sich jemand unter uns fände, der die begangene Tat rechtfertigen, oder die Strafe für zu streng erklären würde.
Ich verstand damals von diesen Dingen nichts, so viel ich auch davon zu hören bekam; nur die Würkungen davon wurden mir mit jedem Tage merklicher
Ich war der jüngste unter einer Menge von Geschwistern, welche grösstenteils meine Väter und Mütter hätten sein können, und die auch diese Stelle bei mir vertreten sollten. Bernd der älteste und das nunmehrige Haupt der jüngern Linie von Unna ward von seinen Geschwistern mit einer scheuen Ehrfurcht angesehen, und Liebe zu ihm oder Familienstolz bewegte die meisten von ihnen den geistlichen Stand anzunehmen, damit er im stand sein möchte den Namen seines Hauses mit einigem Glanze zu behaupten. Daher kommt es, dass ich euch mit geistlichen Geschöpfen aller Art aus meiner Familie dienen kann, es gibt da Domherrn, Aebtissinnen, geistliche Ritter, Klosterjungfern so viel ihr wollt, und es würde auch wenigstens einen Mönch unter uns geben, wenn ich meinen Geschmack nach dem Willen der andern hätte bequemen wollen. Mir war die Ehre zugedacht, in dem Kloster zu Korf Profess zu tun. Um mich desto eher zu diesem Glück zu befördern, hatte man mit ziemlichen Kosten eine Dispensation vom heiligen Vater ausgewürkt, in welcher geschrieben standt: Junker Herrmann von Unna, sollte wegen seiner frühzeitigen Klugheit und Frömmigkeit, und den ausserordentlichen Spuren eines göttlichen Berufs, bereits in seinem dreizehnten Jahre die erlaubnis haben, die Welt zu verlassen, und das Leben der Engel anzufangen.
Unsere Familie musste besonders gesegnet an solchen Wundern der Heiligkeit sein, denn zwo Schwestern von mir, welche einige Jahre vor mir voraus hatten, waren vor kurzen auf ähnliche Art begnadigt worden, aber ich war bei ihrer Einkleidung gegenwärtig, und sie genossen des Vorzugs, den man ihnen gönnte, auf so trübselige Art, dass ich meinen inneren Beruf, meine frühzeitige Klugheit und Frömmigkeit anfieng zu bezweifeln, und mich scheute Gebrauch von einer Ehre zu machen, die man mir so unverdient zuteilte.
arme Agnes! arme Petronelle! dachte ich, als ich eines Morgens das Kloster verliess, um es nie wieder zu betreten, o dass ich euch so von dem Leben der Engel auf Erden befreien könnte, wie ich ihm jetzt entsage? Lebt wohl ihr Heiligen, lebt wohl ihr Gräber und all' ihr schallenden Klostergewölber, vielleicht in einem halben Jahrhunderte sehen wir uns wieder!
Immer war mein Geist munter und tätig gewesen, schon als achtjähriger Knabe freute ich mich, heimlich das Schwerd meines ältern Bruders schwingen zu können, und von seinen Knechten auf seine Rosse gesetzt zu werden, jetzt da ich heran wuchs, da ich begann stärkere Begierde nach dem zu fühlen was in der Kindheit mein Spielwerk war, jetzt sollte ich mich dem Müssiggange des Klosters widmen? – Nie hatte mir dies in den Sinn gewollt, immer hatte ich mich nur darum verstellt um einmal desto sicherer entfliehen zu können, und meine Maasregeln waren mit hülfe eines vertrauten Dieners meines Bruders so klüglich genommen, dass ich sicher über die Gränze und sicher an den Ort kam, den ich mir zu meinem Aufentalte gewählt hatte.
Der Hof des Kaisers war es, wo ich sicher zu sein glaubte. Ich hatte einmal gehört, ein Kaiser sei ein Schützer aller Bedrängten, und ich, der ich mich für den Bedrängtesten von allen Sterblichen hielt, stellte mich seiner Majestät mit so viel Freimütigkeit und Zuversicht vor, als ob das, was ich suchte, nicht Gnade, sondern ungezweifeltes Recht sei; ich glaube, es war es auch, aber wusste Wenzel wohl etwas von den Rechten der unterdrückten Menschheit? – Doch mir war unbekannt, wieviel Gefahr derjenige lief, der Recht oder Gnade bei ihm suchte; mein guter Engel führte mich gerade in einer Stunde zu ihm, wo er geneigt war, Menschen zu beglücken, und dergleichen Stunden hat doch auch der ärgste Tyrann je zuweilen.
Ich ward unter Wenzels Edelknaben aufgenommen. Die Dankbarkeit für seine Gnade, die ich auf die unbefangenste Art äusserte, meine Munterkeit und froher Mut nahmen ihn ein; ich musste in seinem Zimmer schlafen, musste Tag und Nacht der Ausrichter seiner geheimen Geschäfte sein, und die Unverdrossenheit, mit welcher ich dieses tat, setzte mich immer fester in seiner Gunst. Es war unmöglich, dass Wenzel nicht zuweilen in den Augen derjenigen, die ihm dienten, unter der Larve der Schmeichelei heimliche Misbilligung seiner Taten bemerken sollte, bei mir konnte er nichts dergleichen gewahr werden, denn mich dünkte, alles sei recht, was ein Kaiser tat. Dieses machte, dass er mich unablässig um sich haben wollte, und ich ward auf diese Art nach und nach in allen Geheimnissen seiner Schwelgereien eingeweiht.
Armer, armer Jüngling! rief der alte Münster, was für eine Schule für dein Herz!
Nicht gefährlich, ich versichre euch, ich war zu jung, um eine Neigung zu dem zu fühlen, was ich an meinem Herrn sah, ich dachte, diese Dinge ziemten nur ihm, und ich sehnte mich so wenig seine Pokale zu leeren, oder seine Dirnen zu küssen, als mit den Enten im Teiche zu baden.
Auf der andern Seite schützte mich Begierde zum Waffen und unablässige Beschäftigung vor bösen Eindrücken. Die Stunden, welche Wenzel verschlief, oder wachend verträumte, und in welchen selbst ich ihm nicht angenehm war, brachte ich beim alten Herrmann von Hertingshausen, des Kaisers Waffenmeister zu, der mich schon um des Namens willen, den ich mit ihm gemein hatte,