Kaiser erweckt. Sophie hatte bei allen ihren Handlungen tausend Zeugen, tausend strenge Beurteiler gehabt. Der letzte Zufall vermehrte das tadelnde Geflüster. Der Kaiser sah finster, Herzog Johann bestürzt aus, und man sagt, dass die Neuvermählte noch vorm Schlafengehen eine sehr ernstafte Verhaltung von der Fürstin von Ratibor habe aufhören müssen. Diese Dame war schon darüber aufgebracht, dass sie keine Zuhörerin von dem Gespräch hatte sein dürfen, welches Sophie mit ihrem Vater hielt. Ein Wink der jungen Kaiserin hatte sie entfernt, und die alte Dame hatte vergebens vorgewandt, dass sie gemessenen Befehl habe, ihr nie von der Seite zu gehen. Der Verdruss über diese Sache ging in die Vorlesung über, welche sie ihrer Gebieterin über die Sitten ihres neuen Standes hielt, und ihre Rührung bei der Erscheinung der jungen Mädchens, ihre ausschweifende Freude über eine so geringe Sache, ihre Herablassung gegen diese gemeinen Geschöpfe, ihre gespräche mit Ida, ihre Geschenke, und vor allen, die letzte Begebenheit mit der Haarlocke, wurden auf so beissende Art vorgestellt, dass Sophie beschämt da sass und guterzig genug war, einzugestehen, sie sei zu weit gegangen, sie wisse noch nicht recht was einer Kaiserin zieme, habe noch zu viel von der Einfalt des Klosters an sich, und – müsse sich bessern.
Sophie ward in das kaiserliche Schlafzimmer geführt, um – die Lektion, die sie von ihrer Oberhofmeisterin bekommen hatte, von ihrem neuen Gemahl zum zweitenmal zu hören. Seine Majestät hielten sich besonders bei den Geschenken auf, welche die unwissende kaiserin so freigebig von dem zur Krone gehörigen Schmuck hätte austeilen wollen, und die durch Vorsicht der Fürstin von Ratibor alle wieder zur Stelle waren. – Ich glaube, sagte Wenzel, indem er die Juwelen in ihrem schimmernden Gehäuse musterte, ihr wäret im stand gewesen, den Trauungsring auch hinzugeben. O nein, sagte Sophie, den muss ich behalten, um mich immer an meine Pflicht zu erinnern. Wenzel war zu stumpfsinnig um den Stachel in diesen Worten zu fühlen, aber die Neuvermählte erschrack über das was sie gesagt hatte; sie fürchtete die Frage: ob sie eine solche Erinnerung an ihre Pflicht nötig habe, und eilte, um sie zu verhüten, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben. Sie war von jenen guterzigen Seelen, welche auf jede kleine Wunde, die sie wider Willen gemacht haben, sogleich lindernden Balsam legen, und jeden Stich ihres Witzes mit einer verbindlichen Rede heilen. Bin nicht auch ich beschenkt worden? sagte sie, indem sie zu Idas Blumenkranz hinhüpfte, den sie in seiner Schale auf einer Tafel stehen sah. Doch nein, fuhr sie fort, das liebe Geschenk ist nicht mein, ich lege es meinem Kaiser zu Füssen.
Wenzel hätte noch weniger Mensch sein müssen
als er war, wenn ihn die holde Geberde, mit welcher ihm die blühende Sophie ihren Kranz überreichte, nicht gerührt hätte. Er drückte sie an seine Brust, nannte sie ein gutes Weib, welches eine seiner grössten Schmeicheleien war, und liess sie aus seinen Armen, um die Gabe, welche für ihn keinen Reiz hatte, an ihren ersten Ort zu legen.
Was ist das? rief er voll Bestürzung, als er die
goldne Schale gewahr ward, in welcher Ida ihren Kranz überreicht hatte, und die Sophie kaum bemerkt hatte. – Man hat mir mein Blumengeschenk auf diese Art überreicht, erwiderte sie. Und dieses seidene Tuch? fuhr er fort. Sophie meinte, es sei yermutlich darum da, damit die Feuchtigkeit der Blumen dem Glanz ihres Behältnisses keinen Schaden tun möchte.
Wenzel schüttelte den Kopf, indem er das Tuch
hinweg nahm, und meinte, diese Art von Geschenken sei ihm schon bekannt. Seht ihr, fuhr er fort, indem ihm nach hinweggenommener Hülle der Glanz von einer guten Anzahl goldner Schilde1 lieblich entgegen blinkte, seht ihr? das wusste ich wohl, dass man es nicht wagen würde, einer Kaiserin ein so elendes Geschenk, wie einen Blumenkranz, anzubieten, lasst uns zählen.
Wenzel zählte, und Sophie trat indessen an ein Fenster, um sich die Tränen zu trocknen. Sie fühlte – sie wusste nicht was. Ihr Herz war so gepresst als wollte es zerspringen, sie öffnete das Fenster um Luft zu schöpfen, o Gott, seufzte sie, gieb mir Kraft die lange schwere Rolle zu spielen, die ich auf mir habe. Solche Gesinnungen, und ein Kaiser? ein Kaiser? mein Gemahl! ein solcher Mann?
Es sind richtig dreihundert! rief Wenzel. Wie hiess das Mädchen, das sie euch brachte?
Ida Münsterin, erwiderte Sophie mit einer stimme, welche beinahe ihre Tränen verraten hätte.
Ida Münsterin, wiederholte er, so so. Aber kommt, meine Liebe, wie steht ihr so in der kalten Nachtluft? doch – ihr habt geweint? was ist euch?
O es ist entsetzlich, rief Sophie mit zusammengeschlagenen Händen, entsetzlich, sich von seinen Untertanen beschenken zu lassen, und nicht einmal so viel Macht zu haben, sie belohnen zu dürfen, die Kleinigkeiten, welche ich den guterzigen Geschöpfen gab, wurden ihnen entrissen, und ich soll behalten was sie mir gaben.
Ihr irrt, erwiderte Wenzel, das was ihr geben wolltet, war ohne Vergleichung mehr, als ihr erhieltet.
Und mich dünkt, rief Sophie, so müssen Fürsten belohnen.
Und, fuhr er fort, über dieses sind diese Leute dazu da, ihrem Kaiser einen Anteil von dem Ueberfluss zu zollen, den sie unter seinem