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meines Unfalls, ich hätte die Sache so klug anfangen sollen wie Susanne, ich sollte mich schämen von einem weib übertroffen zu werden, und was der schimpflichen Reden mehr waren.

Ich brannte vor Verlangen, die Heldinn Susanne zu sehen, welche hier durchgängig genannt und gefeiert wurde. Auch hier betrog mich meine Erwartung, ich sah eine plumpe ungeschickte Kreatur, anstatt der Schönheit, wozu die Liebe des Kaisers und die Schmeicheleien der Hofleute sie machten, und erfuhr, dass ihr ganzes Verdienst um Wenzels Leben in ein paar Armen bestand, welchen es nicht an Stärke zum Rudern gebrach.

Ich konnte meine Geringschätzung dieses Weibes nicht bergen, und verlor dadurch sehr viel in der Gnade meines Herrn, auch beliebte es ihm zuweilen gar eifersüchtig auf mich zu sein. Ich war ein schlanker Junge von sechszehn Jahren, und die Bademagd hatte es einesmals sich einfallen lassen, mich schön zu nennen; Dinge, welche mir verachteten Unwillen abnötigten und mein Herz mehr als zur Hälfte von meinem Herrn abwandte.

Der Kaiser konnte mich jetzt so wohl entbehren, dass ich ganze Tage in den Wäldern auf der Jagd zubringen durfte, ohne sonderlich vermisst zu werden. An einem von diesen Tagen war es, dass Wenzel zum zweitenmal in die hände seiner Feinde kam. Ich hütete mich wohl, diesesmal meine vorige alberne Rolle, zu spielen. Die Rettung des Kaisers war in meinem Herzen beschlossen, aber nicht Liebe und Dankbarkeit, sondern Ehrgeiz war es, was mich dazu antrieb; ich wollte das Andenken eines mislungenen Versuchs verlöschen, und den Schimpf von mir wälzen, dass ein Weib mehr vermocht habe als ich, es war mir unausstehlich, mit Wenzels unwürdiger Geliebten auf die entfernteste Art verglichen zu werden, daher ich auch jede Art der Rettung verwarf, welche mit ihrer geschichte einige Aehnlichkeit hatte.

Und doch wollte es das Schicksal, dass ich sie endlich kopiren musste. Alle Anschläge, Wenzeln aus dem Prager Turm zu bringen, verunglückten; es ergab sich, dass ich lange Zeit, Mühe, List und Bestechung verschwendet hatte, ihn aus diesem Kerker zu bringen, als er schon nach Krumlau gebracht war, und auch hier war alles was ich versuchte vergebens, bis ich mich zu dem Susannens Mittel entschloss, welches ich vermeiden wollte.

Ich gewann einen Fischer, wir ruderten des Nachts unter die Fenster seines Kerkers, welche zum Glück nicht vergittert waren, meine stimme machte ihm kund, dass seine Rettung vor der Tür sei. Es war ein grosses Netz aufs wasser gespannt, und seine Majestät ersucht, sich hinein zu stürzen; wir mussten verschiedene Nächte unsere Operation erneuern, ehe sich der träge Wenzel entschliessen konnte einen so gewaltsamen Sprung zu tun. Des dritten Abends kam uns der Wein zu hülfe, und ich weiss noch bis diese Stunde nicht ob freier Wille oder die Dünste seines Lieblingsgetränks ihn in unsere arme stürzten, genug er war gerettet, und klagte, anstatt uns zu danken, über den schweren Fall, den er getan habe, versagte dem Fischer die Belohnung, die ich ihm versprochen hatte, und würde gewiss durch ihn seinen Feinden wieder ausgeliefert worden sein, wenn ich nicht unsern geizigen Führer durch einige kleine Geschenke für den gegenwärtigen Augenblick befriedigt, und ihm gesagt hätte, er möchte sich in Ansehung der Zukunft nicht auf den Kaiser, sondern auf mich verlassen.

Wenzel achtete nicht auf die Beschimpfung, welche darin lag, dass durch dieses Erbieten unser Führer so gleich gestillt wurde, schien es nicht zu fühlen, dass das Wort seines Dieners mehr galt als das seinige. Er rieb seinen Wanst und seine Lenden, und murrte über die Schmerzen des Falles bis ans gegenseitige Ufer.

Ich lieferte ihn in Susannens hände, welche ihn öhlte und salbte bis an den dritten Tag, da er wieder genass, und nun erst sich gefallen liess, mir eine Art von Dank für das, was ich für ihn gewagt hatte, wiederfahren zu lassen. – –

Herrmann, sagte er, ich bin mit dir zufrieden, du bist klug genug gewesen, mit deinem Netze den grössten fisch im ganzen Reiche zu fangen, wirst du dein Handwerk fortsetzen, wirst du dein Netz weiter ausspannen und auch meine Feinde damit zu bestricken wissen, so will ich dich mit Reichtümern überschütten, und du sollst des Fischens nicht mehr bedürfen.

Ich verstand, was seine Majestät mit ihrer Bildersprache sagen wollten, ich bat um Bedenkzeit, und gestand, dass ich im grund mehr Geschick zu ofner Fehde, als zu heimlicher List in mir fühlte.

Das Glück war indessen auf meiner Seite. Es fehlte uns nicht an Ueberläufern aus Prag, wir erfuhren, dass man anfieng, ernstliche Anschläge auf Kunradsburg zu machen, da es nicht wahrscheinlich war, dass Wenzel nach dem, was er erfahren hatte, sich noch einmal ausser seinem schloss würde betreten lassen. Es war zu vermuten, dass man bereits auf einen neuen Kaiser bedacht war, und dass der Tag, an welchem Wenzel zum drittenmal in die hände seiner Feinde fallen würde, zum Tage seines Todes bestimmt sei. Prag ward stark bevestigt, um es nicht wider uns (deren Macht man nicht sehr fürchtete) sondern wider manche andere hände zu verteidigen, welche sich nach Wenzels tod nach der Krone ausstrecken würden. Täglich rückte neue Mannschaft in die Stadt, und wir hatten Nachricht, dass man in kurzem eine ansehnliche Verstärkung aus Ungarn vom König Siegmund erwartete.

König Siegmund war Wenzels Bruder, er hatte nach des Kaisers tod das nächste Recht zur böhmischen Krone