. Schon hatte Wenzel mit den Vornehmsten von Sophiens Hofstatt gesprochen, und der geringere teil derselben sollte wie gewöhnlich auf allgemeine Art entlassen werden, als Ida aus dem Haufen ihrer jungen Gespielinnen hervorgerufen und bedeutet wurde von den Kaiser zu treten.
Seid ihr Ida Münsterinn? fragte er.
Das Mädchen antwortete mit einer bejahenden Verbeugung.
Ein Wink des Kaisers befahl einem hinter ihm stehenden Geheimschreiber, ihr ein grosses Pergament mit dem kaiserlichen Siegel zu überreichen.
Ida ward bestürzt.
Ihr könnt dieses Geschenk, sagte Wenzel, nicht so ausserordentlich finden, als es mir selbst vorkommt, aber man hat es für gut gefunden es für euch bei mir zu suchen, und ich bin ein zu liebreicher Vater meiner Untertanen, um auch dem geringsten von ihnen eine mögliche Bitte zu versagen. Geht, und seid meiner kaiserlichen Gnade versichert.
Ida trat voll Verwirrung zurück. Jedermann drängte sich um sie, jeder wollte den Inhalt dieses rätselhaften Blattes wissen, aber sie eilte zu der kaiserin es ihr zu überreichen, welche es einem Kammerherrn gab, der es zu allgemeinem Erstaunen folgendermassen vorlas:
"Wir Wenzeslaus etc. nehmen dich Ida Münsterinn in unsern kaiserlichen Schutz, so dass wir dein Leben und deine Ehre von der Hand dessen fordern, auf welchen der kleinste Schein des Verdachts beruht, sie angetastet zu haben, auch begnadigen wir dich mit dem Vorrechte, dass keiner über dein Leben und Tod zu sprechen habe, als wir, auch keiner dich wegen irgend einer Anschuldigung belangen könne, als vor unsern unmittelbaren Gericht, oder vor denen welche unter Königsbann an unserer Stelle sitzen. etc."
Wer verkennt hier wohl die Hand der guterzigen, der voreiligen Münsterinn, sie hatte nichts unterlassen wollen, die geliebte Ida sicher zu stellen, und hatte also für das beste gehalten, ihr den unmittelbaren kaiserlichen Schutz zu erkaufen. Wenzel, welcher immer bereit war das zu tun was man auf diese Art von ihm bat, hatte – (vielleicht im halben Rausche) eine Schrift ausfertigen lassen, welche jedermann ein Rätsel sein musste, und die im grund derjenigen, welcher sie zum Besten gereichen sollte, mehr Nachteil als Nutzen brachte.
Jedermann sah sich nach Verlesung dieses Schreibens mit verwunderungsvollen Augen an, einige verächtliche Seitenblicke fielen auf Ida, und alle kamen darin überein, es müste eine ausserordentliche Bewandnis mit diesem Mädchen haben. Ordentlicher Weise brauche die Unschuld keinen andern Schutz als sich selbst; so viel man wisse, habe noch niemand es sich einfallen lassen, verdächtige Anschläge auf Ida zu machen, oder sie vor irgend einem Gericht zu belangen, dieses müsse vorborgene Bewandnisse haben, und was der seltsamen Reden mehr waren.
Ida stand voll Bestürzung da, sie fühlte, dass diese seltsame Begebenheit einen verdächtigen Schein auf sie warf, ungeachtet sie von allen dem, was darüber gesprochen wurde, nichts vernahm, sie nahte sich der kaiserin, und bat um Erlaubnis, dieses ausserordentliche Gnadenschreiben dem Monarchen in Demut zurückgeben zu dürfen. Ich fordere, sagte sie, keine andere Sicherheit als die ein jeder in dem Schutz eines guten Fürsten findet, keine andern Vorrechte als die mir die Gnade meiner kaiserin gewährt.
Nein, nein, rief Sophie, die die ganze Sache aus einem andern Gesichtspunkte ansah als die andern, mit einem kleinen lachen, nein, nein Ida, dieses Schreiben will ich zu deinem Besten verwahren; und wenn es weiter keinen Nutzen hat, so wird es einst deinen Enkeln sagen, dass du ein würdiger Gegenstand der besonderen Vorsorge deines Fürsten warest.
Diese Begebenheit ward ein Gegenstand des allgemeinen Gesprächs, sie kam vor Münsters Ohren, ehe Ida noch gelegenheit hatte, ihn selbst davon zu benachrichtigen. Er erriet den Ursprung derselben ohne Mühe, und hielt mit seiner Frau ein sehr ernstaftes Gespräch über die seltsamen Dinge, die sie die Neigung für ihren Liebling begehen machte. Die Münsterinn beteuerte, dass sie nichts bei dem Kaiser gesucht habe, als sein besonderes Ansehen auf Idas Bestes, ohne eben darüber eine schriftliche Ausfertigung, ein Schreiben in Gestalt eines eisernen briefes zu fordern. – Münster, welcher seine Frau selten auf einer Lügen ertappt hatte, glaubte ihr, und das Ganze musste also einer von den Streichen sein, wie Wenzel sie zuweilen im Rausche beging, wenn man es nicht lieber einen sonderbaren Zug des Schicksals nennen will, eine von ihm ausgezeichnete person ausserordentlichen begebenheiten entgegen zu führen.
Siebzehntes Kapitel.
Ein fürchterliches Ungewitter.
Ida letzte sich mit ihren Eltern. Die Mutter schwamm in Tränen, aber der Vater war getrost, und sprach von baldigem Wiedersehen.
Der Abschied war auf allen Seiten vorbei, die Reise ward angetreten, aber, verzeihet meine Leser, wenn ich von dieser Gegend meiner geschichte bis auf einen gewissen Zeitpunkt, so wohl was Zeit als was den Ort betrift, unbestimmt reden muss, die Mängel meiner Urkunden sind ursache an meiner Ungewissheit.
Die kaiserin hatte den Ort, an welchen für diesmahl ihre Reise ging, in einer Zeit erreicht, die ich nicht nahmhaft zu machen weis, sie sah ihrer Niederkunft täglich entgegen. Den Kaiser hielt Krankheit oder etwas anders ab, nicht so wie ihm zukam, bei dieser grossen Begebenheit gegenwärtig zu sein, doch hatte er sorge getragen, alles zu bestimmen wie es in seiner Abwesenheit bei der Erscheinung des jungen Tronerben sollte gehalten werden. Die Böhmen murrten, dass man durch eine unzeitige Reise sie um das Glück gebracht hatte, ihren künftigen Beherrscher in seinem land zum erstenmahl weinen zu hören; um sie zu trösten, ward ein engerer Ausschuss ihrer