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glaubt ihr denn, junger Herr, dass mich Liebkosungen von dieser Art nicht eifersichtig machen könnten.

Herrmann war verdrüsslich, und beantwortete die Rede des Alten mit etwas Unwillen, auch in Münsters Blicken lag ein wenig Kaltsinn und Missvergnügen; es war fast unmöglich, dass ein so schlauer Mann nicht etwas von den Dingen hätte ahnden sollen, die hinter seinen rücken vorgenommen wurden.

So trennte man sich, und das Gewirr von Erstaunen, Unwillen und fehlgeschlagner Hoffnung, machte, dass die Bedrübniss gar nicht an die Reihe kam, und dass bei der Trennung, die man sich so tränenvoll gedacht hatte, kein Auge nass gemacht wurde.

Zwölftes Kapitel.

Vernichtete und von neuem entworfne Plane.

Herrmann schwang sich auf sein bereit stehendes Pferd und sprengte zum Stadttor hinaus, sein Geist war auf so mannichfache Art beschäftigt, dass er den Weg nicht bemerkte, den er hinter sich legte, nicht gewahr ward, dass der Abend hereinbrach, und nichts von den fragen des alten Andreas vernahm, wo man Nachterberge nehmen wollte. Idas Umarmung, die ihm so deutlich sagte, dass sie ihn liebte, die Nachricht von ihrem stand, der seinem Ehrgeiz so angemessen war, die Ungewissheit, wer sie eigentlich sei, was für Aufgaben zum tiefsten Nachsinnen! Er vergass über diesen Dingen denjenigen Punkt ganz und gar, der ohnstreitig der Münsterin das wichtigste war, und sie wahrscheinlich allein bewogen hatte, ihm das übrige zu entdecken, er vergass das Gesuch der ehrlichen Bürgerin beim Kaiser, das er mit seiner Vorbitte unterstützen, um dessen Willen er nur noch einen einigen Tag zu Prag bleiben sollte.

Ich weiss nicht, welcher Gedanke ihm die Erinnerung an die vergessene Sache noch endlich herbei führte; genug, auf einmal fuhr sie wie ein Blitzstrahl durch seine Seele, er besann sich wo er war, sah die hereinbrechende Nacht, sah Prag in weiter Ferne hinter sich liegen, und schalt auf seine Unachtsamkeit.

Wir müssen augenblicklich zurückkehren, rief er seinem Diener zu, indem er sein Pferd umlenkte, ich habe was notwendiges vergessen, habe ein wichtiges Geschäft beim Kaiser, habe

Andreas hatte diesen Tag über schon etliche mal Zweifel wegen des gesunden Verstandes seines neuen Herrn gehabt, und diese wurden in diesem Augenblick durch die Heftigkeit, mit welcher Herrmann sprach, durch den Inhalt seiner Rede, und durch seinen verstörten blick fast zur Gewissheit gemacht.

Mitlerweile stiess der Ritter der treuen Minne sein Ross an, und nahm den Weg, den er eben gekommen war, mit solcher Eile von neuem vor sich, dass Andreas ihn aus den Augen verlor, ehe er sich noch recht besonnen hatte, was für seinen unglücklichen Herrn zu tun sein möchte.

Ihm nachzueilen war jetzt das notwendigste. Zum Glück war es nicht in die Weite des zurückgelegten Weges, sondern nur ein benachbartes Gebüsch, was ihn seinen Augen entzogen hatte, er erblickte ihn bald von neuem, und setzte die Reise dicht hinter ihm, oder vielmehr, um immer ein wachendes Auge auf seine Handlungen zu haben, fast an seiner Seite fort.

Die geschichte meldet nicht, wenn Herrmann Prag erreichte, und wenn Andreas von der schlechten Meinung, die er von ihm hatte, zurück kam, das erste geschah vermutlich sehr bald, und das andere sehr spät. – Es kam alles zusammen die Unruhe des jungen Ritters zu verlängern und zu vermehren. Diesen Abend, oder vielmehr diese Nacht noch nach hof zu gehen war unmöglich. Die erste Nachricht, welche er am Morgen erhielt, war, der Kaiser sei des vorigen Abends nach Kunradsburg abgegangen. Er eilte dahin, um nach Krumlau gewiesen zu werden. Er fand ihn nicht; man wies ihn an den dritten und vierten Ort, und als er endlich nach vielen Tagen wieder zu Kunradsburg angelangt, Wenzeln wirklich daselbst getroffen, und sich überzeugt hatte, dass der Kaiser wohl diesen Ort alle die Zeit über nicht möge verlassen haben, so ward ihn der Zutritt zu denjenigen, den er sonst alle Stunden ungefordert sehen konnte, so schwer gemacht, dass er die Sache völlig aufgab, und sich begnügte, einen seiner ehemaligen Freunde bei hof, der sich endlich von ihm sprechen liess, sein Gewerbe aufzutragen. Der Höfling versprach die pünktlichste Ausrichtung, und vergass die Sache im nächsten Augenblicke.

Herrmann setzte seine Reise nach Ungarn fort, er fing an mit den seltsamen Dingen, welche sein Gemüt anfangs so sehr verwirrten, bekannt zu werden, und für andere Gegenstände Gefühl zu haben. Andreas begunnte zu merken, dass sein Herr wirklich Verstand wie andere Menschen, und ein Herz wie ein Engel habe. Seine Milde, seine Herablassung nahm den alten Knecht gänzlich für ihn ein, er hätte sein Leben für ihn aufgeopfert, und Herrmann konnte mit Recht hoffen, dass er ihm geringere Opfer nicht versagen würde.

Der junge Ritter wusste, dass Andreas lange im haus des alten Münsters gelebt hatte, es war Möglichkeit, dass er etwas vor Idas Herkommen wusste, und er sparte keine Mühe ihn zu Eröffnung alles dessen, was ihm bekannt war, zu bewegen, aber der Alte hatte entweder nichts zu entdecken, oder Münster war zu schlau gewesen ihm einen Diener mitzugeben, der nicht im stand gewesen sein sollte, die Geheimnisse des alten Herrn vor dem neuen zu verbergen.

Der nemliche Unmut, welcher den Ritter bei dieser Fehlschlagung seiner Hofnungen befiel, herrschte auch zu Prag in dem Münsterschen haus. Münster war unzufrieden mit seiner Frau und vermisste den Umgang seines jungen Freundes, ob er gleich auch