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Vornehmsten ausgesandt, ihrer Monarchinn beim Wochenbette aufzuwarten, und als Zeugen bei Aufnahme des jungen Herrleins (ein Prinz musste erscheinen) in den Schooss der Christenheit gegenwärtig zu sein. Von Fürsten und Herren war zu dieser feierlichen Handlung niemand erbeten, als der Herzog von Bayern, der Vater der erhabenen Kindbetterinn, und der Graf von Würtemberg, ihr Pate.

Sie so wohl als die treuen Böhmen erschienen zu rechter Zeit, und es fehlte niemand mehr zu Feierung des grossen Festes, alsdie Hauptperson, er, um dessen willen alle zugegen waren, Kaiser Wenzels künftiger Erbe. –

Der gewünschte Tag verzog sich von einer Zeit zur andern, die kaiserin war kränklich, ihre Schwäche verwandelte sich in Krankheit, in gefährliche Krankheit, sie war dem tod nahe, das ganze Land schrie um ihre Rettung zum Himmel, undendlich erschien eine tote prinzessin!

Ich weiss nicht, ob es in den damaligen zeiten etwas unerhörtes war, auf diese Art in seinen liebsten Hoffnungen getäuscht zu werden, oder ob wenigstens Fürsten dieses niemals wiederfuhr; genug, diese traurige Begebenheit verbreitete ein solches Schrecken über alle, welche nah und fern davon hörten, als wenn nie zuvor auf diesem Erdenrund etwas ähnliches geschehen wär. Die Personen, welche hieran Anteil nahmen, und wer nahm nicht an allem Anteil, was die geliebte Sophie betraf, teilten sich in zwei Haufen, davon der eine sich mit den Vorzeichen, der andere mit den Ursachen dieser grossen Begebenheit beschäftigte, indessen nur wenige an das wichtigste, an die Folgen derselben dachten.

Die Lehre von den Vorzeichen war damahls einer der wichtigsten Glaubensartikel, und ich hätte niemand raten wollen, denen zu widersprechen, welche alle, seit zehn Jahren erschienene Kometen, Himmelszeichen, und gewöhnliche Naturprodukte, auf Sophiens todtgeborne prinzessin deuteten. Diejenigen, welche sich bestrebten die ursache von der fehlgeschlagenen Hoffnung eines ganzen volkes zu ergründen, verstanden noch weniger Scherz als ihre Gesellen von der ersten Ordnung, und es würde bei ihnen Hochverrat gewesen sein, wenn man hätte mutmassen wollen, dass die unzeitige Reise, oder die unwissenden ärzte der hohen Kindbetterinn, hier wohl einigen Einfluss haben möchten, oder dass das letzte Aergerniss der kaiserin könne geschadet haben, als sie durch dienstfertige Briefe aus Prag erfuhr, dass die Susanne, von welcher man ihr beredet hatte, sie sei gänzlich abgetan, wieder erschienen sei, ihren Platz an Wenzels Seite öffentlich behaupte, in den kaiserlichen Zimmern als in den ihrigen haus, und keine geringen Hoffnungen auf Sophiens Tod baue, welcher bei ihrer Niederkunft wohl erfolgen könne.

Dinge von dieser Art waren nichts in den Augen unserer Klügler, ihre Nachforschungen gingen weiter. Zauberei, Zauberei war es, was das Land um seine Hoffnungen gebracht hatte, hier musste der Arm der Gerechtigkeit schleunig Einhalt tun, dass das Uebel nicht weiter ging, und sich vielleicht gar an Sophiens geheiligter person vergriffe, welche immer noch zwischen Tod und Leben schwebte. Das ganze Frauenzimmer der kaiserin ward eingezogen, selbst die fürstin von Ratibor nicht ausgenommen, nur Ida blieb in dem ruhigen Besitz ihres Zimmers, und hatte über nichts zu klagen, als dass man ihr nicht verstattete ihre geliebte Gebieterinn in ihrer Schwachheit zu warten, welche ihren Namen alle Stunden nannte, und behauptete, sie könnte ohne ihre Ida weder leben noch sterben.

Die Untersuchung ging schnell und streng vor sich. Der Herzog von Bayern und der Graf von Würtemberg, die Vorsitzer des Gerichts, waren der erhabnen Leidenden viel zu sehr ergeben, waren viel zu gute Christen, als dass sie da mit Schonung hätten verfahren sollen, wo man Zauberei ahndete. Doch, so streng auch die Untersuchung sein mochte, so wurden doch alle beschuldigte Damen auf das erste Verhör losgesprochen, und selbst die fürstin von Ratibor bekam nicht den kleinsten Verweis, dass sie so schlecht für das Wohl ihrer kaiserin gewacht hatte, ihr einen Brief mit den obengemeldeten in die hände kommen zu lassen; man wusste von diesem Briefe, wusste, dass Sophie nach Lesung desselben ohnmächtig geworden, mit Konvulsionen und heftigem Frost zu sich selbst gekommen, und von da an, bis zu dem Augenblick ihrer Niederkunft, bis auf den gegenwärtigen Augenblick dem tod nahe gewesen war, aber mein Gott, davon war ja die Rede nicht. Die Untersuchung ging auf übernatürliche Künste, welche Sophien und ihr Kind ums Leben gebracht haben sollen, und hievon fanden sich bei dem unschuldigen Frauenzimmer nicht die kleinsten Spuren.

Ida beklagte ihre unglücklichen Mitschwestern, auch nur in den entferntesten Verdacht solcher Dinge, an welche sie mit allen ihren Zeitverwandten von ganzem Herzen glaubte, gekommen zu sein; sie meinte, sie hätte einen solchen Verdacht nicht überleben können. Sie priess sich glücklich allein ausgenommen worden zu sein, und hofte, da sie hörte, dass die fürstin von Ratibor und die andern wieder los seien, und bei der Kaiserin die Aufwartung gehabt hätten, auch sie würde nun die geliebte Sophie wieder zu sehen bekommen.

Sie hatte sich eines Morgens völlig ankleiden lassen, um, wenn sie nach hof berufen würde, fertig zu sein, als ihr Mädchen mit einem Gesicht herein trat, welches der lebendige Abdruck des Entsetzens und der Verzweiflung war, sie trug einen Zettel in der Hand, den sie ihrer Gebieterinn schien überreichen zu wollen, aber ehe sie sich ihr nähern konnte, sank sie ohnmächtig zu Boden. Ida sprang zu, ihr zu helfen, allein als sie ihren Namen auf dem auf der Erde liegenden Zettel erblickte, so überwand die Neugier das Mitleid,