, welche den heimlichen Rächern entgangen, oder von ihnen losgesprochen wurden, eine besondere Ehre haftet auf denen, welche sie unschuldig fanden. Man hatte mir eine sonderbare geschichte eines hiesigen edlen, eines Konrads4 von Langen erzählt, nach welchem noch bis diese Stunde die heimliche Gerechtigkeit beide arme ausgestreckt hat, ohne sich seiner bemächtigen zu können.
Und stünd nicht auch mir die Flucht offen? fragte Ida. – Du kannst, darfst, und wirst nicht fliehen, sprach Münster, denn du bist unschuldig, ob Konrad es ist, weis ich nicht, und wir wollen ihm denn tun lassen was ihm recht dünkt.
Ich gedachte seiner nur darum, weil mir bei Erzählung seiner geschichte in den Sinn kam, ihn oder einen von seinen Leuten aufzusuchen, und auf die Art zu erfahren, was wir wissen müssen. Ich fand auf Nachweisung seinen Hausmeister, und o Glück, ich entdeckte in ihm meinen alten Waffengenossen, Walter, der, als wir die Berner überrumpelten, seine linke Hand verlor, und nicht länger dienen konnte. Er sagte mir der Dinge viel, und doch stockte er oft auf eine so seltsame Art, kehrte hier und da so schleunig um, dass ich nicht recht wusste, wie ich mit ihm dran war. Ritter und Knecht, Edle und Bürger, sprach er, sind in den Diensten des geheimen Gerichts. Sollte er vielleicht selbst? – doch dieses gehört nicht hieher. Er sagte mir die gewöhnliche Art, vor die Stühle des heimlichen Gerichts zu gelangen, wär durch Gewalt. Selten erschienen die Vorgeladenen auf die erste Forderung, und die, welche die zweite und dritte abwarteten, nähm man hinweg, wo man sie fände und stellte sie vor die Unbekannten. Diejenigen, welche auf die erste Ladung erschienen, so wie meine Ida erscheinen wird, hätten den Vorteil, dass man grosse Mutmassung zu fassen pflegte, dass sie unschuldig seien, und gelinder mit ihnen verführe als mit andern. Sehr selten begäbe sich aber dieser Fall, und das einige Mittel wie Personen von dieser Art zur Gerichtsstätte kommen können, sei, sich drei Viertelstunden nach Mitternacht auf den nächsten Platz zu begeben, auf welchem vier Wege sich scheideten, da sich denn allemahl einer fänd, welcher sie mit verbundenen Augen vor die Richter führe.
Ich war so froh, so viel zu erfahren; sprach, du würdest dich auf die Art stellen und ich wolle dich begteiten. Walter sah mich scharf an. Bist du einer von ihnen? fragte er. – Ich wusste nicht was er wollte und antwortete nicht. Er fasste mich noch genauer ins Auge und sagte einige Worte zu mir, welche weder Verstand noch Zusammenhang hatten. Ich schwieg abermals. Nun gut, sagte er nach einer Weile, begleite sie oder begleite sie nicht, es kommt drauf an, ob man es dir gestatten wird, auf allen Fall aber kannst du sicher sein, dass sie auch ohne dich sicher an Ort und Stelle kommen wird! das weitere hängt von ihrer Unschuld ab.
Ich weis nicht, was für Beruhigung in Münsters rätselhafter Erzählung lag, genug, Ida fand sich nach Anhörung derselben etwas getröstet. Sie konnte gelassner von ihrem Schicksal sprechen, konnte Entschliessungen fassen, und vermochte über die Dunkelheit hinaus zu blicken, die sich vor ihr ausbreitete. Dass sie diese schreckliche Dinge überstehen, sich gerechtfertigt sehen, wieder solche Tage verleben könne, dünkte ihr nicht mehr unmöglich, und Münster bemühte sich, jede ihrer Hofnungen zu stärken, keine, auch die schwankenste nicht, anzutasten.
Vielleicht, dass wirklich einige Winke in dem, was sie gehört hatte, Grund zu Hoffnungen darboten, vielleicht auch dass es ihr so ging wie den meisten Unglücklichen, welche nur von dem ersten Sturm zu Boden geworfen werden, und sich in der Folge, wenn ihnen das Schreckbild bekannter wird, besser fassen lernen! – Oder gibt es vielleicht gute Geister, die ihren Erwählten zur Stunde des tiefsten Schmerzens einen Tropfen himmlischen Trostes in den Leidensbecher mischen!
Dem sei wie ihm wolle; genug, Ida war ruhig, und schlief diese Nacht an der Seite des sie bewachenden Vaters den sanften unerkünstelten Schlummer der Unschuld. Auch der drauf folgende Tag, der letzte vor der entscheidenden Nacht, ging leidlich vorüber, nur gegen den Abend fing das unglückliche Mädchen an unruhig zu werden. Es war in den damahligen zeiten Sitte, da Trost zu suchen, wo man ihn jetzt nicht mehr zu finden weis. Münster schlug einen Kirchgang vor. Gern willigte Ida ein; man besuchte ein Gotteshaus, welches von Pater Johannes Klosterkirche weit entfernt war, und kehrte getröstet zurück. Eine sparsame Mahlzeit von dem, was die Vorsorge des Alten verschaft hatte, und ein Trunk Wein labte die Ermatteten. Sie waren so ruhig als vielleicht keiner ihrer Feinde geglaubt, keiner ihnen gegönnt hätte. So gar ein gewisser Grad von Fröhlichkeit fand in der Unterhaltung der beiden Leidenden statt. – Gott! rief Ida mit einem lächelnden gegen Himmel gewandten Blicke, ich habe dich um gelegenheit meine Unschuld zu beweisen angefleht; ohne zu bedenken, dass sie schon in meinen Händen ist. Walter sagte, man sei geneigt, die Unschuld dererjenigen zu mutmasen, welche sich auf die erste Vorladung stellten. Ich komme, ich komme meine Richter, so bald ihr mich ruft! Meine Willigkeit meine Freudigkeit wird euch eine Bestätigung dessen sein, was ich euch antworten will, ach ihr werdet mich lossprechen, sobald ihr mich erblicket!
Münster nährte diese glückliche Laune