1788_Naubert_078_48.txt

. Walter tat es an ihrer Statt. Er entielt, – Leser stelle dir das Entzücken der Unglücklichen vorentielt eine feierliche Bekanntmachung ihrer Unschuld, und völlige Lossprechung von allen Anklagen. Die Freude tat die Würkung auf sie, welche der Schmerz schon so oft gehabt hatte. Sie kam wieder zu sich selbst um die Frage, ob dies wahr, ob es wirklich möglich sei, tausendmahl zu wiederholen. Das frohe Gerücht breitete sich aus, die Nonnen eilten herbei, und Glückwünschungen, Freundschaftsversicherungen, und Bitten sie nie zu verlassen, immer eine Bewohnerinn ihres friedlichen Hauses zu bleiben, strömten auf sie zu. Ida erinnerte sich wohl, dass man ihr in den letzten Tagen oft und deutlich genug hatte zu verstehen gegeben, dass ihr Aufentalt in diesem Kloster bei ihrer unerwiesenen Unschuld nicht lang würde dauern können, aber sie war zu glücklich um es jetzt zu ahnden; sie beantwortete die Höflichkeiten der Klosterfrauen mit ihrer gewöhnlichen Treuherzigkeit, ob sie gleich Bedenken trug, sich zum beständigen Aufentalt an einem Orte anheischig zu machen, wo man so leicht von einem Aeussersten aufs andere fiel.

Sie konnte sich aus dem Gewirr, das sie umgab, noch nicht herausfinden, als man ihr sagte, es warte an der Klosterpforte ein Wagen, der Befehl habe, sie zum Grafen von Würtemberg zu bringen.

Ida konnte hoffen, dass so bald ihre Lossprechung kund werden würde, die alte Freundschaft in den Herzen aller derer erwachen würde, welche sie bisher verlassen hatten, und es schmeichelte ihr, dass der Graf von Würtemberg, den sie immer geschätzt hatte, einer von den ersten war, welche sich ihrer wiederum erinnerten.

Sie floh in den Wagen, den er ihr sandte, sie vertiefte sich unterwegs in tausend angenehmen Träumen, hoffte bei ihm ihren Vater und ihren unbekannten Retter zu finden, durch ihn wieder bei der geliebten kaiserin eingeführt zu werden, und was hofft nicht eine junge person alles, welche das kleinste Lächeln des Glücks für ein Unterpfand seiner grössten Gunstbezeugungen anzunehmen geneigt ist.

Auch hatte es das Ansehen, als ob Ida von ihren Erwartungen nicht sehr getäuscht werden würde. Sie langte an, der alte Graf von Würtemberg eilte ihr selbst entgegen, und schloss sie mit einem Feuer in seine arme, welches ihr befremdend vorgekommen sein müsste, wenn sie in ihrer gegenwärtigen Verfassung Raum zum Ueberlegen gehabt hätte. Der Graf führte sie durch eine Reihe glänzender Hofleute, die sich vor ihr bis zur Erde beugten in sein Kabinet. Ida! Ida! rief er, und schloss sie in seine arme, o mein weissagendes Herz, wie wahr hast du gesprochen! – Das schüchterne Mädchen fand die immer von neuem angehenden Liebkosungen von einem Fremden zu gross, sie wand sich aus seinen Armen, und umfasste seine Knie.

Gnädiger Herr, rief sie, die Herablassung, mit der sie mir begegnen, die Güte, mit welcher sie sich über mein Glück freuen, lässt mich hoffen, dass sie sich nicht weigern werden, es vollkommen zu machen. Ich wünschte meinen Retter zu sehen, um ihm danken zu können, meinen Vater wieder zu sehen, den ich verloren habe, der erste kann, denke ich, nicht weit sein, und den andern ausfindig zu machen kann einem Fürsten, dessen Auge, dessen arme so weit reichen, nicht schwer werden.

Deinen Retter? deinen Vater? fragte der Graf, siehe hier beides in einer person. Ida sah sich um, und sah, dass sie mit dem Grafen allein war, der sie von neuem in seine arme schloss. – Sie betrachtete ihn mit verwundernden Augen und getraute sich nicht, seine Liebkosungen zu erwiedern. – Du glaubst mir nicht? dein Herz hat keine stimme für mich? fuhr er fort. Ich bin dein Vater, sage ich dir! Sieh dieses Kleinod, das dich mir kenntlich machte. Ida erblickte in des Grafen Händen die Kette, welche sie Herrmann ehemals schenkte, und das Andenken an den geliebten Jüngling verdunkelte die Vorstellung von dem, was sie hörte, und das sie ohnedem noch nicht recht begreifen konnte, gänzlich.

Der Graf sah ihre Bestürzung; du zweifelst? rief er, ich muss dich überführen, er gab ein Zeichen, eine Nebentür tat sich auf, und der alte Münster trat herein. Weder er noch der Graf waren vermögend, ein Wort vorzubringen, denn Ida sprang auf den ersten Anblick des redlichen Greises auf, und floh in seine arme, o mein Vater! schrie sie, ist es möglich, dass ich euch wieder habe? – Nein, gräfin, sprach Münster, indem er ihre Hand ergriff und sie zu dem Grafen führte, der mit einigem Unwillen in seinen Blicken auf der Seite stand, nein, diese Ehre ist für mich zu gross, ihr seid die Tochter dieses Fürsten, ich war nur euer Erzieher, und wenn ich es recht sagen soll, ehemals euer Räuber. Hier, gnädiger Herr, fuhr er fort, indem er Idas linke Hand in des Grafen Rechte legte, hier seht ihr noch einen Beweis von der Wahrheit meiner Aussage. Diese Hand trägt noch das Maal, welches die gräfin mit auf die Welt brachte, und dieser Ring ist euch die lebhafteste Erinnerung an eure gemahlin, die bei der Geburt dieser Tochter das Leben einbüsste. O ich brauche keinen Beweis, rief der Graf, als mein eigen Herz und diese Züge, die meiner verstorbenen Ida so unaussprechlich gleichen, dass ich nicht weis, wie ich sie so