o die unvergleichliche Dame! o dass ich sie nur noch einmal sehen, dass ich, wenn ich sterben muss, nur zu ihren Füssen sterben könnte! Man gebot mir zu schweigen, und das fragen dauerte fort. Woher die Reichtümer meiner Eltern kämen, nachdem sie durch den Brand wie bekannt um all' ihre Habe gekommen wären? Durch welche zauberische Mittel ich erfahren habe, dass dieses verheerende Feuer auskommen werde, und warum ich so gottlos gewesen, die Stadt nicht zu warnen, ja nicht einmal auch meine Eltern zu retten, sondern boshafter Weise euch verlassen habe, und nur allein dem Unglück aus dem Wege gegangen seie. Wohin der Herrmann von Unna gekommen, den ich durch meine Zaubereien in mich verliebt gemacht, denn des Verstandes beraubt habe, so dass er drei Tage lang sinnlos im land herumgelaufen, und dann wahrscheinlich durch mich getödet wär.
Herrmanns Erwehnung machte, dass ich ohne Besinnung zur Erde sank, man erquickte mich, und ich fing an laut über Herrmanns Tod zu klagen; o Gott, wenn es wahr, wenn Herrmann tod sein sollte!
Ida brach in Tränen aus, und es dauerte lang, ehe Münster sie durch die Versicherung: Herrmann habe ihm kürzlich geschrieben, zufrieden sprechen konnte.
Die Anklagen, fuhr Ida fort, wurden immer entsetzlicher. Auch der italiänische Prinz, welcher der prinzessin von Ratibor untreu ward, und den ich durch Zauberkünste in mein Netz gezogen haben sollte, kam an die Reihe, und zuletzt das schrecklichste von Allen, die unglückliche Niederkunft der kaiserin, und die Gefahr, in welcher sie noch jetzt schwebt.
Gott weis, was ich auf alle diese Dinge sagte, aber ich, die ich mich für so schwach, so verzagt hielt, fühlte übernatürliche Stärke, ich schwieg auf keinen dieser Artikel, ich sprach wenig und mit Bescheidenheit, aber was ich sprach, musste Nachdruck haben, denn ich brachte meine Kläger verschiedenemahl zum Schweigen. Der Himmel über uns fing an zu dämmern, die Hähne krähten in der Ferne und verkündigten den Tag, und auf einmal erhub sich die ganze Versammlung.
Ida, rief der Richter vom Trone, noch immer droht dir das Schwerd, wofern du nicht binnen ein und zwanzig Tagen unumstössliche Beweise deiner Unschuld darlegst; deine Bereitwilligkeit auf die erste Ladung zu erscheinen, macht, dass wir dich jetzt in Frieden ziehen lassen, aber denke auf keine Flucht, unser Auge und unser Arm ist überall, wie die Gegenwart des Allsehenden!
Ich warf mich vor dem Tron nieder und bat um Zuflucht in einem Nonnenkloster, meine Bitte ward mir gewährt, und mir auch noch überdies wegen meines Geschlechts und meiner Jugend eine ausserordentliche Begnadigung zugesprochen, welche mir nicht genannt ward.
Man verhüllte mich von neuem und führte mich ab, ich bat unterwegens meinen Führer, er möchte für mich bitten, dass ich zu den Ursulinerinnen, die ich immer gern zu besuchen pflegte, geschickt würde, und euch daselbst sehen dürfte, und er versicherte mich, dass er mir dieses für sich selbst versprechen könne, weil man ihm Dinge von dieser Art ganz zu überlassen pflegte. Ich wollte noch mehr mit ihm sprechen, aber er ward wieder so stumm wie des vorigen Abends; an der Ecke der Strasse verliess er mich, vermutlich um nicht von euch beim Tageslicht erkannt zu werden und zeigte mir euch von weitem wie ihr meiner, unter dem Bartolomäustore wartetet.
O Ida, rief Münster, als sie endete, sei getrost! mich dünkt deine Sache geht gut, und über dieses hoffe ich heute noch einen andern Schritt zu deiner Rettung zu tun, den mir bisher die Abwesenheit der person, auf welche ich hoffe, unmöglich machte. Ich wandte mich am Morgen deiner Anklage, ehe ich dich noch gesehen hatte, an den Grafen von Würtemberg, ich hatte ihm wichtige Dinge zu sagen, welche dir würden genützt haben, aber man wiess mich zurück, unter dem Vorwand, er wär verreist und würde unter dreien Tagen nicht wieder kommen; diese drei Tage sind vorbei und ich eile unmittelbar, nachdem man dich zu den Nonnen gebracht hat, zu ihm.
O vergebliche Mühe! rief das Mädchen, auch ich wandte mich an ihn, weil er sich immer vorzüglich gnädig gegen mich erzeigt hat, aber auch er wies mich zurück. Er ist vielleicht auch nicht einmal wirklich abwesend gewesen, hat nur keine Vorbitte für mich hören, euch nur darum nicht sehen wollen, weil ihr mein Vater seid!
Du sagtest, er habe sich gnädig gegen dich erwiesen? fragte Münster nach einem tiefen Stillschweigen, was tat er dir, das den Namen Gnade verdient?
O ihr wisst ja, dass man das kleinste Lächeln der Grossen Gnade nennen muss, und zu der Zeit, da alles mir lachte, pflegte auch er mir zu lächeln. Ich erinnere mich noch, als er mich das erstemahl im Kabinet der kaiserin sah, dass er mich vor allen andern auszeichnete, sich mir mit einer achtung näherte, welche mich wirklich beschämte, und als die Ratibor, wie gewöhnlich, gleich mit meinem Namen, ach diesem teuren Namen, den ich immer für meine Ehre halten werde, hervortrat, um meinen Bürgerstand nicht in Vergessenheit zu bringen, so schien der Graf dadurch nur desto aufmerksamer zu werden. Münsterinn? wiederholte er, Ida Münsterinn? – Der Name Ida ist Musik in meinen Ohren, er erinnert mich an meine, ach längst verstorbene Gemahlin. Die Oberhofmeisterinn trat mit der Bemerkung hervor, man