, aber ob dieses gleich ein Grund für den ausgearteten Kaiser war, ihn zu hassen, so war doch jener viel zu edel, diesen Hass durch Anschläge auf seines Bruders Leben, oder durch Begierde nach seinem Trone zu verdienen, und er hatte wahrscheinlich sich nur darum entschlossen Wenzels misvergnügen Untertanen hülfe zu schicken, damit man im stand sein möchte, seinen Ausschweifungen ein wenig Einhalt zu tun, und ihm die Bedingungen vorzuschreiben, unter welchen er den Tron vom neuem besteigen sollte, wie böse es die Böhmen mit ihrem Herrn im Sinne hatten, das war ihm wahrscheinlich unbekannt.
Ich hatte genug von dem König von Ungarn gehört, um diese Meinung von ihm zu fassen, und es gelang mir auch meinem Herrn dieselbe beizubringen. Er entschloss sich an seinen Bruder zu schreiben, und ihn um hülfe zu bitten.
"Auch du, so schrieb er, auch du bist wider mich? – O denke an unsern Vater zurück; suche das nicht an dich zu reissen, was er mir zuteilte, brauche deine Macht nicht zu Unterstützung meiner Feinde, nein zu Rettung eines unglücklichen Bruders."
Kaiser Wenzels Hof war jetzt so verlassen, so arm an würdigen Männern, dass die Ueberbringung eines briefes von solcher Wichtigkeit, mir, einem siebzehnjährigen Edelknaben aufgetragen ward, doch dünkt mich, ein anderer hätte schwerlich seinen Auftrag so gut ausrichten können als ich; mein mündlicher Vortrag ersetzte das, was dem Briefe mangelte, und die Treue für meinen Herrn, welche aus jeden meiner Worte sprach, nahm Siegmunden für Wenzels böse Sache ein. Ein Herr, der solche Diener hat, sagte er, kann nicht ganz der verworfene Mensch sein, zu den Wenzeln das Gerücht macht.
Die Bitte des Kaisers ward gewährt. König Siegmund prüfte mich, und ich fand Gnade vor seinen Augen, nur meine Jugend hinderte es, dass er mir nicht das Kommando über die Völker auftrug, welche er seinem Bruder schickte. Ich ward dem Anführer, einem vornehmen versuchten Kriegsmanne, besonders empfohlen, und dieser war herablassend genug, meine Meinung über die Ausführung unsers Anschlags zu hören, und sie seines Beifalls zu würdigen.
Die Prager hatten Hülfsvölker von König Siegmund erwartet; als solche stellten wir uns ein, und wir befanden uns schon mitten in der Stadt, als wir uns erst als Feinde kund gaben. Die Eroberung des Schlosses Wischerad, war nach der Meinung unsers Führers, das vornehmste, auf was wir zu denken hatten. Es kostete Blut, aber endlich sahen wir uns doch Meister von dieser Festung, und Kaiser Wenzel, der von jedem unserer Schritte Nachricht hatte, war nahe genug, um auf unserm ersten Wink Besitz davon zu nehmen.
Er zeigte sich unter einer ansehnlichen Bedeckung dem volk von der Zinne der Festung, er hatte sich diesen Tag den Genuss des Weins versagt, und war also nüchtern genug, mit Nachdruck zu ihnen zu reden. Man huldigte ihm von neuem. Es ward eine allgemeine Verzeihung ausgerufen, und zur Bestätigung derselben alle Grosse der Stadt zum kaiserlichen Mahle eingeladen. – Mein Herz hüpfte bei der Vorstellung eines solchen Friedensfests; ich fand Wenzeln zum erstenmale in meinem Leben gross, seines Standes würdig, weil er so bereitwillig war, seinen Feinden zu verzeihen. Ich sank zu seinen Füssen, als wollte ich ihm für die Gnade danken, die er andern erzeigte; immer hatte ich mich vor den Scenen der Grausamkeit gescheut, welchen ich entgegen sah, wenn Prag wieder in Wenzels hände kommen sollte, es entzückte mich, so angenehm getäuscht zu sein.
Der Kaiser stiess mich ungestüm von sich, und nannte mich einen läppischen Jungen. Ich konnte mir es nicht erklären, was ihm die Aeusserung meiner Empfindungen so widrig machte, bis am Ende des Gastmahls, auf welches ich mich so gefreut hatte. Freilich konnte Wenzel den Dank nicht anders als mit Unwillen von mir annehmen, den er so schlecht verdiente!
Man sass in tiefen Frieden bei der Tafel. Der Wein begunte die Herzen fröhlich zu machen. Die ehrlichen Prager sagten auf Anforderung ihres neugehuldigten Herrn, was sie in seiner künftigen Regierung abgestellt zu sehen wünschten. Wenzel versprach alles, und die getäuschten Männer gelobten ihm auf diese Bedingung die unbegränzte Liebe, die ewige Treue seines volkes.
Der Kaiser ergriff den Pokal und trank zur Bestätigung des Friedensbunds, die Männer taten Bescheid; aber ach, dies war das Signal zu ihrem tod. Zwanzig Schwerdter fuhren hinter ihnen aus der Scheide, der grösste teil von ihnen fiel, ehe er Gefahr ahndete, und Ströme von Blut quollen unter den verschütteten Wein.
Es ist unmöglich meine Empfindungen bei diesem Anblicke zu beschreiben. Das Entsetzen machte mich Anfangs unbeweglich; mein erster Gedanke, als ich mich wieder besinnen konnte, war, Wenzeln um Gnade für diese Unglücklichen zu bitten; der zweite ihnen mit meinem Schwerd an die Seite zu treten, und da mir die Fruchtlosigkeit beider Rettungsmittel in die Augen leuchtete, da in dem nemlichen Augenblick der Mordstahl einen guten achtzigjahrigen Greis, den ich immer wegen seines frommen redlichen Heiligengesichts geliebt hatte, an meiner Seite traf, ohne dass meine ausgebreiteten arme ihn schützen konnten, da sank auch ich ohne Empfindung zu Boden; der Sturm meiner Gefühle, die Ueberraschung, das Entsetzen war zu gross, ich war jung, hatte wohl Feindes Blut, aber nie das Blut der sichern Unschuld bei einem Freudenmahle fliessen sehen; tadelt meine Schwachheit nicht, ich musste unterliegen!
O mit euren übel angebrachten Entschuldigungen! schrie Münster, was wird wohl in