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tobte noch eine Weile auf diese Art. Ida bat, fragte, suchte ihn zu besänftigen, aber umsonst! Sie bot ihm einen Ring, den sie mit der Kette zugleich von ihm erhielt, er stiess ihn von sich, und sagte, er sei ohne seine Gefährtinn die Kette ohne Nutzen. Ida weinte und bat um Erklärung dieser rätselhaften Dinge, er riss sich von ihr loss, und verliess sie das erstemahl in seinem Leben mit allen Merkmahlen des Unwillens. –

Da Ida sich nicht vorstellen konnte, was der Verlust einer solchen Kleinigkeit, als ihrer ernsten Seele ein Stück weiblichen Schmuckes war, auf sich haben könne, so schlug sie es bald aus dem Sinne, und trauerte nur über den Unwillen ihres Vaters, den sie doch bei seinem nächsten Besuche schnell zu heben dachte; sie wusste, wie sehr sie von ihm geliebt ward, wie viel ihre Bitten, ihre Tränen über ihn vermochten. – Aber vergebens sah sie ihm diesen und die beiden folgenden Tage entgegen. Sie ward unruhig, sie erhielt bei der Oberinn des Klosters, welche ihr geneigt war, die Vergünstigung nach ihm in seiner bisherigen wohnung fragen zu lassen. – Seine Zimmer waren verschlossen, niemand hatte ihn gesehen. Man schickte zu Waltern; die Antwort war, er habe ihn das letzte mahl ein wenig unfreundlich von sich gewiesen, und dies müsse ihn beleidigt haben, er sei seit dem nicht wieder gekommen. –

Was für Nachrichten für Ida! brauchte sie wohl noch neuen Stoff zur Bekümmerniss? – Von den ein und zwanzig Tagen bis zu dem nächsten Vorbescheid vor den furchtbaren Gericht waren bereits viere vergangen, die übrigen verschlichen unter tausenderlei Beängstigungen bis auf einen, und in diesem Einen sollte sie nun herbeischaffen, was sie in so vielen nicht vermocht hatte, sollte unumstössliche Beweise ihrer Unschuld darlegen oder sterben! Schrecklicher Zustand des armen Mädchens! Es schien als wenn alles, worauf sie einigen Trost baute, vernichtet werden sollte. Sie hörte von der Wiedergenesung der kaiserin, sie konnte denken, dass diese von ihrem Unglück nichts, oder nur unvollkommen wissen würde, sie konnte hoffen, dass, wüsste sie dasselbe, sie alles für sie tun würde; aber so sinnreich auch die Nonnen, ihre Freundinnen, waren, Mittel zu erdenken, vor die Monarchinn zu kommen, so schlug doch alles fehl, und da am Ende der letzte entscheidende Tag anbrach, da sie sich überzeugen musste, dass für sie in der Hauptsache nichts mehr zu tun sei, als ihrer Unschuld zu trauen, so quälte sie noch die sorge, wie sie vor das Gericht kommen sollte, das ihr in der künftigen Nacht bevorstand. – Auszubleiben war wider ihre Ehre und ihre Grundsätze, allein, ohne Führer sich an dem bestimmten Orte einzustellen, unanständig und gefährlich. Was sollte sie tun? Man ging im Kloster ernstlich darüber zu Rate, und die guterzige Oberinn erlaubte, dass der alte Walter herbei gerufen und gebeten wurde, diese Nacht bei der Tochter seines Freundes Vaterstelle zu vertreten.

Der Greis geriet bei diesem Anmuten in die augenscheinlichste Verwirrung, er veränderte die Farbe, wollte reden, stammelte, stampfte endlich voll Unwillen mit dem Fuss, und schrie, man sollte aufhören ihn mit unmöglichen Dingen zu quälen. Mit diesen Worten verschwand er, und hinterliess Ida und die Klosterjungfern in der äussersten Bestürzung.

Unter Weinen und Beten kam die Nacht heran. Man hatte Ida allein gelassen, und bei der Domina ward grosser Rat gepflogen. Es ist unmöglich, sagte die guterzige Alte, das Mädchen ihrem Schicksale zu überlassen. Ich wollte es wagen auf das Bild der heiligen Jungfrau zu schwören, dass sie unschuldig ist, dass sie für unschuldig erkannt werden wird; sollten wir denn so grausam sein, sie einem Verderben anderer Art entgegen gehen zu lassen? Sie ist schön, wie ihr und ich in unsern bessern Jahren; wenn es in der Welt noch so zugeht wie zu meiner Zeit, so droht ihr auf dem kleinsten Wege unausbleibliche Gefahr, sie wird irgend einem laurenden jungen Wüstlinge in die hände fallen, und für unser Kloster verloren sein, welches doch, es gehe wie es wolle, einst ihre Zuflucht werden wird, was sollen wir tun Schwestern? was sollen wir tun? Wärs wohl Verletzung unserer heiligen Regel, sie bis an den Ort ihrer Bestimmung zu begleiten? Ich nebst den vier ältesten aus der Schwesterschaft übernehme dies Werk, und

Es war der heiligen Frau unmöglich zu enden, ein lauter Beifall unterbrach ihre Worte. Die Liebe zu der holdseeligen Ida, die sie, ich weis selbst nicht warum, als eine künftige Mitschwester ansahen, oder das Verlangen, einmal den Fuss aus den ängstlichen Klostermauren zu setzen, machte, dass man sich, (ein seltner Streit unter alternden Jungfern) um den Vorzug der Jahre stritt, und dass die Domina, um Friede zu erhalten, genötigt war, dem ältern teil ihrer Fräuleins, aus welchen ihr Rat bestand, ohne Ausschluss einer einigen, die Bestehung dieses Abenteuers zu gestatten. – Eine allgemeine Freude erhob sich unter ihnen, und es ward augenblicklich eine Gesandtschaft an die angstvolle Ida abgeschickt, ihr den Schluss des Konvents kund zu tun.

Sie war entzückt über die ausserordentliche probe der achtung, die sie erhielt, die lebhafteste Dankbarkeit durchströmte ihr Herz, und es schwebte ein Gelübde auf ihren Lippen, welches mit lauter Freude von den Nonnen, welche schon darauf rechneten, würde aufgenommen worden sein, und das nur durch Dazwischenkunft irgend eines Zufalls konnte