o Entsetzen, mit einem grossen eisernen Riegel von aussen versperrt war, ich brach hinein, Marie lag ohnmächtig auf dem Boden, das Fenster war geöfnet, aus welchem sie vermutlich hatte entfliehen wollen, aber von der Höhe des Sprungs zurück geschreckt worden war, die kleine Ida lag schreiend auf der Erde und schien ihre Amme erwecken zu wollen. Welch ein Anblick! – Doch ich hielt mich nicht mit langen Betrachtungen auf. Marie ward ziemlich ungestüm vom Boden aufgerissen und auf meine Schultern geladen, die kleine gräfin schloss ich in meine arme, und so kam ich, ich weis noch selbst nicht wie, in den Hof hinab, wo ich meine Bürde von mir legte um zu Atem zu kommen. Ein Engel musste mich auf seinen Fittigen getragen haben, sonst wärs fast unmöglich gewesen, bei der erstickenden Luft, bei dem immer gefährlicher werdenden Wege das zu vollbringen, was ich getan hatte.
Marie kam zu sich selbst. Wir nützten den ersten Augenblick, da sie zu gehen vermochte, unsere Flucht weiter fortzusetzen, denn so weitläuftig auch der Schlosshof war, so fanden wir doch auch hier keine Sicherheit mehr. Wir entkamen in das Gehölz, den bisherigen Aufentalt der treulosen Mordbrenner, und hier erst war es, da wir es wagten zu ruhen und uns vor Feuer und Feindesschwerd sicher hielten.
Ich fragte Marien, wie es möglich sei, dass man sie und die kleine gräfin allein in dem verlassenen schloss habe zurücklassen können. Ich merkte aus ihren Antworten, dass sie von allem was vorgegangen war nichts gewusst hatte, bis die Feuersbrunst sie vor ihr Leben besorgt gemacht, sie vergebens um hülfe gerufen, vergebens die Tür zu öfnen, vergebens hinab zu springen gesucht hatte und endlich aus Entsetzen ohnmächtig nieder gesunken war.
Die wahre Beschaffenheit der Sache war, wie ich lang nachher erfuhr, diese. – Graf Eberhard von seinem weib, Gott weis aus welcher Absicht, getäuscht, glaubte meinen Warnungsworten nicht eher, bis schon, nachdem ich etliche Stunden im Gefängnis gelegen hatte, meine Aussage durch einen Hirten dieser Gegend bestätigt ward. Dieser Mann hatte so wie ich, etwas von dem Anschlage der Martinsritter belauscht, und eilte den Grafen zu warnen. Graf Eberhard eilte, das, was ihm am liebsten war, seine Familie in Sicherbeit zu bringen, indessen er zurückbleiben, seine Leute sammeln, und den Feind erwarten wollte. Der Hirt machte sich anheischig die Fliehenden durch einen geheimen Bergweg zu retten. Der Graf letzte sich mit seiner gemahlin, befahl ihr, nichts im schloss zu lassen, was gerettet zu werden verdiente, und bezog seinen Posten. Die gräfin hatte den Befehl ihres Herrn befolgt, nichts war im schloss geblieben, was sie der Rettung würdig schätzte; dass hierunter die Amme und Ida sich nicht befand, dass sie wissentlich oder aus versehen vergessen ward, ist bei den Gesinnungen ihrer grausamen Stiefmutter so sehr nicht zu verwundern.
Indessen wusste Marie von allen diesen Dingen nichts. Sie bemerkte wohl einigen Auflauf in dem hof, in welchen ihre Fenster gingen, sah, dass man Anstalten zu einer Reise machte, aber sie ahndete, es würde eine von den gewöhnlichen Reisen zu den benachbarten edlen sein, während welchen sie mit ihrem Pflegkinde immer das glücklichste Leben zu führen pflegte, und denen sie immer mit Freuden entgegen sah. Die Höhe ihrer wohnung verhinderte sie, zu verstehen, was in der Tiefe gesprochen wurde, so wie auch der abgelegene Hof, in welchen ihre Fenster gingen, sie zu sehr von der Hauptseite des Schlosses entfernte, als dass sie den Anfall der Feinde anders als in der Ferne hatte vernehmen können.
Doch machte sie das, was sie davon hörte, neugierig genug, um sie zu bewegen, den verbotenen Weg aus dem kleinen Revier, das sie bewohnte, versuchen zu wollen, sie fand es ohne sonderliche Befremdung verschlossen; dergleichen pflegte, wenn der gräfin die Laune kam, oft zu geschehen, und sie hofte, die Oefnung der Tür und die Erklärung dessen, was sie wissen wollte, von der Magd, welche gewöhnlich das Abendessen zu bringen pflegte. Sie erschien nicht, es ward spät. Marie und die kleine Ida, schon gewohnt, zuweilen ungespeist zu Bette zu gehen, entschliefen, und wurden endlich durch das Getös des Feuers erweckt Sie suchte vergebens zu fliehen. – Furcht und Entsetzen benahmen ihr die Sinne, und sie sah sich jetzt gerettet, durch mich gerettet, ohne weder Gefahr noch Rettung ganz begreifen zu können. – Auf die Erklärungen, die wir uns hierüber machten, folgten Entschliessungen für die Zukunft; die Meinigen waren von Mariens ganz verschieden. Ich sann darauf, die kleine Ida wieder in ihres Vaters hände zu liefern, indessen sie von dem letzten bösen Streiche, den man diesem unglücklichen kind gespielt hatte, bis zur Wut erbittert, mir zuschwur, nie mir wieder einen blick zu gönnen, wenn ich meine Absicht ausführte. Ob Marie ursache hiezu hatte, ob es wahr war, dass die kleine gräfin wieder in die hände der Stiefmutter zu bringen und sie zu ermorden, einerlei sei, das gebe ich meinen erhabenen Zuhörerinnen zu bedenken; mir wollte es nicht ganz einleuchten. Ich hoffte auf Graf Eberhards Liebe für seine Tochter, und auf seinen Schutz, wenn man ihm die Augen über die bösen Gesinnungen seiner gemahlin öfnete? aber Liebe und Unmöglichkeit setzen sich der Ausführung dessen, was ich für recht hielt, entgegen. Ungern wollte ich Mariens Liebe verlieren, und unmöglich war es jetzt