gemeine Bürgermädchen, welches sich erkühnte, schöner und einnehmender zu sein, als ihr Stand mit sich brachte. Auch verlor Ida dadurch unendlich viel, dass sie Sophien aufgedrungen ward. Der Kaiser hatte mit seiner gewöhnlichen heroischen Art seiner gemahlin erklärt, dass er wünsche die junge Münsterinn unter ihrem Frauenzimmer zu sehen. Sophie hatte, wie sie denn manchmal pflegte, gefragt, warum? und Wenzel hatte sich wohl gehütet zu antworten, weil mir die Mutter zweihundert und funfzig goldne Schilde dafür gezahlt hat, sondern er hatte ganz kaltsinnig seinen Willen, und die Schönheit des jungen Mädchens zur ursache angeführt; eine Erklärung, welche von Sophien mit Stillschweigen und von ihrer Oberhofmeisterinn mit einem höhnischen Seitenblick auf ihre Gebieterinn beantwortet wurde.
Soll ich Ew. Majestät zur glänzenden Verwahrung ihrer Hofstatt glückwünschen? fragt die fürstin von Ratibor als sie mit Sophien allein war. Die kaiserin schwieg. – Nun wahrhaftig, fuhr die fürstin fort, wenn wir die gemeinen Bürgerdirnen unter unsere Fräuleins aufnehmen wollen, so wird unser Hof bald allen andern zum Muster dienen können! – Doch jedes Ding hat seine ursache. Die Münsterinn wird für schön gehalten wie ich höre, und Susanne wird alle Tage hässlicher. Ein kleiner Tausch, ein Wechsel ist ja wohl dem Herrn des deutschen Reichs erlaubt.
Man hört aus dieser probe, dass die Oberhofmeisterinn erlaubnis hatte, sehr frei mit Sophien zu sprechen, sie war die einige Vertraute von Wenzels unglücklicher Gemahlin und dieses gab ihr ein Recht, zu sagen was sie wollte. Sie fuhr in ihrer giftigen Rede fort, und fand so viel Eingang bei der Kaiserin, dass es Wunder war, wie Ida noch so empfangen werden konnte, als sie empfangen ward.
Das junge Mädchen merkte indessen wohl, dass sie hier andere Blicke würde ertragen lernen müssen, als sie gewohnt war, doch beredete sie sich, dies sei Hofton, und rechnete das, was ihr von dieser Art mehr als andern zu teil ward, sehr demütig auf ihren niedrigen Stand. Zuweilen fiel es ihr denn auch wohl ein, warum man sie aus ihrer Dunkelheit hervorgezogen habe, wenn man ihr nicht besser begegnen wollte, doch half ihr die fromme Einfalt ihres Herzens alles zum besten erklären, und alles ertragen.
Aller Augen waren indessen auf das junge Bürgermädchen gerichtet, ungeachtet alle sich stellten sie zu übersehen. Die Männer flüsterten sich hinter ihrem rücken zu; sie ist schön, sehr schön, und die Damen spähten mit Adleraugen nach Fehlern an derjenigen, welche so widerrechtlich in ihre glänzende Reihe eingeschoben wurde.
Keine von allen Frauen des Hofs war aufmerksa
mer auf Ida als die fürstin von Ratibor, sie lauerte auf gelegenheit die Meinung, die sie Sophien von ihr beigebracht hatte, zu bestätigen. Vergebliche Mühe! Die junge Münsterinn, wie man sie hier nannte, ging still und ruhig ihren Weg vor sich hin, ahndete nicht einmal, dass sie bemerkt wurde, und handelte doch so, dass sie die Augen der ganzen Welt zum Zeugen haben konnte. Sie füllte ihren Platz bei hof aus, wenn es ihr ziemte, brachte die übrige Zeit mit ihrem Mädchen auf ihrem Zimmer zu, ging täglich in die Kirche, besuchte ihre Eltern an den Tagen da es ihr erlaubt war, und führte sich, wenn Spiel oder Tanz bei hof war, so anständig auf, dass alle Pfeile der Verläumdung von ihr abprallten. Dazu kam auch noch, dass der Kaiser gar keine Notiz von ihr nahm, und dadurch die Winke der Fürstin von Ratibor, die sie Sophien des Abends von Idas Aufnahme gab, völlig Lügen strafte. Wenzel war wie bekannt, kein Feind der Weiber, aber die Schönheit der Dirnen, welche ihm gefielen brauchte von keinem so hohen Styl wie Idas Reize zu sein; Susannens person war so ohngefehr das Model von dem, was ihn fesseln konnte.
Da die Oberhofmeisterinn nichts schlimmers von dem jungen Mädchen zu sagen wusste, so schwieg sie gar. Sophie hörte nichts böses mehr von Ida, und da sie sie täglich in ihrer vollen Liebenswürdigkeit vor sich sah, so fing sie von neuem an ihr gewogen zu werden. Sie stach so gar sehr vor den andern Fräuleins hervor, welche sie zu bescheiden war, ihre Gespielinnen zu nennen, und die doch immer ihrer stolzen verächtlichen Blicke ungeachtet nur wie ihre Dienerinnen neben ihr standen. Es war in diesen jungen Personen ein unablässiges Streben einander zu verdunkeln, ein Haschen nach Blicken der Aufmerksamkeit, ein Ringen nach einem Lächeln ihrer fürstin, und dieses liess sie neben der holden unbefangenen Ida in einem unendlich nachteiligen Lichte erscheinen.
Es war zum Anfange schon genug, dass Herrmanns Geliebte nicht mehr von ihrer Gebieterinn verächtlich übersehen, dass sie mit einigem Wohlwollen angeblickt wurde, es war nur ein kleiner Zufall nötig, dieses Wohlwollen in Gewogenheit zu verwandeln.
Sophie hatte eines Tages Langeweile, wie es, wenn man es recht bedenkt, Fürstinnen in ihrer Lage oft begegnen muss. Es ist unbekannt, wie sie sich an den Tagen, an welchen sie keine Langeweile hatte, zu beschäftigen pflegte; aber so viel ist gewiss, dass an diesem alle gewöhnliche Artikel der Unterhaltung ausgegangen waren. So gar von Susannen gab es nichts zu sprechen, denn der Kaiser hatte jetzt, da sich einige Hoffnung zeigte, seine gemahlin würde ihn mit einem Erben beschenken, sich von seinen Räten bereden lassen, diesen Stein des Anstosses auf einige Zeit nach Kunradsburg zu schaffen. Die kaiserin durfte jetzt schlechterdings keinen Anlass zu Verdruss und Aergerniss bekommen, es hing zuviel davon