der Welt Lob verdienen, wenn hier Tadel statt finden kann!
Und doch tadelte man mich, fuhr Herrmann fort. Wenzel nannte mich einen weibischen Gecken, der kein Blut sehen könnte, und verbot mir auf drei Tage den Hof. – Ich sehnte mich nicht diese Mördergrube wieder zu besuchen, mein Herz war gänzlich von meinem Herrn abgewandt, und ich entdeckte dem Führer der ungarischen Völker, welcher der eine war, der mich in meiner Verbannung besuchte, den Wunsch, in die Dienste seines Königs aufgenommen zu werden.
Der tapfre Krieger, der mich liebte, riet mir vor der Hand zu bleiben wo ich sei. Ihr seht den gestrigen Auftritt, sagte er, mit zu strengen Augen an, Staatsursachen rechtfertigen manches, das den Anschein des Unrechts hat, es war dem Kaiser allerdings nicht zu raten, die Rebellen ganz ungestraft zu lassen.
Ich beantwortete eine lange Apologie, die mein Freund hier einer unverantwortlichen Tat machte, mit Stillschweigen; ich sah wohl, dass die Welt, dass auch der bessere teil derselben, über gewisse Dinge ganz anders denke, als die unerfahrne Unschuld.
Es gelang dem Redner, vermittelst der Gewalt die er über mein Herz hatte, mich zu bereden, Wenzeln eine Sache zu verzeihen, die ich nicht zu beurteilen im stand sei, seine Gnade anzunehmen, wenn er sie mir so wie zuvor gönnen wollte, die Macht, die ich ohnstreitig über ihn habe, zu gebrauchen, und mich durch eine unzeitige Entfernung nicht um die Belohnung zu bringen, welche er mir für meine geleisteten Dienste schuldig sei.
Ich erschien nach Endigung des gesetzten Termins, den ich gern verlängert gesehen hätte, wieder bei hof. Das auszeichnete Wohlwollen, mit welchem mir der Kaiser begegnete, fesselte mich von neuem, und die Urteile, welche über die Getödteten gefällt wurden, brachten es endlich dahin, dass ich mich entschloss, vor dem Andenken an den Auftritt jener entsetzlichen Nacht meine Seele zu verschliessen, damit mein Glaube, den Hingerichteten sei recht geschehen, nicht wankend gemacht werde.
Wenzel schien jetzt eine neue Epoche seines Lebens anfangen und sich ernstlich bessern zu wollen. Es gab ganze Tage, in welchen er nüchtern war, sein Zechgenosse, der Fürst von Ratibor, den das Volk hasste, blieb zu Kunradsburg, weder Susanne, noch die andern feilen Dirnen kamen zum Vorschein, und man sprach von einer Vermählung mit Sophien, der Tochter des Herzogs von Bayern.
Das ganze Land jauchzte über diesen letzten Entschluss, und jedermann behauptete, eine tugendhafte Gemahlin werde Wenzeln völlig bessern. Auch ich fühlte mich, so wie jeder andere, von neuer hoffnung belebt, von neuem zu meinem Herrn hingezogen. Ich sah einem ganz veränderten Leben an dem hof, der mir vor kurzem anfieng so verhasst zu werden, entgegen, und schwur, ihn nie zu verlassen, ein Gelübde, das ich mit gutem Gewissen brechen kann, da meine Hoffnung so getäuscht ward.
Sophie, die reizende tugendhafte Sophie, ist nun unsre Kaiserin, aber wie schwach sind die Spuren der Besserung, die sie bewirken sollte? – Schon am Vermählungsfeste kam der Fürst von Ratibor, und mit ihm die alten Auftritte der Schwelgerei wieder zum Vorschein. – Hinter ihm her schlich die verworfene Susanne. Wenzel beging die unbegreifliche Frechheit sie seiner Gemahlin vor die Augen zu bringen. – O Münster, ich könnte euch Auftritte erzählen! – Die unglückliche Sophie!
Doch wo denke ich hin? ich erzähle meine geschichte, und nicht die ihrige! – Auch ist die meinige nunmehr zu Ende. Die wichtigste Begebenheit meines Lebens, Idas Erscheinung! meine Liebe zu ihr, mein Unglück! Die notwendigkeit sie und den Hof zu verlassen! O Vater, ihr wisst dieses alles! Lasst mich aufhören!
Ihr habt vergessen, sprach Münster, der Belohnung zu gedenken, die euch euer Herr für eure Dienste schuldig war, und die ihr nach dem Rate eures ungarschen Freundes, hier abwarten solltet.
Der höhnische blick, mit dem ihr dieses sagt, erwiderte Herrmann, bezeichnet die Meinung eurer Worte. – Ich erinnere mich wohl, dass mir einst in einem Rausch von Wein und Dankbarkeit, das erste erledigte grosse Reichslehn versprochen ward; ein Versprechen, dessen Sinn, wenn ich es mit meiner person zusammen dachte, ich nicht recht einsehen konnte. Wenzel mochte damit sagen wollen, was ihm beliebte, so dünkte es mich auf alle Fälle zu gross; ich lehnte es mit vieler Demut ab, und bat um eine anständige Stelle bei der Armee. Mir ward anstatt des Gebetenen, eine erledigte Kammerjunkerstelle zu teil, der Anfang, und vermutlich auch das Ende alles dessen, was ich hier zu erwarten habe. Zwar ich irre, ist das Ritterschwerd und die erlaubnis mein Glück zu suchen, wo ich will, für nichts zu rechnen? –
Eine lange Pause folgte hierauf. Münster und sein junger Freund schienen ganz in Gedanken verloren zu sein. Herrmann riss sich endlich aus seinem schwermütigen Nachdenken empor, und legte seinem treuherzigen Ratgeber seinen Entschluss vor, in Königs Siegmunds Dienste zu gehen, dem er nicht unbekannt sei, und an dessen hof er den Ungarschen Heerführer zum Freunde habe, dessen wir im Vorhergehenden gedacht haben, und von dem Herrmann selbst noch nicht wusste, dass er einer der grössten des Reichs war.
Der alte Münster billigte diesen Plan, versprach, ihm einen von seinen treuesten Knechten mitzugeben, welcher auch ehemahl unter König Siegmunden Kriegsdienste getan habe, und man trennte sich für diesen Abend