furchtsamen Krieger eine Zeit lang gespielt hatte.
Unser gefundenes Geld machte, dass es uns, nachdem wir den Wald verlassen konnten, nicht an Zuflucht fehlte. Wir wandten uns nach Nürnberg, wurden als entflohne Untertanen des Grafen von Würtemberg, wofür uns Mariens Geschwätzigkeit bald bekannt machte, wohl aufgenommen, und durch Gefälligkeiten und Versprechungen fest gehalten. Ich heiratete meine Geliebte, und musste ihr, ehe ich ihre Einwilligung erhielt zuschwören, in den nächsten zehn Jahren nicht an Idas Auslieferung zu denken, sondern sie, bis sich die zeiten für dieses unglückliche Kind besserten, als meine Tochter anzusehen.
Wir richteten unser Hauswesen ein, ich fing an zu arbeiten, ich lieferte Stücke, welche Verwunderung erregten, und meinen Ruf weit ausbreiteten. Ich arbeitete für Kirchen und Klöster, ward endlich nach Prag berufen, wo die Erbauung der Domkirche mich so lange in Arbeit erhielt, bis ich die Stadt gewohnt zu werden, sie lieb zu gewinnen begann und daselbst zu bleiben beschloss. Unsere Ida war indessen herangewachsen, ihre Schönheit und die Erziehung, die wir ihr in Rücksicht auf ihren Stand gegeben hatten, zeichneten sie aus; wir mussten sie eingezogen halten, wenn wir kein aufsehen erregen wollten. Der Vorwitz meines Weibes machte, dass die Regel, die ich ihr in Ansehung der jungen gräfin vorgeschrieben hatte, ein einig mahl überschritten wurde; Ida kam bei eurer Vermählung, gnädige Frau, zum Vorschein, und diese einige Erscheinung ward der Grund alles ihres nachmahligen Unglücks.
Meines höchsten Glückes! rief Ida, indem sie Sophiens Hand zärtlich an ihre Lippen zog.
Marie, fuhr Münster fort, hatte ihre eigene Absichten; sie machte sich Vorwürfe, die geliebte gräfin um die Vorrechte ihres Standes gebracht zu haben, aber nie wollte sie einwilligen, dass ich sie wieder in das Haus ihres Vaters brächte, sie wollte sie empor heben ohne seine hülfe, sie hasste ihn viel zu sehr, konnte ihm seine blinde Liebe gegen Idas Stiefmutter und die Nachlässigkeit gegen sein Kind viel zu wenig verzeihen, als dass sie ihm gönnen sollte Anteil an dem künftigen Glück ihrer Pflegetochter zu haben. Sie hofte auf die Gnade der kaiserin, hofte auf den jungen Herrmann von Unna, von welchem sie bald merkte, dass er Ida liebte, und den sie um so viel mehr begünstigte, weil sie wusste, dass sein Haus dem Grafen von Würtemberg zuwider war. Sie machte tausend Entwürfe, tat tausend falsche Schritte hinter meinem rücken, bis sie endlich das Schicksal derjenigen, die sie liebte, so sehr verwickelte, dass die, welche sie glücklich zu machen suchte, beinahe das Opfer ihrer verunglückten Plane geworden wär, wenn nicht ich endlich noch mit meinem Anschlage durchgedrungen hätte. – Ich offenbarte Idas Herkunft ihrem Vater, es war leicht ihm die Augen ihretwegen zu öfnen, Idas Gesicht und andere Merkmahle waren zu kenntlich um von ihm verworfen zu werden, überdieses ist die böse Stiefmutter seit länger als einem Jahre gestorben, der Tod ihrer einigen Tochter, der verschmähten Braut des Herzogs von Braunschweig, zog den ihrigen nach sich, und Graf Eberhards Herz war jetzt leer und frei genug, um diejenige aufzunehmen, die er ehemals vernachlässigte, sie auf Vorspiegelung seines Weibes bisher bald für verloren, bald für Tod hielt und – und welcher er nun verspricht ihr alles zu ersetzen, was sie ehedem durch seine Schuld litte.
Münster stockte beim Ende seiner Erzählung, Ida seufzte, und Sophie versprach, ihre Mutter und Versorgerinn zu sein, wenn der Graf es an treuer Erfüllung seines Versprechens sollte ermangeln lassen. Das vornehmste, setzte sie hinzu, was wir jetzt zu tun haben, wird sein, dass wir dich, liebe Ida, so bald als möglich zur gemahlin deines Herrmanns machen. O mein Kind, das Leben ist kurz, man kann nicht zu zeitig anfangen glücklich zu sein! Die Väter sind zuweilen wunderlich, denken eine Tochter überherrlich zu beglücken, wenn sie sie mit irgend einem grossen Herrn verbinden, dem es