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tapfern Achmet! der ihm offenbahr überlegen war. Auch ich sollte auf Befehl des Feldherrn weichen, und einen andern Posten beziehen, aber ich war taub, ich sammelte zwanzig von Siegmunds treusten Ungarn um mich, wir trennten ihn von seinem furchtbaren Gegner, und brachten ihn davon. O dass ich fast in dem nehmlichen Augenblick genötigt war ihn zu verlassen! die Liebe rufte mich, ich war zu schwach ihrem Ruf zu widerstehen! O Ida, das Gerücht von deiner Gefahr kam mir zu Ohren, ich musste dich retten, die Liebe zu meinem Könige war gegen die Deinige nichts! Hinterliess ich doch Siegmunden unter der Aufsicht treuer Leute; wer hätte es wagen dürfen öffentlich etwas wider seine geheiligte person vorzunehmen? Mein Werk wär völlig getan gewesen, hätte ich ihn vor heimlichen Nachstellungen warnen können, aber er war schwer verwundet, war in den heftigen Anfällen des Fiebers, die Folge seiner Wunden, der Besinnungskraft beraubt, ich trug das, was ich nicht tun konnte, den treuen Dienern auf, die ich um ihn zurückliess, und eilte nach dir, nach dir Ida, die von dem arme der heimlichen Gerechtigkeit bedroht wurde, die nach verhältnis des Weges, den ich bis zu dir machen musste, nur wenig Tage bis zu Entscheidung ihres Schicksals übrig hatte.

Und ich bitte euch, Ritter, unterbrach ihn die gräfin, wie konntet ihr in so weiter Ferne Post von meinem Unglück haben?

Eine Sache, erwiderte er, die mir selbst noch bis jetzt nicht ganz deutlich ist, die ich euch aber erklären will, so gut ich sie selbst verstehe. Ihr erinnert euch ohne Zweifel noch des alten Andreas, den mir Vater Münster bei meiner Abreise von Prag zum Knechte gab?

O ja, sagte Ida, es war mehr als eine person in unserm haus, – die sich freute, an ihm einen wachsamen Kundschafter der geheimsten Dinge zu verlieren, ich gehörte, wie ihr denken könnt, nicht unter seine Hasser, ich schätzte ihn wegen seiner Treue, ungeachtet ich nicht leugnen kann, dass mir seine anscheinende Einfalt, wie so manchen Zügen von schlauer List, die er oft unversehens blicken liess, immer so seltsam contrastirte, dass ich nicht recht wusste, was ich aus ihm machen sollte.

Dies waren die Bemerkungen, fuhr Herrmann fort, die ich auch über ihn machte, und zu denen er mir unzählige Gelegenheiten gab. Höret jetzt, auf wie ausserordentliche Art er die erste ursache meiner plötzlichen Erscheinung bei euch, und, wenn es mir zu sagen erlaubt ist, eurer Rettung ward. – Wir rüsteten uns an jenem grossen Tage, von welchem ich euch vorhin sagte, zur Schlacht. Andreas, der es sonst ungeachtet seines Alters in Ansehung des Muts und der Unerschrockenheit mit dem Jüngsten aufnahm, war, als er mir die Waffen anlegte, niedergeschlagen und traurig. Herr, sagte er, der Weg, den wir jetzt gehen, kann der Weg zum tod sein, ich kann fallen, und wohl mir, wenn ich meinen Tod vor dem Feinde fände, aber im Fall dieses geschieht, so muss ich euch vorher warnen: Wenn die Schlacht vorüber ist, so haltet euch hier nicht lange auf, mir ist es als stände es in meines alten Herrn haus nicht ganz so wie es sollte. Das Leben einer person, die euch nicht gleichgültig sein mag, ist in Gefahr. – Ich sah ihn mit unverwandten Augen an, und fragte nach dem grund seiner Besorgnisse, er stockte, verbarg sich hinter seine gewohnte einfältige Miene, und schützte schwere Träume vor. – Ungeachtet ich nie auf Dinge dieser Art etwas hielt, so war ich doch schwach genug, bestürzt zu werden, und weiter zu fragen. – Lasts nur gut sein, sprach Andreas, jetzt müssen wir vor den Feind, bleibe ich, so wisst ihr allenfalls genug, im entgegengesetzten Fall sollt ihr mehr erfahren. –

Wir rückten auf unsere Gegner an, Andreas war einer der ersten, die an meiner Seite fielen, ich liess ihn aus dem Gedränge tragen, und Rat zu seinen Wunden schaffen. Was in der Schlacht vorfiel, das wisst ihr bereits, aber dieses noch nicht, dass eine der ersten Nachrichten, welche ich erhielt, nachdem ich das Zelt des verwundeten von mir geretteten Königs verlassen hatte, der Tod des ehrlichen Andreas war. Sein Kammerad, der mir die Post brachte, sagte mir, der alte Kriegsknecht hätte noch sterbend den Namen einer gewissen Ida oft genannt, und mich ermahnen lassen, sie zu retten, weil sie in Gefahr sei in die hände der heimlichen Rächer zu fallen; die Zeit, in welcher ihr noch zu retten wäret, und der Ort eures Aufentalts wurde mir auf einem mit seltsamen mir unverständlichen Charaktern bezeichneten Blatt, das der Sterbende aus seinem Busen gezogen hatte, angezeigt, und ihr könnt euch wohl vorstellen, mit welcher Eile ich mich, ohne weiter auf den Grund dieser sonderbaren Dinge zu denken, auf den Weg machte. – Die Zeit des Nachdenkens über die Umstände dieser befremdenten Begebenheit kam erst nachher, und von der Auflösung meiner Zweifel kann ich euch nur so viel sagen, dass mir es mehr als wahrscheinlich ist, dass Andreas einer von den heimlich Verbundenen des fürchterlichen Gerichts war, dessen Mitglieder durch die ganze Welt verstreut sind, und die, wie durch ein verborgenes Zauberband verbunden, fast im Augenblicke Nachricht von allem haben, was in den entferntesten Gegenden ihres unsichtbaren Reichs vorgeht. Wie gross die Anzahl