person, deren ich mich so treulich angenommen, für seine Tochter erkannt worden sei, und bot mir für das, was ich hierbei getan hatte, ein Geschenk, welches seiner Grossmut Ehre macht, aber leider waren die damit verbundene Worte sehr ungrossmütig: dass ich die reizende Ida Münsterinn geliebt habe, so lauteten sie, dieses sei recht gut und meinem stand sehr angemessen, aber man hoffe, ich würde nunmehr aufhören, an eine person zu denken, welche das Glück so weit über mich erhoben hätte, und auf die ich überdem als einer aus dem haus Unna, ein Anverwandter der Wisbadenschen Feinde Graf Eberhards, nun und nimmermehr Ansprüche machen könne. Die Antwort, die ich eurem übermütigen Vater gab, war den Empfindungen meines Herzens, welche nahe an Wut gränzten, angemessen, wir schieden im Zorne von einander, sein verächtliches Geschenk ward mir nachgetragen, und ihm wieder zurückgeschickt. Ich würde in keinem Fall ein Geschenk für Idas Leben angenommen haben, und in dem gegenwärtigen? – –
Herrmann war aufgestanden, und mass den Ort, wo sie waren, mit grossen Schritten. Ida sah wie ergrimmt er war, auch sie fühlte ihr teil, wo nicht von Zorn doch von innerer Betrübnis und getraute sich nicht zu sprechen, um ihre Bewegung nicht zu verraten.
Ritter, fing sie endlich mit zitternder stimme an, ihr seid, denke ich, mit eurer geschichte fertig, der Tag bricht an, wir müssen scheiden, und noch habt ihr mir nichts von dem entdeckt, was euch eigentlich zu mir brachte. Ihr wolltet mich warnen, sagtet ihr, vor einer Gefahr, welche mir bevorsteht, oder – –
O Ida, rief Herrmann, indem er sich ihr mit dem vollen Ausdruck seiner Zärtlichkeit näherte, ahndet ihr nicht bereits aus dem, was ich euch gemeldet habe, Gefahr? Gefahr wenigstens für mich? ewige Trennung von euch? Oder ist euch das Schicksal desjenigen, den, den ihr – mein Schicksal, will ich sagen, ist es euch so ganz gleichgültig? – Doch, fuhr er fort, als Ida sich schüchtern von ihm losmachte, doch ist es dieses noch nicht allein, höret was ich heute erfahren habe, und urteilet was ihr zu tun habt. Als ich von dem Grafen, der euer Vater ist, und es nicht zu sein verdient, als ich von ihm wegging, so begegnete ich dem ehrlichen Münster. – Ach er war auch streng gegen mich, aber doch wollte ich, dass ihr noch seine Tochter wäret! – Ich erzählte ihm den Auftritt, den ich eben mit dem, welchen ich nicht einmal nennen will, gehabt hatte, wollte ihm auch das vorhergehende erzählen, aber es schien ihm grösstenteils schon bekannt zu sein. Er nahm mich mit in seine wohnung und befriedigte meine begierigen Nachfragen nach euch, mit der umständlichsten Nachricht von allem was ihm wissend war. Er hatte euch damahls, als er aus eurem mund erfuhr, dass das Kleinod, welches eure Geburt bestätigen sollte, in meinen Händen sei, in der Absicht so eilig verlassen, mich aufzusuchen und es mir abzufordern. Bald darauf war ihm dies zu weitläuftig vorgekommen, und er hatte ein anderes Mittel zu eurer Rettung gewählt. Worinn dieses bestanden hatte, darüber erklärte er sich nicht deutlich, doch mir ist wahrscheinlich, dass er gesucht habe, in die Zahl der Beisitzer des heimlichen Gerichts aufgenommen zu werden, weil er einmal von einem Freunde erfahren hatte, ein solcher könne durch einen Eid auf die Unschuld des Beklagten viel zu dessen Rettung beitragen. Münster wusste nicht, dass es kein leichtes sei, in das fürchterliche Tribunal aufgenommen zu werden, dass hier erst Prüfungen auszustehen, Proben abzulegen und niedere Grade zu durchlaufen waren, ehe man dahin kommen konnte einigen Einfluss zu haben, und dass bis dahin lange Zeit verlaufen müsse, da ihr doch schleunige Rettung bedurftet. Indessen waren die vorläufigen Schritte einmal getan, er konnte nicht wieder zurück, man hielt ihn fest, die hände zu anderweitigen Rettungsmitteln für seine Ida waren ihm gebunden, und er musste ihr Schicksal der Vorsehung überlassen.
Binnen dieser für ihn so angstvollen Zeit erschien ich, er wusste meine Anwesenheit ohne mich sprechen zu dürfen. Ich legte das Bekenntnis von eurer Geburt ab, von welchem man wusste, dass er bisher für Idas Vater gehalten worden war, ward darüber in Anspruch genommen, er ward vor dem Grafen von Würtemberg gefordert, (der allem Vermuten nach der Oberrichter des heimlichen Gerichts in diesen Gegenden ist, seine stimme, seine Gestalt sind mir ungeachtet seiner Vermummung, da ich ihn an dem unbekannten Orte sah, kenntlich geblieben.)
Münsters Aussage klärte eure Herkunft völlig auf. Der Graf ward von der Unschuld seiner Tochter so unwidersprechlich überzeugt, dass er sich getraute sie endlich zu bezeugen. Man beschloss das, was hernachmahls folgte, und ihr waret gerettet. Diese Dinge erfuhr ich mehr von einem Dritten, den ich nicht nennen darf, als von dem verschwiegenen Münster, dessen Gespräch mit mir grösstenteils in Ermahnungen bestand, euch zu verlassen, und in Vorstellungen der Unmöglichkeit, jemahls in meiner Liebe glücklich zu sein. Ihr wisst, sprach er, was ich euch oft über diesen Gegenstand sagte, als ihr mich noch für Idas Vater hieltet, ihr glaubtet mir nicht, und ihr seht nun, dass ich recht hatte. Ob eine gräfin von Würtemberg für euch zu hoch sei, will ich nicht untersuchen; aber ihr seht, wie ein hartnäckiger Feind eures