. Man sagte ihm zu wiederholten mahlen, dies bewunderte Mädchen nenne sich Ida Münsterinn, aber der Name schien nicht die Würkung zu haben, die man erwartete; er fuhr fort zu schauen, und gelegenheit zu suchen diese ausserordentliche person auch zum Sprechen zu bringen. Das letzte mislang. Ida floh ihn auf alle mögliche Art, weil sie seine Liebe merkte, die Anträge eines Prinzen nicht anhören, ihre Freundinn nicht ausstechen, und Herrmann nicht vergessen mochte. – Der junge Italiäner hielt sich nur so lange zu Prag auf, als er Zeit brauchte, sich zu überzeugen, dass er nichts von derjenigen, die er liebte, zu hoffen hatte. Er vergas in der Eil von der prinzessin von Ratibor Abschied zu nehmen, und hatte überhaupt während seinen ganzen Aufentalt an Wenzels hof, nicht ein Wort von der Ehre gedacht, welche man ihn daselbst zuteilen wollte.
So war denn die gute Imago sammt ihrer ehrgeizigen Mutter abermahl getäuscht. Man war so weit gegangen unter der Hand schon die Glückwünsche des Hofs zu der bevorstehenden Vermählung anzunehmen, und die Beschämung, zurück gesetzt zu sein, war also nicht gering.
Alle Schuld der fehlgeschlagenen Hoffnung ward auf die unschuldige Ida geschoben, welche weiter nichts verbrochen hatte, als das sie schöner war als Imago, als die meisten ihrer Gespielinnen. Die Oberhofmeisterinn und ihre Tochter vermochten die Wut, die in ihren Herzen kochte, fast nicht mehr zu bergen, und Ida würde schreckliche Dinge geahndet haben, wenn ein Verdacht in ihr unbefangnes trugloses Herz hätte kommen können.
Ihre sogenannten Eltern dachten in diesem Stücke anders. Beide hielten es nicht für gut das junge Mädchen furchtsam zu machen, aber ihr gefahrvoller Stand war oft bis tief in die Nacht der Gegenstand ihrer ängstlichen Beratschlagungen, und jedes beschloss in der Stille seine Maasregeln zu nehmen, damit das Leben und die Ehre derjenigen, welche ihnen so teuer war, auf alle Art sicher gestellt würde.
Die alte Münsterinn war in diesem Stück noch weit ängstlicher und sorgsamer als ihr Mann. Der Fürst von Ratibor und sein ganzes hohes Haus war bei ihr in sehr schlechtem Kredit, sie wusste hundert Geschichten zu erzählen, von welchen immer eine schrecklicher als die andere war, und welche alle bewiesen, dass diejenigen, welche das Unglück hatten, ihm oder den seinigen zu missfallen, sich aus der Welt verloren, ohne dass man genau zu sagen wusste, wohin sie gekommen waren; wie leicht war es, dass die unglückliche Ida auf ähnliche Art verloren ging, und welche Sicherheit konnte der besorgten Matrone, die den Mutternamen bei dem jungen Mädchen führte, wohl gross genug sein, ihr Leben zu schützen.
Es ist zu glauben, dass alle die Dinge, mit welchen sich die alte Münsterinn quälte, in die Reihe der Gespenstermärchen gehörten, welche zu den damahligen zeiten sehr Mode waren, aber leider haben erdichtete Schreckbilder einen eben so grossen Einfluss auf schwache Gemüter als Wahrheiten, und sie haben vor den letzten noch das zum Voraus, dass man um ihnen zu entfliehen meistens Mittel wählt, die so seltsam ersonnen sind, dass sie uns würklichem Unglück entgegen führen.
Und die Besorgnisse im münsterschen haus zu vermehren, entstand das Gerücht, welches bald darauf von Idas Mund bestätigt wurde, dass die Reise des Kaisers nach Westphalen, von welcher so lang gesprochen worden war, in wenig Wochen vor sich gehen, und dass also Ida, wenn sie dem hof folgte, bald ganz hülflos der Bosheit ihrer Feinde überlassen sein würde.
Münsters erster Gedanke auf diese Nachricht war seine so genannte Tochter wieder in sein Haus zu nehmen; seine Frau stimmte diesmahl aus vollem Herzen ein, und Ida, welche nie einen andern Willen hatte, als diejenigen, welche sie ihre Eltern nannte, widersprach nicht.
Der Antrag ward getan. Aber die kaiserin hatte sich so an ihre reizende Gesellschafterinn gewöhnt, dass an keine Trennung zu denken war, und dass die Bitte des alten Münsters, die er in person vortrug, abgeschlagen ward. Ich danke euch, guter Alter, sprach Sophie mit ihrer gewöhnlichen Herablassung, ich danke euch, dass ihr mir eure Tochter so lang gönntet, aber wollt ihr sie jetzt von mir nehmen, so ist das vergangene kaum dankenswert, den es nahen sich mir jetzt Stunden, in welchen ich die liebreiche Wartung, und die heitere Unterhaltung des guten Mädchens doppelt nötig habe, sie muss mir die Geister des Unmuts hinwegschwatzen und spielen; oder gönnt ihr ihr nicht die Ehre, eurem künftigen Herrn die ersten Wiegenlieder zu singen?
Dieses hies den alten Münster auf seiner schwachen Seite angreifen. Es verstand sich, dass an Idas Rückkehr in sein Haus nicht mehr gedacht wurde, da aber nichts im stand war seine Besorgniss um sie, wenn er nicht täglich von ihr hören konnte, zu heben, so fasste er einen Entschluss, den wir in der Folge sehen werden; seine Frau fasste in der Stille auch den ihrigen, setzte ihre noch übrigen hundert und funfzig goldne Schilde daran ihn auszuführen, und ging dabei mit ihrer gewöhnlichen Voreiligkeit zu Werke.
Der Tag der Abreise nahte heran, aber es ereigneten sich Umstände, welche weder die geschichte noch die Sage3 deutlich benennt, die Wenzeln nötigten, noch einige Zeit in Prag zurück zu bleiben, und seine gemahlin nebst ihrer Hofstatt allein abgehen zu lassen.
Der ganze Hof war zur Abschiedsaudienz im Vorgemach des Kaisers versammelt, als sich eine Sache zutrug, welche jedermann, und diejenige, welche sie unmittelbar betraf, in das grösste Erstaunen setzte