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, endlich erfahren, und mich zu sprechen gewünscht hatte. Schon lange beneidete man mir die armseeligen Ueberbleibsel der Gunst, die er mir ehemals schenkte, man besorgte, ich möchte wieder meine ehemalige Stelle bei ihm behaupten, wenn ich ihm von neuem vor Augen käme, man verjagte mich unter dem Vorwand als werde mir nach dem Leben getrachtet, und breitete um seine Nachfragen nach mir zu stillen das Gerücht von meinem tod aus, welches überall, und wie ihr wisst, auch selbst bei den allwissenden heimlichen Richtern für Wahrheit genommen wurde.

Ich setzte indessen meinen Weg nach König Siegmunden fort, ich fand bei ihm meinen alten Freund, Nicolaus Gara, unter dessen Kommando ich einst wider die rebellischen Prager gedient hatte, dessen hohen Rang ich erst jetzt kennen lernte, und der mich mit Freuden unter seine Leute aufnahm. Man rüstete sich am ungarischen hof zum Türkenkriege. König Siegmund hatte seine von dem Volk angebetete gemahlin Maria verloren, mit ihr war der grösste teil der Neigung seiner Untertanen für ihn gestorben. Er war nicht ausser Verdacht, dass er durch schlechte Begegnung oder wenigstens kalte Liebe den Tod der unglücklichen königin verursacht habe; man hasste ihn, machte Spottgedichte auf das üppige Leben an seinem hof, nannte ihn den zweiten Wenzel, und er, der all diesen Tadel, wie ich glaubte, höchstens nur halb verdiente, musste darauf denken die bösen Eindrücke aus den Gemütern des volkes zu tilgen, und sich durch irgend eine tapfere Tat bei ihm in Ansehen zu setzen. Ein Zug wieder die Ungläubigen ward für das Würksamste zu Erreichung dieses Endzwecks gehalten, und die Teilnahme an dem Türkenkriege war beschlossen. Welch eine Aussicht für den, dessen Seele nach Ehre und nach dem Besitz einer Ida strebte! Welche Lorbern dachte ich hier einzuerndten: welche Stufen mir zu bauen, um dich, himmlisches Mädchen, erreichen zu können! Kein Fürst sollte, wie ich meinte, Bedenken tragen mich zu seinem Eidam zu wählen, wenn ich mit dem Blut und der Beute der Ungläubigen bedeckt zurückkehrte, und die Stellen an Siegmunds hof einnähme, mit welchen meine Eitelkeit, und mein parteischer Freund, der Feldherr Gara mir schmeichelte; – – Hoffnungen, welche vielleicht möchten erfüllt worden sein, wenn ich geneigt gewesen wär, den Absichten desjenigen, der für alles zu sagen hatte, dieses Nikolaus Gara, in allen die Hand zu bieten.

Wir reisten ab, wir vereinigten uns mit den andern Feinden des Erbfeindes, wir griffen ihn mit Heldenmut an, taten Wunder der Tapferkeit, undsiegten doch fast niemals; ein feindseeliges Geschick wand uns den Sieg fast allemahl in dem Augenblicke, da wir ihn zu erreichen gedachten, aus der Hand.

Mir waren diese Dinge anfangs unbegreiflich. Das Volk schrieb unsere öftern Fehlschlagungen den heimlichen unentsündigten Verbrechen seines Königs zu, der Feldherr stimmte ziemlich laut in diese rebellischen Klagen ein, ich aber hatte mehr als wahrscheinliche Mutmassungen, das Nikolaus unvermerkt das Glück seines Herrn zu untergraben suchte, und den Feind in der Stille begünstigte um ihm zu schaden. Meine Mutmassungen wurden nachher zu Wahrscheinlichkeiten, als der Feldherr gegen mich immer mehr mit dem heimlichen Hass gegen seinen Herrn hervortrat, und auch mich von ihm abwendig zu machen suchte.

Er war der älteste Sohn des alten Nikolaus Gara, welchen Siegmund ehemals hinrichten liess. Hass und Rache gegen den Mörder seines Vaters brütete in seinem Herzen, und Siegmund hätte keinen nachteiligern Schritt tun können, als dass er dem einen Sohn des Ertödeten alle Gewalt beim Heer übergab, und den andern, den heimtückischen Andreas Gara als Stattalter des Reichs hinterliess; aber Siegmund war offen, grosmutig und unvorsichtig, mochte gern angetane Beleidigungen vergüten, und gab sich in die Gewalt seiner Feinde, indem er dachte sie zu seinen Freunden umzuschaffen. Mir wurden die bösen Absichten des Feldherrn immer heller. Ich war meinem Herrn dem König mit aller Treue ergeben, ich bezeugte unverstellt den Abscheu, den mir Garas Vorschläge, ihm zum Untergange der Monarchen die Hand zu bieten, einflössten. Ach ich hatte schon vorhin gelegenheit gehabt den redlichen Charakter des Feldherrn zu bezweifeln; war er es nicht, der ehemahls im stand war, Wenzels verräterischer Ermordung der böhmischen Grossen das Wort zu reden?

Ich verheelte ihm nichts von der Meinung, die ich von ihm hegte. Meine Aufrichtigkeit brachte mir den Untergang; Gara ward kaltsinnig gegen mich; man bürdete mir ungeschehene Vergehungen auf, ich hörte auf zu steigen, ward nach und nach im Dienste immer einige Stufen tiefer herabsetzt, und erhielt endlich gar die Erlaubnis, mich vom Heer zu entfernen. Da dies nur Erlaubnis nicht Befehl war, so achtete ich es nicht, ich wollte meinem König lieber als der geringste Kriegsknecht dienen als ihn mitten unter seinen Feinden verlassen. O Gott, wie gern hätte ich ihn gewarnt! aber war dies möglich? man bewachte seine und meine Schritte, man hatte mich bei ihm verhasst gemacht, es war unmöglich, ihn unter vier Augen zu sprechen.

Doch wird es mich immer freuen, dass ich, ehe mich mein Schicksal ganz von ihm riss, noch im stand war, ihm einen würklichen Dienst zu leisten. – Wir hatten nach Gewohnheit wieder einmal tapfer wider die Ungläubigen gefochten ohne zu siegen. Wir mussten die Schlacht verlieren, denn Nikolaus Gara wollte es. Der Herzog von Burgund war schon in den Händen der Türken, meinem Könige war das nehmliche Schicksal zugedacht; die seinigen wandten sich verräterisch hinter ihm ab, und verliessen ihn im einzelnen Kampfe mit dem