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Unzeit bei euch eindrängen, wenn ich irgend ein anders Mittel säh, euch vor einer langen, ach vielleicht ewigen Trennung das zu sagen, was ihr wissen müsst. Ewige Trennung? wiederholte Ida mit zur Erde gesenktem blick. Ja ewige Trennung von dem, den ihr ehemals nicht mit ungünstigen Augen ansahet! rief der Jüngling. Hat euer hoher Stand eure Gesinnungen so schnell ändern können? –

Herrmann, rief Ida mit dem Ausdruck des höchsten Affekts, ihr kennt mich nicht! mich ändern? gegen den ändern, der mich, als ich so weit unter ihm war, so – – so heiss, so zärtlich liebte, ersetzte der Jüngling ihre abgebrochenen Worte, und der euch, wenn ihr königin der ganzen Welt wäret, nie anders lieben könnte als damahls Ida Münsterinn von ihm geliebt wurde, und als

Haltet ein, unterbrach ihn Ida mit einem etwas ernstern blick als bisher, ihr sehet, dass es meine Ehre erfordert, dass euer nächtlicher Besuch so kurz werde als möglich, brechet also von diesen Dingen ab, und saget mir eilig, was ihr zu sagen habt.

Herrmann gelobte Gehorsam, man nahm Platz auf den Altan, der eine liebliche Aussicht in einen einsamen vom Mond beglänzten Garten hatte, und der Jüngling hub an, sich über das zu erklären, was er auf dem Herzen hatte. – Ich muss euch, sagte er, warnen, eurem gegenwärtigen Glücke nicht zu viel zu trauen; ihr seht, was mir widerfuhr, als ich in jenem nächtlichen Gericht eure Sache führte, damals

Wie? schrie Ida, ihr, ihr waret es, der sein Leben für mich wagte? mich zu retten strebte, als ich von allen verlassen war? O Gott, werde ich jemahls im stand sein? – Nein das ist zu viel! Tränen strömten aus ihren Augen, ihre hände waren gegen Himmel gefaltet, und ein blick fiel auf Herrmann, welcher ihm alles sagte was ihr Herz empfand.

Also wisset ihr nicht? man sagte euch nicht? stammelte erJa, in diesem zug erkenne ich den Grafen, und ihr sehet was wir, was ich, will ich sagen, von ihm zu erwarten habe.

Ihr müsst mir alles alles entdecken, rief Ida, vom ersten Anfange, von unserer Trennung an, die Nacht ist lang, wir sind allein, niemand wird uns stören.

Ida schien ganz vergessen zu haben, was sie vor einem Augenblicke sagte, dass ihre Ehre die Abkürzung des nächtlichen Besuchs erfordere, und Herrmann fiel es noch viel weniger ein, daran zu denken.

Wie ich mich bei jenem Abschied aus Münsters haus von euch, oder vielmehr, ihr euch von mir lossrisset, fing er an, das könnet ihr noch nicht vergessen haben, so heftig mich auch die Trennung von allem, was ich liebte, erschütterte, so stand mir doch bei dem Abschiede von eurer sogenannten Mutter noch ein Sturm bevor, welcher diesen beinahe übertraf. Gott, ich bekam von ihr die ersten Winke von dem, was auch ihr nunmehr, was die ganze Welt weis, dass ihr das Gepräge des höchsten Standes nicht umsonst an euch tragt, dass ihr das wirklich seid, wofür euch jeder halten muss, die Tochter eines Fürsten. Eile und die Gegenwart des alten Münsters, der mich und seine Frau bewachte, verursachte, dass ich den Namen des Glücklichen nicht verstand, der euch seine Tochter nennt, und mich auf diese Art in grösserer Ungewissheit als je befand, was ich dereinst für meine Liebe zu hoffen hätte; denn, ihr müsst mir verzeihen, so hoch ihr auch durch diese Entdeckung über mich erhoben wurdet, so traute ich doch auf meinen Mut und mein gutes Schwerd, welches mich schon, wie ich dachte, dereinst noch dahin bringen könnte mein Auge nach der Tochter eines Fürsten erheben zu dürfen. Grosse unabsehliche Plane über diesen Gegenstand durchkreuzten mein Gehirn, meine Gedanken verwirrten sich, ich vergas alles andere und besann mich erst spät auf die Bitte, welche eure Amme, die guterzige Münsterinn, beim Abschiede an mich getan, noch einen Tag zu Prag zu verziehen, um ein Gesuch, das sie euretwegen an den Kaiser wollte gelangen lassen, bei ihm zu unterstützen. Ich eilte nach Prag zurück, von da nach Kunradsburg und an verschiedene andere Orte, an welche man mich, um meiner zu spotten, hinwies. Nirgend fand ich den Kaiser, und überall erregte meine Wiedererscheinung, nachdem ich schon förmlich entlassen worden war, Neugier, und die Besorgnis, in der man mich sah, spöttische Anmerkungen. Ich war in der Tat ausser mir, einen Auftrag, der euch betraf, nicht besser und schleuniger ausrichten zu können, er konnte sich auf die Bekanntmachung eurer Geburt beziehen, konnte Eile haben, ich wusste nicht was ich tun sollte, und mein seltsames Betragen legte vielleicht den Grund zu dem wunderbaren Gerüchte, ich habe meinen Verstand verloren, welches mir in dem heimlichen Gerichte, da man es zur Anklage wider euch machte, zum erstenmahl zu Ohren kam.

Ich hatte, wie ich meinte, noch einen Freund bei hof, den ich endlich zu sprechen bekam, und der mich beredete mich zu entfernen, weil ich hier meines Lebens nicht sicher sei, und ich mich in der Ausrichtung meines Geschäfts auf ihn wie auf mich selbst verlassen könnte. – Wie ich nachmahls erfuhr, erschreckte man mich nur darum vom hof hinweg, weil der Kaiser meine Anwesenheit, die man ihm verhelte