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aber es ereignete sich das Gegenteil. Sie schien ihr gewogen zu werden, sie gestattete ihrer Tochter mit ihr zu sprechen, lud sie zuweilen in ihren Pallast ein, und trat endlich mit dem Antrage hervor, Imagos Lehrmeisterinn in der Tonkunst zu werden; ein Zumuten, welches Ida mit soviel Herzlichkeit annahm, als sie ein ihr vorläufig angebotnes sehr kostbares Geschenk für diese Bemühung ausschlug und alle künftige Erbietungen von dieser Art verbat.

Ida war also, so oft es die Aufwartung bei hof erlaubte, in dem haus der fürstin von Ratibor, – sie suchte Imagos Talente auszubilden, künstelte zuweilen an ihrem verschobenen Charakter, suchte Gefühle in ihr zu erwecken, welche ihrem stand angemessen warenabernicht aus jedem Holze lässt sich ein Götterbild schnützen. – Imago blieb was sie war, und gab Ida zu verstehen, dass sie sie lieber unter dem Namen der Freundinn als der Lehrerinn um sich dulden möchte.

Die jungen Mädchen wurden vertraut, es gab Stunden, wo man den Unterscheid des Stands ganz zu vergessen schien; sie spazierten, sie spielten, sie badeten mit einander und zuweilen geschahe es, dass sie sogar auf einem Lager ruhten. Die alte Münsterinn freute sich dieser Ehre, wenn Ida bei ihren Besuchen ihr zuweilen davon erzählte, aber ihr Mann schüttelte den Kopf und erzählte die Fabel von der irdenen und ehernen Schale, welche er einmal von einem Mönche gelernt hatte; – Vertraulichkeiten von dieser Art, sagte er, haben ihre eigenen Folgen, man entdeckt sich einander zu treuherzig, und hat oft in der Folge ursache es zu bereuen. Es sollte mich wundern, wenn die prinzessin noch nie Versuche gemacht hätte, deine kleinen Geheimnisse auszuspähen. –

Geheimnisse mein Vater? rief die lächelnde Ida, ich habe keine!

Münster drohte mit dem Finger, und nannte den Namen Herrmann.

Es ist wahr, erwiderte Ida mit Erröten, Imago hat etliche mahl mit mir über diesen Namen gescherzt, ich muss ihn im Traum genannt haben, denn wachend erwähne ich ihn nie.

Ich wollte du tätst es auch nicht im Traum, sprach Münster, der sich nicht entalten konnte über die unschuldige Antwort des Mädchens zu lachen.

Und dann, fuhr Ida fort, jetzt fällt mir noch etwas ein, welches die prinzessin tat, und das mir nicht ganz lieb war. Ihr wisst doch das kostbare Geschenk meiner kaiserin, ihre Locke; ich habe sie, seit ich bei hof bin, nicht öffentlich getragen; ein solcher Schmuck würde mir ein prahlerisches Ansehen gegeben haben, aber mich gänzlich von diesem lieben Kleinod zu trennen war unmöglich, es kommt nie aus meinem Busen, wird nie abgelegt als wenn ich bade. Bei einer solchen gelegenheit sah es die prinzessin, und hatte mir es, ich weis nicht aus welcher Neckerei, heimlich entwendet. – Ich leugne nicht, es entstand ein kleiner Streit unter uns, sie wollte mir es nicht gestehen, bis ich die goldne Schnur an ihrem Halse sah, und damit die Locke aus ihrem Busen hervorzog, noch hielt sie sie scherzend fest, und wollte mir sie nicht ehe überlassen, bis ich ihr die geschichte, wie ich zu diesem Geschenk kam, umständlich erzählt hatte; sie schien schon von dem ganzen Vorgang durch ihre Mutter unterrichtet zu sein, welche, wie ihr wisst, bei dieser gelegenheit gegenwärtig war, und drang nur in mich zu wissen, was ich mit diesem seltsamen Schmuck mache; ich lachte und machte einen Scherz daraus. Ich glaube, sagte ich, die kaiserin wird mich immer lieben, so lange ich einen teil von ihrem Selbst auf meinem Herzen trage.

Das war eine sehr wunderliche Rede, sprach Münster mit Kopfschütteln, und ich bitte dich nochmals, mein Kind, sei behutsam, und hüte dich für allzugrosser Vertraulichkeit mit Personen, welche es, wie ich gewiss glaube, im grund böse mit dir meinen.

Sechszehntes Kapitel.

Ein seltsames Gnadenschreiben.

Der junge Prinz, auf den man für die prinzessin von Ratibor die Augen geworfen hatte, erschien. Es war ein reicher Herr von den grössten Hoffnungen aus dem haus Viskonti. Vorläufige Unterhandlungen waren schon getroffen, man hatte ihm von Imagos Schönheit mit den gewöhnlichen Vergrösserungen gesprochen, er brannte vor Verlangen sie zu sehen, er ward ihr vorgestellt, und wahrscheinlich machte er einen grösseren Eindruck auf sie, als sie auf ihn, denner sah sie an Idas Seite. Welches Mädchen hätte neben dieser auf Eroberungen Anspruch machen können! und was hatte die prinzessin von Ratibor, sie, die den meisten andern Schönheiten nachstehen muste, was hatte sie denn zu erwarten. Er wandte kein Auge von Ida, und selbst nachdem man ihm von dem geringen stand derjenigen, welche seine Aufmerksamkeit zu reizen schien, Nachricht gegeben hatte, welches unvorzüglich geschah, selbst dann konnte er sich noch nicht überwinden, seiner bestimmten Braut etwas mehr als etliche Seitenblicke zu gönnen, indessen er fortfuhr, sich in Idas Anschauen zu vertiefen, welche hiedurch so aus aller Fassung gebracht wurde, dass sie sich entfernen musste.

Ida ward nicht mehr in den Pallast der fürstin von Ratibor gefordert, und Imago schien, wenn sie sie bei hof traf, ihre alte Freundinn nicht mehr zu kennen. Der Prinz besuchte den Pallast der fürstin von Ratibor oft, ohne diejenige wieder zu finden, welche er eigentlich daselbst suchte, er sah Ida bei hof, und brauchte eben so wenig Vorsicht die Bewunderung, mit welcher er sie betrachtete, zu verbergen, als bei ihrem ersten Anblick