ab, dass der schwankende Tron des schwelgerischen Wenzels durch einen Reichsnachfolger befestiget wurde.
An diesem Abende also, der so ganz leer an Zeitvertreib war, fiel es der kaiserin ein, ihre Jungfrauen aufzufordern, und einen Preis für diejenige aufzusetzen, welche irgend ein Mittel ausfündig machen könnte, ihr die schleichenden Stunden angenehm zu vertreiben.
Augenblicklich kam alles in Bewegung, jede der jungen Damen wollte ihre Geschicklichkeit zeigen. Die Sängerinnen, die Tänzerinnen, die Märchenerzählerinnen drängten sich herbei, und taten ihr Werk so gut sie konnten, aber entweder sie verstanden ihre Künste schlecht, oder der Geist des Unmuts, der Sophien quälte, war so hartnäckig, dass er keiner Beschwörung weichen wollte. – O schweiget, schweiget! rief die kaiserin, hört auf, ich bitte euch! Was für Töne! was für Schritte! welche langweilige Tiraden! wie unglücklich bin ich solche ungeschickte Geschöpfe an meinem hof zu haben!
O ihre Majestät klagen nicht, rief die boshafte Ratibor. Hier ist ja noch die Münsterinn übrig, sie steht so müssig und unbesorgt da, als ob die Bedienung ihrer fürstin sie nichts anginge, und doch zweifle ich nicht, sie wär im stand alle unsere fräulein mit ihren Talenten zu verdunkeln. kommt her, Jungfer, fuhr sie in ihrem höhnischen Tone fort, sprecht, was für Künste versteht ihr die kaiserin zu unterhalten? Ihr müsst nicht glauben, dass man um nichts und wieder nichts, eine solche Stelle wie die eurige einnimmt.
Ohne Zweifel war es die Absicht der heimtükischen Oberhofmeisterinn, Ida durch eine unvorhergesehene Aufforderung, durch eine Aufforderung in diesem Tone, so aus der Fassung zu bringen, dass sie, sie möchte auch können was sie wolle, mit Schande bestehen müsse. – Ihr Anschlag verunglückte. Ich spiele ein wenig die Harfe, sagte Ida mit einer freimütigen Verbeugung, und ich würde schon um erlaubnis gebeten haben sie zu holen, wenn ich es hätte wagen dürfen, Geschicktern als ich vorzugreifen, oder wenn ich hoffen könnte. – –
O hole, hole sie, mein Kind! rief Sophie, ich liebe sie, die Harfe! Ida entfernte sich, und die fürstin von Ratibor erwähnte indessen gegen die kaiserin, dass sie nächstens ihre Tochter aus dem Kloster erwarte, welche, wie man ihr sage, die Harfe meisterhaft spiele.
Ida trat indessen mit ihrem Instrument herein, stellte sich Sophien zur Seite, griff einige vorläufige Accorde, welche die Meisterinn bezeichneten, und begann – o ihr Genien der Harmonien, welcher unter euch gab ihr den Gedanken ein – begann das Lied, das auf die kaiserin an ihrem Vermählungsfeste so eine wundernswürdige wirkung tat. – Sophie atmete kaum, sie heftete ihr Auge fest auf ihre reizende Harfnerinn, die mit ihrem unschuldigen Engelsblick da stand, als ob sie nichts sähe als ihre saiten, und bald darauf ihr schönes Auge erhob, um den Worten, die sie ihrer entzückten Zuhörerinn sang, doppelten Nachdruck zu geben. – Das Lied war zu Ende, Sophie sass noch mit starr auf sie geheftetem blick, als spähte sie dem letzten Ton der Harmonie nach, da trat das liebliche Mädchen näher, setzte ein Knie auf die Erde, nahm den Blumenkranz von ihrem Haar, und legte ihn, wie es die Worte des Gesanges heischten, zu Sophiens Füssen. –
Himmlisches Mädchen! Zauberinn! rief Sophie, indem sie die arme um Idas Nacken schlug, und sie küsste. Welche Empfindungen hast du in meine Seele zurück gerufen! – Steh auf, mein Kind, sagte sie nach einer Weile, als sie die Blicke ihrer Aufmerkerinn, der Ratibor, fest auf sich gerichtet sah, steh auf, du hast deine Sachen gut gemacht! – Der blick und der Ton der kaiserin bei diesen Worten war nicht ganz so gnädig als ihre Umarmung. Ida erkühnte sich noch einmal, die dargebotne Hand zu küssen, und trat auf die Seite.
Und wär Ida die ausgelernteste Seelenkennerinn gewesen, so hätte sie nichts wirksameres ersinnen können, das Herz der kaiserin völlig zu erobern, als das Lied das sie sang. Sophiens Empfindungen bei der Erscheinung der jungen Mädchen an ihrem Hochzeitfeste mussten entzückend gewesen sein, da schon die blosse Erinnerung an diesen Auftritt sie so bezaubern konnte. Doch Dinge von dieser Art sind nichts ungewöhnliches; für wem gibt es nicht gewisse Töne, gewisse Winke, welche ihm den oder jenen Auftritt seines Lebens dermassen vergegenwärtigen können, dass er alles, was er damals fühlte, von neuem zu erfahren glaubt, und, ist die Erinnerung von angenehmer Art, durch einen unwiderstehlichen Zug zu demjenigen hingerissen wird, der sie hervorbrachte?
Sophie war aufgestanden, und trocknete am Fenster ihre Augen. Die Fräuleins musterten die ruhig an ihre Harfe gelehnte Ida mit neidischen Blicken, und die Oberhofmeisterinn merkte an, dass es sehr spät sei, dass ihr Majestät der Ruhe bedürften, und dass man sich entfernen müsse. Sophie jahte es, und man gehorchte.
Funfzehntes Kapitel.
Volles Licht des Hofglücks.
Ohne Zweifel hätte die fürstin von Ratibor es gerne gesehen, wenn die junge Harfenspielerinn das Zimmer ihrer Gebieterinn auf jene Art hätte verlassen müssen, wie eine ihrer Kunstverwandtinnen in unsern zeiten, aber entweder war es etwas leichteres vor einer kaiserin als vor einer königin von Frankreich zu spielen, oder Ida war ihres Instruments mächtig, und der Gegenwart einer Monarchinn gewohnt genug, um weder von dem einen noch dem andern bis zur Ohnmacht angegriffen zu werden, und sie entfernte sich also nebst den andern ruhig mit ihrer