1788_Naubert_078_47.txt

des Ganzen ausmache. – Idas Verteidiger fühlte, wie schwer, wie unmöglich ein Beweis von dieser Art sei, er verfiel in ein dumpfes Stillschweigen, welches der Beklagten ein Vorbote des Todes war.

Nun denn, rief er endlich, ich weis, was ich übernommen habe, ich weiss, dass in diesem Gericht keiner den Beklagten verteidigen darf, ohne wenn jener schuldig befunden wird mit ihm gleiche Strafe übernehmen zu müssen. Hier bin ich, tödtet mich denn, wenn für sie keine Rettung ist. Aber ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen, sie ist unschuldig! und zittert! ihr Blut wird nicht ungerochen bleiben, sie ist nicht die Tochter eines geringen unbekannten Bürgers, sie ist eine Fürsten Tochter!

Unter den Anwesenden erhub sich ein Geflüster, die meisten riefen, dieses sei eine Erdichtung, um den Prozess der Beklagten ins Weite zu ziehen, sie schwuren, man dürfe ihn nicht in Freiheit lassen, bis er seine Aussage erwiesen habe. Man bemächtigte sich seiner. Ida schrie: sie tödten ihn! vor ihren Augen schwamm die ganze Versammlung in einem düstern Nebel, die Lichter verloschen, ein fürchterliches Getöss umsausste ihre Ohren, und sie sank ohne Empfindung nieder.

Zwei und zwanzigstes Kapitel.

Die Sonne scheint für Idas mässige Wünsche fast zu

hell.

Ida fing an sich zu erholen, die begebenheiten der vergangenen Nacht dünkten ihr ein Traum zu sein. Sie sah um sich her, der Tag war angebrochen, und sie lag unter dem grossen noch geschlossenen Tor der Bartolomäus Kirche. Sie richtete sich auf, sie wollte aufstehen, aber sie vermochte es nicht; da kam aus einer der Strassen, die sich hier scheideten, ein Mann gegen sie daher, den sie schon in der Ferne für Waltern erkannte, sie breitete die arme nach ihm aus und nannte, so laut sie konnte, seinen Namen. Er nahte sich ihr mit Eile. – kommt, sagte er, dass ich euch wieder zu euren Nonnen bringe, dochich vergesse zu fragen, wie ihr hieher kommt? – Habt ihr die Vorgänge voriger Nacht vergessen? stammelte Ida, welche jetzt vermögend war sich völlig zu besinnen, mich dünkt, ihr waret sowohl gegenwärtig als ich.

Was soll das unnütze Reden, erwiderte er mit verdrüsslichem Ton. kommt, ehe man euch hier antrift!

Gott! schrie Ida, Gott! was soll aus mit werden? sprecht, was habe ich nun zu tun? ihr wisst, dass auch meine letzte Hoffnung vernichtet ist.

Walter schwieg, und besann sich erst nach einer Weile, dass er fragen müsse, was sie meine, wenn er seine Rolle gut spielen wolle.

Ida drang in ihn, sich ihrer zu erbarmen, sich nicht gegen sie zu verstellen, weil es ihm nie gelingen würde, sie zu überreden, dass er nicht alles wisse, und ihr am besten raten könne. – Walter ward unwillig. Sie führte die fehlende linke Hand, und er seine Kleidung, die mit der eines Vermummten keine Aehnlichkeit hatte, zum Beweis des Behaupteten an. Ida, welcher wichtigere Sorgen auf dem Herzen lagen, schwieg endlich, und man langte vor dem Kloster an.

Es sei mir erlaubt, die Art des Empfangs bei den Ursulinerinnen, welche hoften, das unglückliche Mädchen ganz gerechtfertigt wieder zu sehen, mit Stillschweigen zu übergehen. – Sie waren anfangs entrüstet, dass man derjenigen, die durch die Ehre, die sie ihr in voriger Nacht erzeigten, schon in einem vorteilhaften Lichte hätte erscheinen sollen nicht besser begegnet hatte, nach und nach schlichen sich Zweifel ein, ob Ida auch wirklich so unschuldig sei, als man sie im Kloster glaubte. Man fing an, sie zu vernachlässigen, man tröstete sie nicht mehr, sprach ihr nicht mehr in ihrer Einsamkeit zu, und es geriet bald dahin, dass der alte Walter, welcher sie täglich am Sprachgitter besuchte, ihr einiger Trost war.

Ida wusste nicht, was sie von ihrem eignen Schicksale halten sollte, sie hatte ursache, zu den grössten Besorgnissen, und gleichwohl lag ihr das Ergehen desjenigen der sich im Gericht zu ihrem Verteidiger aufgeworfen hatte, weit mehr am Herzen.

Meint ihr nicht, fragte sie Waltern, dass es mein Vater ist?

Er zuckte die Achseln.

Wer wär es sonst? Wer könnte es sein?

Ich weis nicht!

O Walter, ich beschwöre euch, ihr wisst es, sagt mir alles.

Wollt ihr mich mit eurem Geschwätz von euch treiben?

So nehmt euch wenigstens meines Retters an, wenn ihr könnt, und forscht nach dem Aufentalte meines Vaters.

Eures Vaters? kennt ihr ihn?

Ida sah ihn mit verwunderten Augen an, und wiederholte seine Frage.

Walter tat noch einige, und als er aus ihren Antworten merkte, dass sie das Bekenntnis des Unbekannten von ihrer Geburt nicht verstanden habe, sich noch bis jetzt für Münsters Tochter hielt, so verfiel er wieder in sein geheimnissvolles Stillschweigen.

Ida weinte über die Härte des Alten, und dieser bat sie endlich ruhig zu sein und alles zu hoffen. Vielleicht, setzte er hinzu, dass sich euer Schicksal in kurzem ändert.

Sehet, sagte er, als er eines Morgens zu ihr kam, sehet hier die Erfüllung meiner Weissagung. Ida hatte die Schriften der heimlichen Rächer schon zu oft gesehen, um den Zettel, den er ihr darbot, nicht sogleich zu kennen. Sie zitterte, ungeachtet der vorteilhaften Art, mit welcher er ihr ihn ankündigte, ihn zu lesen