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weis nicht, sagte er, ob du so törigt gewesen bist, Winke von Idas wirklichem stand zu geben, aber so viel versichere ich dich, man wird sie nie für das erkennen, was sie ist, wenn ihr Vater sie nicht öffentlich seine Tochter nennt; spielt sie denn auf der andern Seite ihre Rolle bei hof als ein Bürgermädchen, so wird sie ihrer Schönheit und Tugend zum Trotz gehasst und verleumdet, und wenn auch die Gnade ihrer fürstin ihr zu teil werden sollte, doch verachtet werden. Der Neid ihrer Gespielinnen wird sie von der Stufe drängen, auf welche du sie ohne Schutz gestellt hast. Die zügellosen Sitten an Wenzels hof werden ihre Unschuld, oder wenigstens ihren guten Namen vergiften, undhöre die Strafe deiner Torheit, die dir in kurzem bevorsteht, und die dich wahrscheinlich am empfindlichsten kränken wird: du wirst das Vergnügen deinen Abgott, deine Ida zu sehen oder wenigstens eine nahe Zeugin ihres so genannten Glücks zu sein, nicht lang geniessen. Man spricht stark von einer Reise des Kaisers nach Westphalen, seine Gemahlin wird ihn begleiten, und Ida wird nicht zurück bleiben; es müsste denn sein, dass sie um diese Zeit schon ihre schimmernde Rolle ausgespielt, und beschimpft und verachtet in unser Haus zurück geschickt worden wär, welches freilich wohl sein könnte.

Vierzehntes Kapitel.

Hofscenen.

Die Münsterin brach in Tränen aus. Ihr Mann hatte recht; die letzte Vorstellung rührte sie am meisten. Ida nicht mehr zu sehen, welch ein Gedanke! Gern hätte sie zurück genommen, was sie getan hatte, um nur nicht die Trennung von derjenigen erfahren zu müssen, welche sie über alles liebte, aberes war nunmehr zu spät. – Ida ward noch diesen Abend zur kaiserin gerufen, und bedeutet, sie müsse sich entschliessen, das Haus ihrer Eltern zu verlassen, und das Hofleben zu versuchen.

Es ist unmöglich die Verfassung des jungen Mädchens bei einem Antrage zu beschreiben, der ihr so unerwartet kam, (denn die Reden ihrer Mutter dünkten ihr nur Scherz zu sein) dessen Grund sie nicht einsehen und von welchem sie sich selbst nicht erklären konnte, ob er ihr Freude oder Kummer machte. – Allerdings war etwas in ihr, das ihr sagte, sie sei nicht für die Sphäre geboren, in welcher sie bisher gelebt hatte; aber doch war auch so vieles, das ihr in ihrer bisherigen Lage gefiel. Sie sollte die ruhige Stille, die sie liebte, die ihrem sanften Charakter so angemessen war, mit dem Geräusch der grossen Welt vertauschen, sollte Eltern verlassen, um unter Fremden zu leben? – Münster sah ihren Kampf und beklagte sie. Ihre sogenannte Mutter drückte sie fest an ihr Herz, sprach vom Glück, Schicksal, Trennung, und tausend Dingen, deren Sinn das Mädchen nicht einsehen konnte, weil man nicht für gut fand, ihr den kleinsten Wink von demjenigen zu geben, was sie doch so nahe anging. – Vielleicht würde die Münsterinn jetzt bei dem Eintritt einer der wichtigsten Epochen ihres Lebens kein Bedenken getragen haben, ihr alle Geheimnisse zu entdecken, aber Münster verbot es ihr, und sie musste sich entschliessen, nach so vielen eigenmächtig getanen Schritten doch in einem Stücke zu gehorchen. – Die Kenntniss ihrer Herkunft nützt ihr nichts, sagte er, sie wird ohne dieselbe weit weniger Versuchung haben, von der Demut, der Bescheidenheit, der löblichen Zurückhaltung abzuweichen, die ihr zukommen, und die noch das einige sind, was sie auf dem schlüpfrigen Wege, den sie antritt, aufrecht erhalten können. Auch mag sie immer glauben, dass man sie aus eigner Bewegung nach hof fordert; dieses kann ihr auf der andern Seite einen kleinen Stolz einflössen, der sie veranlassen wird, nie die gute Meinung zu verscherzen, welche man jetzt von ihr zu haben scheint, auch könnte es vielleicht sein, gute Marie, dass sie dir es in der Folge nicht sehr danken würde, dass du unvorsichtig genug warest, ihr ihren gefährlichen Posten zu erkaufen, und es ist dir doch wohl daran gelegen, in den Augen der verständigen Ida nicht zu verlieren.

Der Mann sprach wie ein Orakel, man folgte ihm diesmahl, und das junge Mädchen ward mit allgemeinen guten Lehren abgefertigt, welche in nicht viel mehrern bestanden, als darin, sie sollte immer ihrem redlichen truglosen Herzen gemäss handeln, und sich in zweifelhaften Fällen des Rats ihrer Eltern bedienen. Münster war der altmodischen Meinung, dass der gerade Weg nie trügen könne.

Die geschichte meldet nichts umständliches von Idas Aufnahme bei hof, nur dies sagt sie, dass sie die kaiserin, für welche sie eine so grosse Ergebenheit in ihrem Herzen fühlte, bei weitem nicht so hold und gnädig fand, als da sie sie an Allerheiligen zum erstenmahl sah.

Diese Erscheinung war etwas sehr natürliches; Sophie, so kurze Zeit auch seit ihrem Leben am hof verflossen sein mochte, war jetzt nicht mehr die junge unerfahrne prinzessin, die beim ersten Schritt aus dem Kloster in die Welt von jedem neuen gegenstand heftig gerührt wurde, und ihre Gefühle ohne lange überlegung, ohne Zurückhaltung äusserte. Auch hatte ihr die fürstin von Ratibor ein gewisses Bewustsein ihrer Hoheit eingeflösst, welches sie hinderte ganz so liebenswürdig zu sein, als sie konnte, sie war eine majestätische fürstin, aber für den, der ihr gleichgültig war, keine einnehmende Frau, und gleichgültig war ihr Ida für den gegenwärtigen Augenblick. – Der ehemahlige Eindruck war gänzlich verschwunden, sie sah in Ida nichts als das