habt ihr mich entzückt! Ja, ja! ich will eure Mutter sein, euer und mein Herr soll durch mich euer Vater werden! wie lauteten die Worte eures Lieds? – o wiederholt sie noch einmal.
Man machte sich gefasst, den Befehl zu erfüllen, aber Sophie winkte mit der Hand, ohne Gesang, rief sie, eure Melodie ist entzückend, aber ich will jetzt bloss die Worte eures Liedes.
Die Führerin gehorchte und wiederholte, was ihre Gespielinnen gesungen hatten, mit einem Nachdruck, mit einem Anstand, der dem, was sie sagte, noch mehrern Reiz gab, als es durch die Begleitung der Musik erhalten konnte.
Sophie weinte, sie hielt fest die Hand der Rednerinn in der ihrigen. Ja, rief sie, indem sie ihren Vater ansah, ja ich gelobe es euch und diesen unschuldigen Seelen, ich will ihre Mutter sein, will es gern sein, will nicht –
Ein Wink des Herzogs warnte sie, nicht zu vergessen, das sie in zahlreicher Versammlung, nicht mit ihm allein sei. – Sophie schwieg, und verwandelte das, was auf ihrer Zunge war, in eine Frage nach dem Namen der Sprecherin. Wie heisst du, mein Kind? sagte sie mit liebreichem Ton, – Ida: antwortete die Gefragte mit niedergeschlagenen Augen – Ida? wiederholte Sophie, ich kannte einst eine Fürstin dieses Namens, bist du vielleicht –
Mein Name ist Ida Münsterinn, erwiderte das Mädchen, indem eine glühende Röte ihre Wangen überzog, und ich bin die Tochter eines Bildners. –
Die Tochter eines – wie? so schön? so edel? so – wie soll ich es nennen, und nur die Tochter eines –
Mein Vater ist ein sehr ehrlicher Mann, ein treuer Untertan seines Kaisers.
Ausserordentliches Mädchen! einzige in deiner Art!
O nein, rief Ida, indem sie einige Schritte zurück trat, und auf ihre Gespielinnen zeigte. Wie manche ist unter diesen, die mir es gleich tut, wie manche die mich übertrift?
Wir können hier nicht unterlassen, unsern Lesern zu sagen, dass Ida sich in diesem Urteil gewaltig irrte. Ihre Gefährtinnen waren alle ganz gute, schöne und artige Geschöpfe, aber keine konnte sich nur auf die entfernteste Art mit ihr vergleichen. – Allen sah man ihre Abkunft, allen sah man es an, dass sie nur zur Feier dieses Tages über ihren Stand geschmückt waren, indessen Ida bei all ihrem Schmuck nur ihr tägliches Kleid zu tragen, und der erhabenen Dame, mit welcher sie sprach, trotz ihrer demütigen schüchternen Geberde, an stand gleich zu sein schien.
Sophie nahm Idas verdeckte guterzige Weisung an. Ihr seid alle meine Kinder, seid mir alle lieb, rief sie, indem sie beide hände nach den Knienden ausstreckte! Ich muss euch belohnen, muss euch ein Zeichen meiner Gnade sehen lassen. Hier, kleine Blondine, und hier du mit den schalkhaften Augen, hier ein Andenken von mir! erinnert euch dabei eurer Mutter, eurer Kaiserin. – arme, Brust, und Haarlocken wurden bei diesen Worten geplündert, und der kostbare Raub unter die Mädchen ausgeteilt, welche furchtsam zögerten, die Hand nach dem dargebotenen auszustrecken.
Nehmt doch, nehmt! rief Sophie, welche alle Kostbarkeiten, die sie an sich trug, für ihr ausschliessendes Eigentum hielt, und noch nicht wusste, dass eine fürstin weniger über ihren Schmuck gebieten darf, als die Geringste ihrer Damen. Nehmt gute Kinder, und erinnert euch meiner!
Sophie war in einem fröhlichen Rausche, aus welchem sie durch die Fürstin von Ratibor geweckt ward, welche ihr etwas in die Ohren flüsterte. – Wenn ich kaiserin bin, erwiderte Sophie, so will ich mit dem Meinigen tun was mir beliebt! – Es erfolgte noch eine Einwendung von der fürstin, und Sophie rief, indem sie eine goldene Kette von ihrem Halse losmachte, sie wolle sich wenigstens nicht das Eigentumsrecht dieses ihres geliebtesten Schmucks streitig machen lassen. Hier, Ida, rief sie, es ist ein Geschenk meiner Pate der gräfin von Würtemberg, kein Eigentum der Krone.
Ida verbeugte sich. Ich trage bereits mehr Schmuck als meinem stand zukommt, sagte sie, indem sie sich mit einer Art von Beschämung betrachtete. Wird es zu kühn von mir sein, wenn ich die Gabe meiner kaiserin ausschlage, und um ein Gnadengeschenk nach meiner eignen Wahl bitte?
Fordre was du willst, rief Sophie, wer sollte dich vergebens bitten lassen.
O, rief Ida, eine von den glänzenden Locken, die auf diesem Busen spielen, welch ein Geschenk für mich! sie würde mir der schönste Schmuck, das grösste Ehrenzeichen sein! sie würde –
Schwärmerin! rief Sophie! und schnitt eine Locke ihres goldnen Haars mit einer solchen Heftigkeit ab, dass die Spitze der Scheere in ihren Busen fuhr, und ihr Gewand mit Blut färbte.
Ida war kühn genug die erste zu sein mit ihrem Schleier das Blut zu trocknen. Es erhob sich ein Geschrei, die Kaiserin sei verwundet, ungeachtet Schmerz und Wunde nicht viel mehr sagen wollte als ein Nadelstich. Man drängte sich herbei nach dem mächtigen Schaden zu sehen. Die Kaiserin war erschrockener durch den Lärm, den man um sie machte, als durch den unbedeutenden Unfall! die Fürstin von Ratibor entliess die zitternde Ida nebst ihren Gespielen mit oberhofmeisterlicher Strenge, und – man ging auseinander.
Drittes Kapitel.
Ein Gespräch im Brautgemach.
Schon die erste Erscheinung der Mädchen hatte die ganze Versammlung herbei gezogen, und selbst den schlafenden