und sie las folgendes; doch nein sie las nicht zu Ende, schon bei der zweiten Zeile vergingen ihr die Gedanken, und sie sank an der Seite ihrer Dienerinn nieder.
Urteile, lieber Leser, ob sie ursache hatte sich zu entsetzen.
"An Ida Münsterinn.
Ida! Ida! Zauberinn! Mörderinn! Hochverräterinn! erscheine! Wir die heimlichen Rächer Gottes, laden dich, binnen drei Tagen vor Gottes Gericht! – Erscheine! erscheine!"
Was ist das? rief Ida, als sie auf die Bemühung ihrer andern Dienerinnen, welche herzugelaufen waren, sich wieder erholte. Habe ich recht gesehen? reicht mir das Blatt noch einmal. – Sie überlas die schrecklichen Zeilen von neuem, liess die hände sinken, und lehnte sich todtenbleich an ihren Stuhl zurück. –
Indessen erzählten die Mägde, wie sie das Pergament diesen Morgen an der grossen Pforte, welche zu den Zimmern ihrer Gebieterinn führte, angeheftet gefunden, wie sie aber, weil sie es nicht lesen können, es nicht geachtet hätten, bis das herzulaufende Volk sie von dem Inhalte benachrichtigt, und ihnen unter Bedrohung geboten, es abzunehmen, und es ihrer Gebieterinn zu bringen.
Ida hörte fast leblos vor Entsetzen zu, ohne genau zu wissen was sie hörte. Wär sie mehr bei sich selbst gewesen, sie würde in dem Ton, in den Blicken der Erzählerinnen, einen Unwillen, eine Verachtung gelesen haben, der ihr bei denen, welche sie umgaben, und von welchen sie durchgängig angebetet wurde, etwas ganz neues sein musste.
Gott! was habe ich getan? und was soll ich tun? schrie Ida mit gerungenen Händen!
Was ihr getan habt, mögt ihr am besten wissen, sprachen die Weiber, und was ihr tun sollt, darin können wir euch nicht raten; wir müssen euch verlassen, damit nicht auch uns die Rache Gottes verfolge!
Willst du auch von mir gehen? fragte Ida das Mädchen, welche ihr den Zettel zuerst überreicht hatte, und die jetzt vor ihr auf den Knien lag und ihren Schoos mit Tränen netzte.
Sagt mir, was ich für euch tun kann, erwiderte sie, und ich will nicht gehen.
Eile zu der fürstin von Ratibor, sprach Ida, und sage ihr – sage ihr nur – ich weis nicht! – Genug du wirst ihr schon alles alles, meine ganze Lage entdekken, sie soll mir Rat geben! Gott weis, wie ich zu diesem Unglück komme!
Das Mädchen ging und kehrte in kurzer Zeit zu der ängstlich harrenden Ida mit der Antwort zurück, die Fürstin lasse ihr versichern, dass sie sie nicht kenne.
Die Gesandtschaft ward an einige andere Damen der kaiserin eben so vergeblich abgefertigt. Ida erinnerte sich an den Herzog von Bayern, und an den Grafen von Würtemberg, welche ihr immer mit auszeichnender achtung begegnet hatten. Sie sandte zu ihnen und erhielt die Antwort, sie möge Trost bei Gott suchen, wenn ihr Gewissen rein sei, und was den Rat anbeträfe, so wär der einige, den man ihr geben könne, dass sie sich ja nicht weigere, auf die erhaltene Ladung zu erscheinen, weil ihr Leben doch auf alle Fälle verwirkt sei.
erscheinen? rief Ida, wo soll ich erscheinen? Hast du nicht gefragt, wo der Ort des heimlichen Gerichts ist?
Die Dienerinn schwieg.
Mein Leben verwirkt! schrie die Unglückliche nach einem langen schrecklichen Stillschweigen. – Gott was habe ich denn getan? ich bin ja unschuldig! – Gott gebe, dass ihr es seid! schluchzte das Mädchen.
Ja bei Gott das bin ich! rief Ida und sank auf die Knie, ich schwöre es bei dem der ewig lebt!
Sie lag lang mit verhülltem Gesicht auf ihren Knien und schien zu beten, endlich rafte sie sich auf. – Was sagte der Graf von Würtemberg? rief sie, ich sollte Trost bei Gott suchen? O Gott hat mich schon getröstet, und er wird mich noch mehr trösten, trösten durch den Mund seines Dieners. Gieb mir meinen Schleier, ich will in die Kirche, ich will beichten. Der ehrwürdige Pater Johann wird mir sagen, was ich tun soll.
Wollt ihr es wagen? fragte das Mädchen. Das Volk ist aufgebracht wider euch, es könnte euch ein Unglück – Gieb mir den Schleier, rief Ida, ich wage alles, ich habe nichts auf der Welt zu verlieren. – Es ist wohl nicht nötig euch zu begleiten? fragte die Dirne – Tue was dich recht dünkt, erwiderte Ida. –
Ida trat ihren Weg an, ohne sich umzusehen; sie hüllte sich dicht in ihren Schleier, um nicht erkannt zu werden. Hier und da tönte ihr ihr Name mit Verwünschungen begleitet in die Ohren. Das Volk schien mehr von ihren Beschuldigungen zu wissen, als sie selbst. Die Namen Zauberinn, Mörderinn, Hochverräterinn, schwebten ihr bisher ohne weitern Zusammenhang vor, jetzt erst erfuhr sie aus einigen abgerissenen Reden der vor ihr übergehenden, dass sie die Untaten, die man ihr Schuld gab, an ihrer besten Freundinn, an der angebeteten Sophie, sollte verübt haben. Es fehlte unterschiedliche mahl wenig, dass sie nicht zu Boden sank, sie wankte und musste sich an den Mauern fest halten.
Endlich kam sie in die Kirche, wo sie bei ihrem einigen noch übrigen Freunde, ihrem Beichtvater, Rat und Trost holen wollte. Es war schon weit gegen den Abend, sie ging durch die dämmernden Hallen des Gewölbes, setzte sich