1788_Naubert_078_56.txt

, um hier nicht Freude zu fühlen.

Der erwünschte Tag erschien. Ida ward wie eine fürstin geschmückt, sie war schön, und die Züge des ausgestandenen Kummers, welche auf ihrem Gesicht noch nicht ganz verwischt waren, dienten nur dazu, ihr Ansehen desto interessanter zu machen.

Graf Eberhard hatte der kaiserin Nachricht gegeben, wen er ihr heute vorstellen wollte, und die fürstin von Ratibor, ward dazu erwählt, die junge gräfin in dem Staatswagen Sophiens abzuholen und sie von der Ungeduld, mit welcher sie erwartet würde, zu versichern. – Wer kennt nicht die eiserne Stirn der gewöhnlichen Hofkreaturen? Die fürstin schien nicht verlegen bei dem Auftrage, den sie an die so sehr von ihr beleidigte Ida ablegen musste. Alles womit das edle Mädchen sie für die Unverschämteit belohnte, mir welcher sie ihre eigene Teilnahme an dem unvermuteten Glück der Verstossenen, die sie vor kurzem nicht kennen wollte, zur Schau legte, war ein mitleidiger blick, der am Ende ein wenig ins verachtende fiel.

Graf Eberhard war nicht so nachsichtig; der Charakter einer Abgesandten der kaiserin, in welchem die Ratibor erschien, machte, dass er sie schonen musste, aber er sagte ihr genug, um sie an die ganze abscheuliche Rolle zu erinnern, welche sie in Ansehung Idas gespielt hatte, und die niemand besser als ihm bekannt war. Seine Reden voll Kraft und Nachdruck zogen die Augen der Damen, welche nebst ihr gekommen waren, die junge gräfin nach hof zu führen, mit jenem triumphirenden Blicke auf sie, der noch am ersten im stand ist höfische Schamlosigkeit nieder zu schlagen. Eine jede dieser Damen pries sich glücklich, Graf Eberhards Tochter nicht geschadet zu habeneines mehrern konnten sie sich freilich nicht rühmenindessen die fürstin zum erstenmahl in ihrem Leben nicht wusste, wo sie die Augen hinwenden sollte, die sonst so geübt in niederschmetternden Blicken waren.

Ida wurde am Eingange des Zimmers der kaiserin vom Herzog von Bayern empfangen: er umarmte sie und machte ihr eine verbindliche Entschuldigung, dass auch er sich in Ansehung ihrer Unschuld habe verblenden lassen. Die Grossen haben das Vorrecht, oder glauben es zu haben, dass sie immer mit der kleinsten verbindlichen Rede eine ganze Last von Beleidigungen entsündigen können, und dabei blieb es auch hier. über dieses hatte auch Ida kaum acht auf das, was er sagte, denn ihr Herz wallte nach Sophien zu, welche, noch etwas bleich von der überstandenen Krankheit, im grund des Zimmers sass, versuchen wollte aufzustehen, und ihre arme nach der Kommenden ausbreitete.

Ida stürzte sich zu ihren Füssen. arme liebe Heilige! holde unschuldige Seele! rief die kaiserin und drückte sie an ihren Busen, was hast du um meinet willen gelitten! wie war dirs möglich es zu überstehen? Fluch über die, welche meine Schwachheit nützen konnten, meinen Liebling zu verderben.

Ida netzte die Knie der Monarchinn mit ihren Tränen. Steh auf, edles Mädchen, rief Sophie, überlass das Knien deinen Beleidigern! O wie leid ist mir es, dass sie jetzt deinem stand das leisten müssen, was sie schon deiner Unschuld schuldig sind! wie leid, dass du nicht mehr die unbekannte Ida Münsterinn bist, die ich so hoch erheben konnte als ich wollte! Warum tat das Glück das für dich, was ich so gern dir allein erweisen möchte? –

Sophien machte die Freude beredt, Ida ward stumm durch dieselbe, wahrscheinlich fühlte sie noch mehr als die kaiserin; so wie sie zu lieben, vermochten nur wenige Herzen, auch machte das lebhafteste Andenken an ihre Leiden, und an die glänzende Errettung aus denselben, ihre Gefühle mannichfaltiger und unaussprechlicher.

Die kaiserin forderte alle ihre Damen auf, die gräfin von Würtemberg zu bewillkommen. Die scheinheilige Ratibor, und ihre Tochter, welcher der Neid auf dem blassgelben Gesicht sass, machten den Anfang, ihnen folgten die andern mit etwas weniger gezwungenem Anstand, alle versicherten, der reizenden Ida wiederführ nicht mehr als sie verdiente, und alle wollten auf den ersten Anblick etwas Grosses in ihr geahndet haben.

Sophie, welche ihren Neid und ihre heimlichen Verfolgungen besser kannte, lächelte verächtlich, und befahl ihnen sich zu entfernen, um mit dem Herzog von Bayern, Graf Eberhardten und seiner schönen Tochter allein zu sein. –

Die geschichte sagt nicht, worinn die gespräche dieser vier Personen bestanden, aber dieses meldet sie, dass die Unterhaltung erst denn ihre volle Anmut erlangte, als Sophie mit Ida allein war. Wer kennt nicht die Ergiessungen zweier gleichgestimmten Seelen, welche durch Leiden getrennt wurden, und die nun das fest der Wiedervereinigung feiern! auch merkte Ida wohl, obgleich Sophie das Gegenteil versichern wollte, dass ihre erhabene Freundinn sich mit mehr Huld zu der gräfin von Würtemberg als zu der geringen Ida Münsterinn herabliess, und ob ihr diese Entdeckung kränkend oder erfreulich war, lässt sich schwer entscheiden.

Ida war von dem Glück, das sie an Sophiens Seite genoss, so eingenommen, dass sie ihr ganzes Herz vor ihr ausschüttete, ihr keinen ihrer Gedanken verhelte, selbst ihre Liebe zu Herrmann nicht, selbst nicht seinen nächtlichen Besuch; nur in Erzählung dessen, was sie von ihm erfuhr, brauchte sie einige Einschränkung, weil es Dinge betraf, welche nicht durchgängig sie allein angingen, und von denen sie nicht genau wusste, wie sie von der Monarchinn würden aufgenommen werden.

Sophie schwur ihrer Freundinn, ihre Liebe zu Herrmann auf alle Art zu begünstigen, und es ist zu glauben, dass sie, welche vielleicht auch