liebte, und weder Mühe noch Kosten sparte, schon da, als ich noch ein Page hiess, einen Ritter aus mir zu bilden.
Ich bildete mir nicht wenig auf meine erlangten Geschicklichkeiten ein, alle meine jungen Gefärten, selbst Kunzmann, der Sohn des alten Hertingshausen, hassten mich um des Stolzes willen, mit welchem ich meine Vorzüge zur Schau trug, und ein Degen, den mir der Kaiser zu tragen vergönnte, und der mich vollends vor allen Jünglingen meines Alters auszeichnete, brachte ihren Neid auf den höchsten Gipfel, man nannte mich nur den wehrhaften Edelknaben, und ich prangte mit diesem Titel, ungeachtet man ihn zu meiner Verspottung ersonnen hatte.
Die Begierde es in ritterlichen Uebungen immer weiter zu bringen und meinem Herrn treu zu dienen, beschäftigte meine ganze Seele, alles übrige achtete ich nicht. Man wusste, dass ich Wenzels Liebling war, und scheute sich also, mir, der ich meinem Herrn nichts verschwieg, etwas von demjenigen hören zu lassen, wovon ganz Prag, wovon das ganze Land voll war, von dem Abscheu, mit welchem man Wenzels Ausschweifungen anzusehen begunte. Nicht jedermann hatte den Glauben meines einfältigen Herzens, einem Fürsten seien Dinge erlaubt, welche an jedem andern bestraft werden müssten, man hasste, man verachtete ihn und sann darauf seiner los zu werden.
Erst spät wurde der träge, fast nie seiner selbst bewusste Kaiser dessen inne. Es war, als er endlich aufmerksam ward, bereits so weit gekommen, dass er sich in Prag nicht mehr sicher halten konnte, und sich einst in einer Nacht mit einem kleinen Ausschuss seiner treusten Leute, unter welchen ich freilich nicht fehlen durfte, nach einem wenig Stunden von Prag erbauten schloss floh, das er Kunradsburg genannt, und in Rücksicht auf den Fall, der sich jetzt zutrug, stark befestigt hatte.
Hier erst war es, wo ich die ursache unserer schleunigen Flucht erfuhr. Ich erstaunte zu hören, dass auch ein Kaiser von Gefahren bedroht werden könnte, und fand bei meinen gränzenlosen Begriffen von den Vorrechten der Majestät die Sache so entsetzlich, dass ich Wenzeln, der sich herabliess, mich selbst von der Lage seiner Sachen zu unterrichten, feierlich schwur, ihn mit meinem guten Schwerdte bis auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen.
Wenzel lachte, und gab mir einen gutgemeinten Schimpfnahmen, mit welchem er mich oft beehrte. Wenn es so weit kommen sollte, dass du mein einiger Verteidiger wärst, sagte er, so müste es schlimm genug mit mir stehen. Lass dein Schwerd in seiner Scheide, lass deine Fäuste ruhen, und gebrauche deine Ohren, lausche wo du zwei heimlich mit einander reden siehst, stelle dich schlafend wenn andere wachen, schimpf und schmähe auf mich, gieb vor, ich habe dich geschlagen, du hassest mich, du wünschest meinen Tod, und man wird dir trauen, du wirst alles erfahren, mir alles entdecken, und wir werden sicher sein.
Ich fand die Ratschläge meines Herrn meinen Gesinnungen so zuwider, verliess mich so fest auf die Macht meines Schwerds, dass ich jede gelegenheit ihm auf andere Art zu dienen aus der Acht liess, und da wir uns nur vor heimlich schleichender List zu fürchten hatten, immer nur auf offenbare Gewalt lauerte.
Die Erbitterung des volkes gegen Wenzeln wuchs. Bald nach seinem Abzug nach Kunradsburg waren drei der vornehmsten unter den Misvergnügten auf seinem Befehl öffentlich hingerichtet worden, und am nämlichen Tage hatte man meinen treuen Lehrmeister, den alten Hertingshausen, auf dem Wege von Kunradsburg nach Prag ermordet gefunden, in der Rinde des Baums, an welchem der Edle gefallen war, stakken zwei Messer, welche mit seinem Blut gefärbt waren, und über denselben waren die Worte mit grober unleserlicher Schrift eingehauen2: Wegen Hochverrats gerichtet von den Freischöpfen. Jedermann wusste, wer der Urheber dieser Tat war, nur ich wusste es nicht. Ich lief hinaus, um den Leichnam meines alten Freundes mit meinen Tränen zu netzen, aber man hatte ihn schon dem neugierigen Volk aus den Augen geschaft. Kunzmann, der Sohn des Ermordeten, begegnete mir: siehe, schrie er mir mit einem blick voll Verzweiflung zu, dies sind die Taten deines lieben Herrn, dem du so treulich dienst!
Ich war kühn genug, vor den Kaiser zu treten, und ihm das, was mir Kunzmann gesagt hatte, vorzuhalten. Wenzels Zaghaftigkeit war so gross, dass er sich zur Rechtfertigung gegen seinen Diener herab liess, und ich, der ich jedem glaubte, war leicht zu überzeugen. Du siehst ja, sagte er, dass nicht ich, sondern die Diener des heimlichen Gerichts die Täter sind. Ob Hertingshausen ein Hochverräter war, das weis ich nicht, aber du siehst wohl aus seinem Exempel, wie auch die geheimsten Verbrechen von der göttlichen Rache verfolgt werden.
Ich glaubte blindlings, was Wenzel sagte, und versprach auch Kunzmann es glauben zu machen. – Des andern Abends als ich in der Dunkelheit durch eines der Vestungsgewölbe ging, bekam ich einen wütenden Stoss in die Seite, ohne den zu sehen, der mir ihn gab, doch dünkte mich die stimme, die ich hörte, Kunzmanns zu sein. Verdammter Klätscher! rief sie mir zu, um deinet willen muss ich fliehen! Ich war zu Boden gefallen, rafte mich auf, sah niemand, sann den Worten nach, die ich gehört hatte, konnte sie nicht begreifen, vergass sie, und bekümmerte mich wenig drum, als man des nächsten Tages Kunzmann, den ich nie sonderlich geliebt hatte