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einst gewünscht hätte, wählen zu dürfen, und die das Schicksal zur gemahlin eines Wenzels machte, ihr Versprechen so redlich zu halten dachte, dass hierbei für nichts zu sorgen war, als dass sie sich nur zu Erreichung ihres Entzwecks der besten Mittel bedienen möchte. –

Ida vermochte alles über die kaiserin! auf ihre Bitte ward auch der alte Münster nach hof gefordert und mit Gnadenbezeugungen überhäuft, eine Sache, die bei dem dankvollen Herzen seiner ehemahligen Tochter so etwas natürliches war, dass wir sie kaum erwähnt haben würden, wenn sie uns nicht zu einer Erzählung führte, die wir unsern Lesern nicht länger schuldig bleiben dürfen.

Sophie war so neugierig als sie vielleicht sein werden, Idas frühe Jugendgeschichte und die Art wie sie aus den Armen ihrer Eltern gerissen wurde, zu erfahren. Münster ward an einem Tage, da er allein mit Ida im Kabinett der kaiserin war, aufgefordert, zu erzählen, und er trug vor, was wir im folgenden Kapitel finden werden.

Fünf und zwanzigstes Kapitel.

Idas Jugendgeschichte.

O gräfin, rief Münster nach einigem Nachdenken, welch eine Aufforderung für einen Mann, dem eure Gewogenheit und die Gnade seiner Monarchinn so teuer ist, Fehler zu bekennen, welche ihn um beides bringen könnten, welche euch in so grosses Elend stürzten, und dieam Ende durch nichts entschuldigt werden können, als durch verblendete Liebe gegen ein Weib, das so schön wie Eva wohl einen Adam zur Sünde verleiten konnte. Ida, ihr kennt eure gewesene Mutter, und könnet aus den Ueberbleibseln ihrer Schönheit schliessen, ob sie in ihrem vier und zwanzigsten Jahre reizend war. Ich liebte Marien, aber der Unterschied unseres Standes machte mein Glück fast unmöglich; auch unter den Niedern des volkes gibt es Misheuraten. Marie war eine Leibeigene und ich einer von den vornehmsten Dienstleuten des Grafen von Würtemberg. Sie war eine witwe; der Tod ihres Mannes, und ihres neugebohrnen Kindes erregte Mitleiden und machte, dass man sich der Verlassenen am hof des Grafen mit doppelter Gnade annahm, sie kam in die unmittelbaren Dienste der damahligen gräfin von Würtemberg, die gräfin starb, und Marie musste ihre Stelle bei der noch nicht entwöhnten Ida vertreten. Schon bei Lebzeiten ihrer Gebieterinn war Maria die Freiheit versprochen worden; der Rang einer Amme in dem gräflichen haus vermehrte ihre Ansprüche auf diese Gnade, und die Hoffnungen meiner Liebe.

Doch das Glück der Geringern ist in den meisten Fällen ein zu kleiner Gegenstand für die Aufmerksamkeit der Fürsten. Man hätte uns durch ein einiges Wort beseeligen, uns auf Lebenszeit verbinden können, aber man sprach dieses Wort nicht. Man entfernte mich weit von dem Orte meiner Wünsche in den Krieg, und begegnete meiner Geliebten mit einer Härte, welche Hass und Bitterkeit in ihr Herz säete und ihr vielleicht in der Folge einen Schritt erleichterte, den sie ohne anderweitige Veranlassungen wohl nicht würde getan haben. Die kleine Ida, ein reizendes geschöpf, das von jedermann bewundert und von seiner Amme fast vergöttert wurde, war noch nicht zwei Jahr, als die verstorbene gräfin von Würtemberg bereits vergessen war, und man darauf sann, eine person an ihre Stelle zu setzen, welche nichts für sich hatte, die Wahl des Grafen zu rechtfertigen, als Schönheit und hohe Geburt.

Sie dachte unedel genug den Charakter einer gemahlin Graf Eberhards und den einer Mutter seiner Kinder von einander zu trennen, sie liebte den ersten oder schien ihn zu lieben, und hasste die andern. Marie, welche Mittel gefunden hatte, mir zuweilen heimlich Botschaft zu tun, liess mir viel von den Verheerungen sagen, welche die Stiefmutter in dem gräflichen haus anrichtete: die unerwachsenen Söhne ihres Gemahls wurden in den Krieg geschickt, ohne das was man bei der Art, wie das geschah, auf ihren Stand, ihr Vermögen, oder ihr Alter die geringste Rücksicht nahm, die Töchter wurden an Fürsten verschleudert, welche nur durch ihren Rang auf die Ehre, Graf Eberhards Schwiegersöhne zu sein, Anspruch machen konnten, und deren Fehler man übersah, weil sie gefällig in Ansehung der Aussteuer der jungen Gräfinnen waren. Eine noch unerwachsene Schwester der kleinen Ida kam durch Verwahrlosung ums Leben, und Marie unterliess nicht, diesen Fall auf die Rechnung der gräfin zu schreiben, so wie sie die wachsende Kränklichkeit ihres Pflegekinds der jüngsten ihrer Geschwister, nicht ermangelte geheimen Mitteln schuld zu geben, von welchen sie behauptete, dass sie gebraucht würden, auch diese aus dem Wege zu räumen; Beschuldigungen, welche vielleicht zu streng für diejenige waren, welche sie betrafen, und die ich nur um der geliebten person willen, welche sich mit diesen Dingen beunruhigte, für wahr halten konnte.

Ich ward von Marien aufgefordert, heimlich nach der Residenz des Grafen zu kommen, und Mittel ersinnen zu helfen, wie die geliebte Ida zu retten, und meine Verbindung mit meiner Geliebten möglich zu machen sei; welches letztere durch die Härte der neuen gräfin, und Mariens beständig verschobene, endlich gar gänzlich versagte Freilassung, so sehr erschwert ward.

Die Botschaft meiner Geliebten lenkte meinen Weg nach Wisbaden, woselbst sich der Graf mit seinem ganzen haus damahls aufhielt. Er brauchte nach den langen, zum teil für ihn unglücklichen Händeln mit den Reichsstädten, die Ruhe des stillen Orts, und seine gemahlin, welche sich schwanger befand, musste sich auf Anraten der ärzte daselbst aufhalten. Ich flog in Mariens arme, niemand durfte meine Anwesenheit wissen, weil mich die Befehle meines Herrn eigentlich an einem andern Orte hätten zurück halten sollen, allein die Nacht begünstigte