1788_Naubert_078_27.txt

vorgefordert. Man hat mit mir von Ida gesprochen, man verlangt sie unter das Frauenzimmer der Kaiserin.

Und das ist die schreckliche Zeitung? – –

Weis Gott, was die ursache dieser so genannten Gnade ist! Man sprach viel von Idas Schönheit, von dem Ruf ihrer Tugend. Ich halte nichts von den Mädchen, welche so im Rufe sind, sollte es auch wegen ihrer guten Eigenschaften sein! – Ach Frau, Frau! dein unüberlegter Einfall, sie an Allerheiligen so öffentlich zur Schau zu stellen!

Aber ich bitte dich, was soll endlich aus der Dunkelheit werden, in die du sie einkerkern willst? – Ist sie deine Tochter, willst du sie für irgend einen ehrlichen Bürger unsers gleichen aufheben? oder soll ein Ritter ihres Standes kommen, und sie unter deinen Schlössern und Riegeln aufsuchen? – Den guten Herrmann von Unna hast du verjagt, würdest du es einem andern besser machen? – Sollten wir nie darauf denken ihr das wieder zu geben, was wir ihr raubten?

Wir, Maria? – Wir? Ich weiss wohl wer es tat, du handeltest, ich riet ab, und ach leider, ich willigte endlich nur ein um dich nicht zu verlieren. Du weist wohl, wie du mir das Kind aus den Armen rissest, als ich einesmahls darauf bestand, es dem Grafen wieder zu bringen. Entweder mich und das Kind; riefst du, oder keins von beiden! Wo sie ist, bleibe ich auch, ich kann sie nicht allein in den Händen der neuen gräfin lassen!

Ida hatte einen Vater, er würde sie geschützt haben!

Alle diese Vorwürfe sind zu spät, ich mache mir sie vielleicht nur gar zu oft selbst, alles was wir jetzt zu tun haben, ist Vergütung dessen, was wir raubten. – Und doch, was sage ich! – Vergütung? Wem sind wir Vergütung schuldig, dem Grafen, der Ida bei den Kindern seiner neuen Gemahlin vielleicht nicht einmal vermisste, oder ihr, die wir zu einem stand herabzogen, für den sie nicht gebohren ist? – Graf Eberhardt mag meinetwegen immer einmal erfahren, dass Ida, sein verlohrnes Kind noch lebt, aber freuen wird es mich, wenn dies nicht eher geschieht, bis wir ihr, ohne seine hülfe, ohne seinen erlauchten Namen, ein Glück verschaft haben, das ihrem stand gemäss ist! – O dass du meine Anschläge mit dem Ritter von Unna vereiteltest. –

Hast du vergessen, was Herrmanns Familie Graf Eberhardten für Schimpf erzeigte? Der alte Berndt von Unna war einer der Anführer der Martinsritter. Nie wird der Graf ihm oder den seinigen die Händel bei Wisbaden verzeihen? –

Brauchten wir Graf Eberhardts Einwilligung zu Idas Glück? Genug wenn sie wieder in die Sphäre kam, in welche sie gehörte, das andere konnte sich geben. Unser Reichtum hätte Herrmanns Mangel am Vermögen ersetzt, seine Tupferkeit hätte ihn empor gehoben, und alle meine Wünsche wären erfüllt gewesen. Aber leider hast du nun meine schönen Hoffnungen vernichtet; Herrmann ist fort und ich muss meine Plane von neuem entwerfen. –

Deine Plane? – Höre die Meinigen, Marie! Lass uns den offenen geraden Weg der Redlichkeit gehen, er ist der sicherste. Lass uns die Zeit abwarten, wenn Graf Eberhart seine Händel mit den Reichsstädten abgetan hat! es kann nun nicht lang mehr anstehen. Dann wird er ruhig auf seiner Burg sitzen und Muse haben, die Entdeckung zu geniessen, die ich ihm machen will. Ich trete denn mit Ida und allen Beweisen ihrer Geburt den Weg an, ich stelle mich vor ihm, und sage; hier, Herr, ist eure Tochter; diese und diese Ursachen bewegten uns, sie euch zu rauben. Wir haben gefehlt, aber seht hier die Ersetzung des Geraubten, Eure kleine kränkliche, in der traurigen Verfassung, in welcher ihr damals waret, tausend Unfällen ausgesetzte Tochter geben wir euch erwachsen, schön und wohlerzogen zurück. – Wie meinst du Marie, wird Idas Anblick uns nicht Verzeihung erwerben? –

Verzeihung für das, wofür uns im grund Dank geziemte? Doch was soll dieser Streit über das, was geschah, und was hätte geschehen sollen, wir wissen was nun geschehen wird. Ida kommt nach hof. Bleibt Herrmann ihr in der Ferne getreu, so findet er sie hier wieder; geschieht dies nicht, so kann ihr ihre Schönheit andere Herzen erobern, und sie ihrer Herkunft gemäss erheben, ohne dass wir einer Demütigung vor Graf Eberhardten nötig haben. –

Frau, Frau; rief Münster; indem er Marien steif ansah, mir geht ein schreckliches Licht auf. Sollte es möglich sein? solltest du teil an der Begebenheit haben, die mir so viel Kummer macht? Soltest du durch Weiberlist Idas Berufung nach hof bewirkt haben? –

Und wenn es so wär, was hätte ich damit gesündigt? –

Diesem Winke folgten tiefere Nachforschungen, diesen das freie geständnis aller Schritte, welche die Frau zu Ausführung ihrer Plane getan hatte, und diesemein Ungewitter, wie wohl in Mariens friedlichem Ehestande noch nie eines über sie losgebrochen war.

Es dauerte lange, ehe die Frau durch Tränen, Bitten und wahre oder erkünstelte Reue über das, was sie tat, und was nunmehr unwiederruflich war, den ergrimmten Münster besänftigte, und alles was sie erlangte, war am Ende doch nicht mehr, als dass er sein erstes Wüten in bittere Vorwürfe, und in Vorstellungen verwandelte, was aus ihrem unüberlegten Schritte erfolgen würde.

Ich