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das zuverlässigste was ich weis, ist, dass beim Verhör des kaiserlichen Frauenzimmers, die fürstin von Ratibor, ihre Schuldlosigkeit an dem unglücklichen Wochenbette der kaiserin nicht besser als durch deine Anklage zu beweisen geglaubt hat. – Ihre Aussage hat gelautet: sie bürge mit dem fürchterlichen Eide für sich und alle gegenwärtigen Damen, aber es fehle noch eine person von Sophiens Frauenzimmer, und wenn der Anschein nicht trüge, so müsse diese die Schuldige sein.

Man forderte die Ursachen ihres Verdachts wider dich, die fürstin sagte, was man mir nicht wieder zu sagen wusste. Du sollst vorgefordert werden, und die Richter zürnten, dass dieses nicht sogleich geschehen, dass du allein von dem, was sich die übrigen hatten gefallen lassen müssen, ausgeschlossen worden wärest.

Ein bedenkliches Achselzucken beantwortete dieses. Die geschichte von dem unglücklichen Freibriefe, den dir der Kaiser auf Veranlassung meines unvorsichtigen Weibes gab, ward der Länge nach erzählt, und mit Erklärungen versehen, die man sich denken kann. Die Richter sahen einander an. Brauchen wir einen weitern Beweis wider die Verbrecherinn? fragten sie, warum suchte sie ausserordentlichen Schutz, wenn sie unschuldig war? warum machte sie es unmöglich, sie vor den gewöhnlichen Gerichtsstühlen zu belangen, wenn sie sich nicht geheimer Untaten bewusst war, welche an den Tag kommen und sie in die hände der Gerechtigkeit bringen konnten? Aber soll sie darum ungestraft bleiben? und welch ein Mittel ist übrig, sich ihrer zu bemächtigen? –

Meine Nachrichten hören hier auf, ich weis nicht was hierauf weiter vorging, nur dieses sagte man mir, dass die Versammlung erst um Mitternacht auseinander gegangen sei, nach dem alle sich durch einen feierlichen Eid verbunden hätten, dein nicht zu schonen.

Ida verbarg sich an dem Busen ihres Vaters und weinte. Fahret nur fort, fahret fort, schluchzte sie, tödtet mich ganz mit der fürchterlichen Erzählung meines Unglücks!

Mein Kind, sagte Münster mit tröstendem Ton, es ist nötig, dass du alles wissest; wie soll dir sonst geholfen werden?

Und des Freibriefs ungeachtet, rief sie, bin ich doch vor Gericht, ach unschuldig vor Gericht gefordert?

Für kein weltliches, erwiderte er, für das grosse Gericht Gottes. Getraust du dich nicht vor Gottes Gericht in deiner Unschuld zu stehen?

O wenn er, wenn er mein Richter ist! rief Ida mit gefaltenen Händen, und einem blick in welchem der Himmel war.

Nun, sprach Münster, mit diesem getrosten Mute geh an dein Schicksal, du bist unschuldig, es kann nicht schrecklich sein. Die Unbekannten, die im Namen Gottes richten, sind deine Richter; sie waren die einigen, vor denen man dich belangen konnte, hast du die Worte in deinem Freibriefe vergessen, dass du nur vor dem Kaiser unmittelbar oder vor denen, welche an seine Stelle unter Königsbann richten, anklagt werden kannst?

Ich habe sie nicht verstanden, sagte die niedergeschlagene Ida, welche wenig Trost in ihres Vaters Reden fand.

Glaubst du, dass Männer, welche den fürchterlichsten Eid geschworen haben recht zu richten, deine Unschuld verkennen werden? fragte Münster weiter.

Ich glaube alles was ihr wollt, sprach sie mit kaum hörbarer stimme, aber so viel weis ich, ich werde sterben, wenn ich allein vor diesem furchtbaren Richter erscheinen soll.

Das sollst du nicht, ich werde dich begleiten.

Und wohin? wo ist ihr Gerichtsstuhl? Ueberall und nirgends, sagte Pater Johann, was heisst das?

Niemand hat noch die Stelle gesehen, wo sie richteten, sprach Münster, ausser sie selbst und die Beklagten, aber wenn du erscheinen sollst, so muss man dir auch Mittel zeigen, wie du deine Richter finden kannst, diese Mittel auszuspähen soll mein Werk an diesen beiden Tagen sein.

Und wen wollt ihr fragen, wenn keiner aus dieser geheimnissvollen Gesellschaft euch bekannt ist?

Das weis Gott! ich kenne keinen von ihnen, nur so viel weis ich, sie wandeln mitten unter uns in tausendfachen Gestalten, ohne dass wir sie kennen, gehen an unserer Seite, speisen an unserm Tisch, und wir wissen es nicht, meine stimme wird doch einen von ihnen erreichen, der mir sagt was ich tun soll? –

gespräche von dieser Art dauerten bis an den Morgen. Ida sass vor ihrem Vater bald in Totenblässe gehüllt, bald mit glühenden Wangen, und Augen, in welchen das verzehrende Feuer des Fiebers funkelte. Der alte zitterte für ihr Leben, er nötigte ihr einen kleinen Becher Wein auf, welchen er heimlich mit dem Saft einiger beruhigenden Kräuter vermischte. Ida entschlief, Münster trug sie leise auf ein Ruhebette, verschloss ihre Tür und ging, ehe der Tag völlig anbrach, seine grossen Erkundigungen anzustellen.

Neunzehntes Kapitel.

Ida in den Händen der furchtbaren Unbekannten.

Ida verschlief diesen ganzen Tag, der heilsame Schlaftrunk hatte kräftig gewürkt, sie war eben erst erwacht, als ihr Vater in der Abendämmerung wieder kam. Er nötigte sie etwas Speise zu nehmen, die er mit sich gebracht hatte, sie schien durch den Schlaf und das was sie genossen hatte, ein wenig erquickt zu sein, und er fand sie ruhig genug, das Resultat seiner Erkundigungen zu hören.

Wir sind, sagte er, in einem land, in welchem der eigentliche Sitz der heimlichen Gerechtigkeit ist. Nachrichten von dem notwendigsten zu erhalten, ist hier nicht so schwer als wir dachten. Vorladungen von dieser Art, wie die deinige, sind hier nichts ungewöhnliches; auch hat man Exempel genug von solchen